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Corona

„Kein Engpass in medizinischer Versorgung“

Die Vorsitzende der Kreisärzteschaft Dr. Carola Maitra spricht über die Kapazitäten des Testzentrums am Klinikum – Termine jetzt auch online buchbar

Mit einem Rachenabstrich wird getestet, ob der Patient an Corona erkrankt ist. Foto: Andrea Comas/dpa
Mit einem Rachenabstrich wird getestet, ob der Patient an Corona erkrankt ist. Foto: Andrea Comas/dpa
Carola Maitra. Foto: RKH-Kliniken
Carola Maitra. Foto: RKH-Kliniken

Ludwigsburg. Ist das Testzentrum am Klinikum noch in Betrieb?

Dr. Carola Maitra: Das Testzentrum am Klinikum ist weiterhin in Betrieb. Derzeit laufen die Vorbereitungen auf Hochtouren, um für den gegebenenfalls zu erwartenden Ansturm einer „zweiten Infektionswelle“ gewappnet zu sein. Die Ärzteschaft Ludwigsburg hat Dr. Roland Kolepke mit der Organisation des Testzentrums beauftragt. Er hat als Organisator des allgemeinärztlichen Notfalldienstes bereits Erfahrung. Die Teststelle am Klinikum funktioniert jetzt bereits seit Anfang Mai dieses Jahres trotz wechselnder Anforderungen hocheffizient.

Uns ist zu Ohren gekommen, dass sich am Testzentrum mittlerweile Schlangen bilden. Stimmt das?

Weil die Landesregierung zugesagt hat, die Kosten für alle Reiserückkehrer zu übernehmen, stieg die Nachfrage nach Tests deutlich an. Das führte vorübergehend sogar zu Engpässen. Länger als die erforderlichen 72 Stunden nach Reiserückkehr musste aber niemand warten. Gelegentliche und kürzere Warteschlangen sind schon zur Einhaltung der Abstandsregelungen erforderlich und inzwischen in vielen Bereichen vertraut.

Damit die Teststelle noch besser erreichbar ist und die Testvergabe besser koordiniert werden kann, hat Dr. Kolepke auf eigene Kosten eine Online-Terminvergabe eingerichtet.

Wie groß ist derzeit das Aufkommen und wie weit reichen die Kapazitäten?

Die Anzahl der Testungen hat zugenommen, weil das Land die Teststrategie erweitert hat. Aktuell werden je nach Aufkommen alleine in der Abstrichstelle bis zu 100 Tests pro Tag an beschwerdefreien Patienten, Kontaktpersonen und Reiserückkehrern durchgeführt. Diese Kapazität kann bei Bedarf noch erweitert werden, zudem erfolgen Abstriche in weiteren Einrichtungen. Die Kliniken führen selbst Abstriche bei Patienten und Patientinnen durch, die sich geplant oder im Notfall zur Behandlung ins Krankenhaus begeben. Menschen mit Beschwerden können über viele haus- und kinderärztliche Praxen und auch die Corona-Schwerpunktpraxen im Landkreis Ludwigsburg (siehe Factbox rechts) behandelt werden. Wie viele Abstrichtestungen gemacht werden, hängt nicht nur von den personellen Kapazitäten der verschiedenen Einrichtungen ab. Auch die Testmöglichkeiten verschiedener Labors sowie die Verfügbarkeit von Test-Kits und Abstrichröhrchen spielen eine Rolle. Außerdem sind mit der vermehrten Testung von vielen Personen auch die Kosten nicht unerheblich, die derzeit ja überwiegend von der Allgemeinheit getragen werden. Die reine Laborleistung eines Abstriches kostet derzeit etwa 50 Euro.

Wie sieht der Andrang in den Corona-Schwerpunktpraxen im Landkreis aus?

Mit der ersten Infektwelle haben Kliniken und niedergelassene Ärzteschaft mit bemerkenswerter Schnelligkeit und Effizienz die Versorgung der Bevölkerung übernommen. Dadurch lässt sich der international vergleichsweise gute Verlauf der Pandemie in Deutschland und bei uns im Landkreis erklären. Im niedergelassenen Bereich konnten zur Verminderung der Kontakte und zur Ablaufoptimierung Corona-Schwerpunktpraxen im Landkreis installiert werden. Anfänglich erfolgte deren Einrichtung auch unter dem Gesichtspunkt, Schutzkleidung zu sparen. Jetzt ist ausreichend Schutzkleidung vorhanden, so dass dieser Beweggrund wegfällt. Die Schwerpunktpraxen übernehmen die Versorgung, sofern diese nicht durch Haus- oder Kinderärzte gesichert werden kann. Zu Beginn der Pandemie wurden sie stark genutzt, seit Juni kommen weniger Patienten in die Schwerpunktpraxen. Mit der Lockerung von Maßnahmen und der steigenden Anzahl von Reiserückkehrern werden die Schwerpunktpraxen wieder häufiger besucht. Die zunehmende Anzahl von Infektionen durch Reiserückkehrer und Infektherde bereitet uns natürlich Sorgen. Es bestehen in der medizinischen Versorgung aber weiterhin keine Engpässe, zumal die gesamte Infektlage weiterhin eher gering ist.

