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Sparprogramm wegen Mitgliederschwund
Kirchenbezirk Ludwigsburg: Kirchen und Pfarrhäuser kommen auf den Prüfstand

Welche und wie viele Kirchen und Gebäude kann sich der evangelische Kirchenbezirk Ludwigsburg in Zukunft noch leisten?
Welche und wie viele Kirchen und Gebäude kann sich der evangelische Kirchenbezirk Ludwigsburg in Zukunft noch leisten? Foto: Holm Wolschendorf
Weil die Mitglieder und damit die Einnahmen sinken, muss der evangelische Kirchenbezirk Ludwigsburg sparen. Viele seiner Gebäude werden wohl verkauft.

Ludwigsburg. Der evangelische Kirchenbezirk Ludwigsburg stellt alle seine Gebäude auf den Prüfstand. Bei der Sondersitzung der Bezirkssynode in der Kornwestheimer Johanneskirche hat sich das Kirchenparlament mit dem Immobilienkonzept „Oikos“ beschäftigt und eine Zukunftsstrategie aufgestellt. Bei „Oikos“ gehe es um die Frage, welche kirchlichen Gebäude noch zukunftsfähig sind und welche keine finanzielle Förderung für Sanierung mehr erhalten werden, heißt es in einer Mitteilung der Kirche.

Im evangelischen Kirchenbezirk Ludwigsburg – er umfasst die Gemeinden Ludwigsburg, Asperg, Freiberg, Tamm, Remseck, Möglingen und Kornwestheim – besitzt die Kirche derzeit 147 Gebäude. Darunter sind Kirchen, Gemeinde- und Pfarrhäuser, Kindergärten und Verwaltungsgebäude. Diese seien in den vergangenen Monaten einer baulichen, technischen und energetischen Analyse unterzogen und in detaillierten Datenblättern erfasst und bewertet worden.

Alle Kirchengebäude kategorisiert

Auf Grundlage der zusammengetragenen Daten wurden die Gebäude in ein Ampelsystem eingeordnet. Grün, Gelb, Rot und Blau geben einen ersten Anhaltspunkt, wie es um den baulichen und sanierungsmäßigen Zustand der Gebäude steht und welche Zukunftsperspektiven sie haben. Grüne Gebäude würden auch weiter gefördert werden, rote Gebäude müssten alternativ finanziert, genutzt oder veräußert werden.

Mit dem Immobilienkonzept „Oikos“ reagieren die Kirchen auf verschiedenste Herausforderungen: Dazu gehören zurückgehende Kirchenmitgliederzahlen und damit verbunden rückläufige Kirchensteuern, aber ebenso die sinkende Zahl von Pfarrerinnen und Pfarrern, das Ziel der Klimaneutralität bis 2040 und die Inflation, die die Bau-, Sanierungs- und Unterhaltungskosten steigert. Bis 2030 wird mit sinkender Kirchensteuer um 18 Prozent gerechnet, wohingegen der Preisindex bei den Baupreisen von 2010 bis 2024 um gut 80 Prozent gestiegen sei. Diese Zahlen wurden bei der Sondersynode vorgestellt und zeigten den dringenden Handlungsbedarf.

Hohe Kosten durch den Klimaschutz

Für alle Gebäude rechnet der Kirchenbezirk in den kommenden Jahren mit Sanierungskosten in Höhe von knapp 50 Millionen Euro. Allein die klimarelevanten Maßnahmen betragen etwa die Hälfte der gesamten Sanierungskosten. Die Kosten müssten jeweils anteilig von den Kirchengemeinden und dem Kirchenbezirk, von Fördermitteln und anderen Finanzierungsformen getragen werden. Je nach Gebäudeart liege der zu finanzierende Eigenanteil der Kirchengemeinden zwischen 45 Prozent und bis zu 70 Prozent.

Die kompletten Kosten für die Gesamtzahl der Gebäude übersteigen die Möglichkeiten der Kirche. Darum rechnen sowohl die Landeskirche als auch der Ludwigsburger Kirchenbezirk damit, dass rund 30 bis 50 Prozent der Kirchengebäude in Zukunft nicht mehr in der derzeitigen Art genutzt und unterhalten werden können.

Der evangelische Kirchenbezirk Ludwigsburg tritt nun in die Phase 1 des Oikos-Prozesses ein. Auf der Sondersynode haben sich die Delegierten in einem interaktiven Rundgang über einen „Marktplatz“ über verschiedene bereits umgesetzte oder geplante Projekte informiert. So wurde der Tagungsort, die Johanneskirche von Kornwestheim, als eine gelungene bauliche Umgestaltung konkret erfahrbar. Die Kirche wurde so umgebaut, dass sie als multifunktioneller Raum nutzbar ist. Dadurch konnte auf das Gemeindehaus verzichtet werden.

Weniger Gemeindehäuser in Freiberg

Für Freiberg wurde ein Konzept der „Neuen Mitte“ vorgestellt. Die anderen Gemeindehäuser werden im Gegenzug langfristig nicht mehr benötigt. Für Remseck wurden erste Pläne präsentiert, wie ein Teil der Gebäude aufgegeben werden könnte zugunsten der Sanierung und konzentrierten Nutzung anderer Gebäude.

Ähnliche Planungen und Konzepte müssen von allen Kirchengemeinden in der nächsten Oikos-Phase angedacht, ausgearbeitet und koordiniert werden, jeweils für sich, in Kooperation mit Nachbargemeinden und in Abstimmung mit dem Kirchenbezirk. Der gesamte Oikos-Prozess ist auf rund eineinhalb Jahre angesetzt. Ende 2027 soll der Beschluss für das Gesamtkonzept gefasst werden, womit dann die zukünftige Förderung und Nutzung oder auch die Aufgabe von einzelnen Gebäuden konkret umgesetzt werden können.