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Mobilität

Kein Interesse an E-Tretrollern

Nur vereinzelt sieht man Menschen auf privaten E-Tretrollern durch die Barockstadt sausen. Einen Verleih für die Scooter gibt es in Ludwigsburg bisher nicht. Wenn es nach der Stadtverwaltung ginge, müsste sich das auch nicht unbedingt ändern.

In vielen Städten gehören die E-Tretroller bereits zum Stadtbild – in Ludwigsburg noch nicht. Foto: Roland Weihrauch/dpa
In vielen Städten gehören die E-Tretroller bereits zum Stadtbild – in Ludwigsburg noch nicht. Foto: Roland Weihrauch/dpa

Ludwigsburg. In Stuttgart, München und Berlin gehören die E-Tretroller inzwischen zum Stadtbild dazu. Sie stehen in Fußgängerzonen, auf Gehsteigen und in Parks. Denn die Fahrzeuge der Anbieter von Leihrollern können überall abgestellt und entliehen werden. Was sich auf den ersten Blick komfortabel anhört, hat sich inzwischen schon zu einem Problem entwickelt. Denn die überall abgestellten Scooter sorgen für Ärger, etwa bei Fußgängern, denen sie im Weg stehen.

Probleme, über die sich in Ludwigsburg vorerst wohl niemand ärgern muss. Denn bisher ist noch kein Anbieter auf die Stadtverwaltung zugekommen und hat Interesse, einen Scooter-Verleih in der Barockstadt aufzubauen und anzumelden. „Die Anbieter gehen wohl erst auf die Metropolen zu“, vermutet Matthias Knobloch, Leiter des Fachbereichs Nachhaltige Mobilität. Ludwigsburg stehe wahrscheinlich erst an dritter Stelle auf der Prioritätenliste.

Sollte niemand auf die Stadtverwaltung zukommen, so sei das kein Problem. Denn Matthias Knobloch ist nicht überzeugt von den E-Tretrollern. Auf dem Städtetag habe er mit Anbietern für Leihroller gesprochen. Dort habe er erfahren, dass die Scooter hauptsächlich von Touristen genutzt werden. Doch die Entfernungen vom Bahnhof zu Sehenswürdigkeiten sind in Ludwigsburg kurz, können gut zu Fuß zurückgelegt werden. „E-Scooter wären da die teurere Alternative“, so Knobloch.

Wer einen E-Scooter leihen möchte, zahlt eine Pauschale, die in den meisten Fällen einen Euro beträgt. Außerdem berechnen die Anbieter Kosten pro Minute. In Stuttgart betragen diese derzeit 15 Cent bei einem Anbieter, bei zwei anderen 20 Cent. Eine halbe Stunde kostet also zwischen 5,50 und sieben Euro. „Mit dem Stadtticket kommt man da günstiger weg“, sagt Knobloch. Mit diesem kann man in Ludwigsburg für drei Euro den ganzen Tag mit dem Bus fahren.

„Aus Mobilitätsgründen brauchen wir also keine E-Tretroller“, sagt Knobloch. Vor allem, da viele Städte schon festgestellt haben, dass die Scooter mehr Probleme als Nutzen bringen. Vor allem die Tatsache, dass sie überall abgestellt werden und so für Chaos sorgen, ist vielen Stadtverwaltungen ein Dorn im Auge.

Was Matthias Knobloch sich vorstellen könnte, ist ein kleines, stationsgebundenes System am Bahnhof in Verbindung mit den Firmen in der Weststadt. Das heißt: Einige wenige E-Tretroller, die ähnlich wie Leihräder an einer bestimmten Stelle entliehen und auch wieder abgegeben werden müssen. Für diejenigen, die in der Weststadt arbeiten, könnte das eine gute Möglichkeit sein, das letzte Stück zwischen Bahnhof und Arbeitsplatz zurückzulegen. „Darüber machen wir uns aber nur Gedanken, wenn es von den Firmen gewollt wird“, betont Knobloch.

Stattdessen möchte Ludwigsburg die RegioRad-Stationen ausbauen – etwa auch in den Stadtteilen. Knobloch sieht die Räder im Vorteil gegenüber den E-Tretrollern: „Mit dem Rad kann man größere Entfernungen zurücklegen.“ Außerdem können die Räder auch in anderen Städten, die mit RegioRad zusammenarbeiten, abgegeben werden. Den Fokus legt die Stadt auf Pedelecs und E-Lastenräder. Das Ziel sei es, den Ludwigsburgern diese Art von Mobilität schmackhaft zu machen, so dass sie sich selbst ein Pedelec oder E-Lastenrad anschaffen. „Wir sehen es als Werbemaßnahme für die E-Mobilität“, so Knobloch.

Sollte ein Anbieter für Leih-E-Roller auf die Stadt zukommen, habe sie kaum die Möglichkeit, das zu verhindern. Dessen ist sich Matthias Knobloch bewusst. „Den seriösen Anbietern liegt an einer guten Zusammenarbeit“, sagt er. Man würde sich also zusammensetzen und die Vorstellungen von Stadt und Anbieter diskutieren. „Ich bin mir sicher, dass wir dann eine Lösung finden würden“, so Knobloch.

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