Gibt es Reiserückkehrer aus Risikogebieten, die sich im Testzentrum oder in den Arztpraxen testen lassen?

Ja. Nach Terminvereinbarung können sich alle Reiserückkehrer testen lassen, dies gilt auch für Rückkehrer aus Risikogebieten.

Wer bezahlt für deren Test?

Im Zuge der jetzt geltenden erweiterten Teststrategie in Baden-Württemberg werden die Kosten für die Abstriche der Reiserückkehrer vom Land übernommen. Die Abrechnung erfolgt über die Kassenärztliche Vereinigung Baden-Württemberg. Bei den Testungen der Reiserückkehrer geht es nicht nur um die alleinige Testung als solche, es müssen auch die administrativen Grundlagen für die Datenerhebung und natürlich auch die Mitteilung der Ergebnisse geschaffen werden. Der Aufwand ist ein anderer in einer hausärztlichen Praxis als in einem Krankenhaus, bei einer Teststelle auf dem Flughafen oder in einer etablierten Abstrichstelle wie bei uns im Landkreis.

Über die Reiserückkehrer hinaus, nach welchen Kriterien finden die anderen Tests statt?

Es gibt eine Vielzahl verschiedener Testkriterien. Alleine die Gruppen beschwerdefreier Menschen sind vielfältig. Das sind beispielsweise Kontaktpersonen zu Infizierten oder von der Corona-App als Kontaktperson Gemeldete. Es betrifft auch Patienten vor geplanten oder nicht geplanten operativen Eingriffen oder vor dem Aufenthalt in Reha-Kliniken. Auch Menschen in Altenheimen und Pflegeeinrichtungen werden getestet. Darüber hinaus können Lehrer und Angestellte in Schulen und Kinderbetreuungseinrichtungen bis 30. September zweimalig getestet werden. Außerdem werden natürlich alle Patienten getestet, die Symptome einer Erkältungskrankheit oder eines bronchopulmonalen Infektes aufweisen.

Gibt es die Option, sich freiwillig testen zu lassen? Muss man die Kosten dann selbst übernehmen?

Sofern keine der zuvor genannten Kriterien zutrifft, kann der Abstrich auf Wunsch auch als sogenannte Individuelle Gesundheitsleistung erbracht und privat in Rechnung gestellt werden. Vorausgesetzt, die Kapazitäten sind vorhanden. Nach derzeitigem Stand ist hierfür mit insgesamt etwa 100 Euro pro Abstrich zu rechnen. Hinzu kommen noch Kosten für Beratung, Abstrichentnahme und Ähnliches von rund 30 Euro.

Wie wird bei einem negativen oder positiven Testergebnis weiter verfahren?

Bei einem negativen Abstrich muss keine Quarantäne erfolgen; es sind wie zuvor auch die üblichen Hygienemaßnahmen erforderlich. Wer aus einem Risikogebiet eingereist ist, muss gegebenenfalls noch ein zweites Mal getestet werden. Das ist sinnvoll, weil Symptome nicht direkt am Tag der Infektion auftreten. Um eine Infektion sicher ausschließen zu können, sollte bis zum Vorliegen des Testergebnisses auf jeden Fall eine häusliche Quarantäne eingehalten werden.

Das Vorgehen bei einem positiven Testergebnis richtet sich individuell nach den jeweiligen Gegebenheiten, zum Beispiel der Schwere und Ausprägung der Erkrankung sowie Begleiterkrankungen. Für die Verordnung seuchenhygienischer Maßnahmen, wie zum Beispiel einer Quarantäne, nimmt das Gesundheitsamt Kontakt mit den Betroffenen auf.

Welche Art von Test wird im Testzentrum eingesetzt?

Es werden in der Regel Rachenabstriche genutzt, in seltenen Fällen sind auch Nasenabstriche erforderlich. Es werden hierfür fertige Test-Kits verwendet.

Auf was prüft der Test genau? Wie verlässlich sind die Ergebnisse?

Bei den Abstrichtestungen handelt es sich um PCR-Testungen. Mit diesen können die SARS-CoV2-Viren mit hoher Genauigkeit nachgewiesen werden.

Wurden jemals, wie ursprünglich angedacht, bei einer positiv getesteten Person zusätzlich zehn Kontaktpersonen getestet?

Grundsätzlich wird versucht, die engeren Kontaktpersonen zu testen, um Infektketten einzudämmen.

INfo: Seit neuestem können Termine bei der Teststelle auch online ausgemacht werden – und zwar auf der Internetseite www.corona-teststelle-ludwigsburg.de. Zudem ist es weiterhin möglich, sich per Telefon unter (07141) 281250 oder (07141) 9997040 anzumelden. Hier können alle Reiserückkehrer einen Termin für einen kostenlosen Corona-Abstrich innerhalb von 72 Stunden nach der Einreise vereinbaren.

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