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Analyse

Kinderhaus Klex heißt jetzt Klecks

Laut ausgesprochen gibt es zwischen den Worten „Klex“ und „Klecks“ keinen Unterschied. Doch während Ersteres für Kirchheim einen Rechtsstreit wegen Markenverletzung bedeuten könnte, dürfte Zweiteres nun wieder für Ruhe im kommunalen (Kita-)Alltag sorgen.

Ludwigsburg. „Klex“, das war seit 2011 der Name des Kinderhauses im Ort. Die Eröffnung damals ist groß gefeiert worden, das Logo – bunte Buchstaben hinterlegt mit einem gelben Farbklecks – prangte groß an der Eingangstür. So weit, so gut. Doch dann, vor einigen Wochen, erreichte die Verwaltung um Bürgermeister Uwe Seibold die Nachricht einer Anwaltskanzlei, die die Berliner Firma „Klax“ vertritt. Diese wiederum betreibt als freier Träger Krippen und Kindergärten. „Klax“ kleckerte nicht lange, sondern machte Kirchheim gegenüber einen Markenverletzungsanspruch geltend (wir berichteten). Wie Seibold sagte, habe es das Angebot gegeben, dass „Klex“ noch bis Jahresende „Klex“ heißen dürfe – allerdings hätte die Kommune hierfür 1000 Euro zahlen sollen. Und so etwas stößt nicht nur sparsamen Schwaben auf. Da auch der beauftragte Fachanwalt von einem möglichen Rechtsstreit abriet, entschied der Gemeinderat in seiner Februarsitzung, künftig auf „Klex“ zu verzichten und einen anderen Namen zu suchen. Zwischenzeitlich sei von der „Klax“-Anwaltskanzlei darauf hingewiesen worden, dass „Klex“ unrechtmäßigerweise noch an verschiedenen Stellen vorzufinden sei. „Das war völlig unnötig“, findet Seibold. Schließlich brauche man ein paar Tage Zeit, um ein Logo komplett verschwinden zu lassen.

Der drohende Namensverlust sorgte jedoch auch für Reaktionen bei denjenigen, denen kommunale Entscheidungen bisher relativ egal waren – nämlich bei den Kleinen, die das Kinderhaus besuchen. Für die Kinder sei es teils eine Tragödie gewesen, als sie gehört hätten, dass „Klex“ nicht mehr „Klex“ heißen solle, sagte Seibold am Donnerstagabend im Gemeinderat und fügte an: „Aber jetzt heißt es ja immer noch so.“ Denn das Gremium hat beschlossen, das Kinderhaus in „Klecks“ umzubenennen. Und diese Entscheidung war wahrlich kein Schnellschuss. Denn – Erfahrung macht klug – die Verwaltung hat sich zuvor mit der von ihr beauftragten Rechtsanwaltskanzlei Eisenmann Wahle Birk & Weidner abgestimmt. Die Firma „face-design“ hat ein neues Logo entwickelt, „das auf der Basis des Wortes ,Klecks‘ und damit auf der Basis der nach Duden korrekten Schreibweise und des korrekten deutschen Wortes ausgearbeitet wurde“. Ein vergleichbares Logo sei für Angelegenheiten der Kinderbetreuung beim deutschen Patent- und Markenamt bislang noch nicht zum Schutz beantragt worden, die Nutzung des Logos dürfte auch aus Sicht der Anwaltskanzlei unproblematisch sein. Aber da die Kommune diesbezüglich schlechte Erfahrungen gemacht hat, hat sie jetzt den Schutz der neuen Wort-/Bildmarke „Klecks“ beantragt. Was aber, wie Seibold sagte, nur wenig wert sei, wenn jemand komme und glaubhaft versichern könne, dass er es schon länger nutze. Dass das passieren könnte, hofft natürlich niemand. Zumal das neue Logo sehr hübsch geworden ist: der gelbe Farbklecks ist geblieben, genau wie das graue Dach über dem Namen und die Unterzeile. „Aber es ist ein neues Wort mit neuen Farben“, betonte Seibold – „damit müssten wir toi, toi, toi zumindest gegenüber Berlin sicher sein.“

Der Bürgermeister erzählte, dass es viele Reaktionen auf die letzten Beratungen im Gemeinderat gegeben habe. Nicht nur, dass Namensvorschläge eingegangen seine, auch ein Fernsehsender hat sich für den Fall interessiert: Ein Team von „Extra 3“ war jetzt in Kirchheim unterwegs und hat sich die ganze Sache nicht nur von Seibold, sondern auch von den Kindern erklären lassen. Diese zeigten wenig Verständnis für das Hickhack – „bei Klex ist noch ein Farbklecks, außerdem sind die Farben unterschiedlich“, findet beispielsweise ein Junge, als er für den Fernsehbeitrag die Logos vergleicht. Da es sich bei „Extra 3“ um ein Satiremagazin handelt, ist der Beitrag, der unter der Rubrik „Der reale Irrsinn“ in dieser Woche ausgestrahlt wurde, natürlich ziemlich lustig. Der TV-Sprecher kommt darin auf die enorme Verwechslungsgefahr zu sprechen, die „Klax“ ja als Grund für das Vorgehen anführt: „Berliner Eltern könnten morgens ihre Kinder ausversehen in den Kindergarten nach Kirchheim bringen.“ Hinterlegt wurde das mit einer Deutschlandkarte, die den langen Weg von der Hauptstadt ins Ländle deutlich machte.

In Kirchheim zumindest können sie über die Sache mittlerweile auch lachen, wie sich am Donnerstagabend gezeigt hat. Die Stimmung war jedenfalls äußerst prächtig, als die Verwaltung dem Gremium den mehrminütigen Film präsentierte.

Auch wenn die Kommune mit dem Verzicht auf „Klex“ einen drohenden Rechtsstreit umgangen hat, so kostet die Namensänderung ordentlich Geld. Abgesehen vom Markenschutzantrag muss die Gemeinde etwa 10 000 Euro investieren, um das Logo beispielsweise in kommunalen Veröffentlichungen und anderen Drucksachen auszutauschen. So eine Umstellung ist offensichtlich kein Klax, äh Klacks.