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Klassen gehen auf Wanderschaft

Vorbei die Zeiten, als eine Schule einem Gebäude zugeordnet werden konnte: Ab kommendem Schuljahr gehen die Schüler im Innenstadtcampus kräftig auf Wanderschaft. Denn in den nächsten Jahren fehlen laut Stadt 38 Klassenzimmer.

Die durchgefärbten Gebäude sind die Stammhäuser der Schulen, die schraffierten Flächen zeigen die Ausweichquartiere samt Klassenzahl.
Die durchgefärbten Gebäude sind die Stammhäuser der Schulen, die schraffierten Flächen zeigen die Ausweichquartiere samt Klassenzahl.

Ludwigsburg. Dass es am Innenstadtcampus an den weiterführenden Schulen eng wird, ist wahrlich keine Überraschung – schon jetzt haben die drei Gymnasien und die Realschule einen Bedarf von zehn Klassenzimmern angemeldet. Die Verwaltung hat den Campus durchforstet: Weil in den Stammgebäuden zum Schuljahr 2022/23 sonst 32 und langfristig 38 Zimmer fehlen, müssen die Klassen auf dem gesamten Campus verteilt werden. 34 Ausweichzimmer wurden gefunden.

Damit ist bei den weiterführenden Schulen angekommen, was in den Kitas längst Alltag ist und in den Grundschulen für Probleme sorgt: Der Platz geht aus. Kinder, die nach früheren Prognosen der Stadt eigentlich nicht da sein dürften, stellen die Verwaltung vor größte Probleme – und damit auch Kinder und Eltern.

Ein hausgemachtes Problem?

Mit der neuen Verteilung, sagte Daniel Wittmann im Sozialausschuss, lege man „fast eine Punktlandung“ hin. Der Abteilungsleiter Schulen im Fachbereich Bildung und Familie gab jedoch zu, die Verteilung sei „durchaus auf Kante genäht“. Für ihre Vorhersagen bedient sich die Verwaltung weiter des Büros Biregio, dessen Prognosen in der Vergangenheit regelmäßig zu kurz gegriffen und die Kinderzahlen zu niedrig angesetzt hatten. Die aktuelle Prognose geht nun von einem Höhepunkt der Kinder im Kindergartenalter im Jahr 2025 aus.

Doch schon jetzt ist keine Luft nach oben, hinzu kommt der Fachkräftemangel. In Kitas werden Zeiten reduziert, Gruppen geschlossen oder erst gar nicht eröffnet. Im November 2018 beschloss der Gemeinderat die Veränderung der Grundschulbezirke, um die Innenstadt zu entlasten. Eine komplizierte Rochade sollte Grundschüler in Richtung Ost lenken – dafür muss die neue Grundschule Fuchshof kommen, die aber auf sich warten lässt. Die provisorische Lösung, die sich an mehreren Grundschulen beobachten lässt und wohl lange Bestand hat, sind Container.

Im engen Innenstadtcampus prallen mehrere Probleme aufeinander, abgesehen von Kinderreichtum, Lehrermangel und Unterrichtsausfällen. Jahrelang hatte die Verwaltung zugeschaut, wie das Mörike-Gymnasium weiter wuchs, seit die Schule 2013 in den Modellversuch des neunjährigen Gymnasiums (G9) einstieg.

Bevor die Eingangsklassen vom Schulträger gedeckelt wurden und ein regionaler Schulentwicklungsplan galt, war das Mörike zuletzt auf sieben Eingangsklassen gewachsen, davon sechs G9-Klassen: Eine mögliche Erklärung, warum das Mörike 2022 einen Bedarf von 15 Klassenzimmern aufweist. Seit 2017 gilt nun: Das Mörike darf sechs fünfte Klassen haben (davon eine G8, die sie vorhalten muss), die anderen Gymnasien vier, die Realschulen je fünf und die Gemeinschaftsschulen je drei.

Gemeinschaftsschule wächst

Das Schiller-Gymnasium benötigt bereits jetzt acht weitere Klassenzimmer. Auch ein Grund: Der schadstoffbelastete Betonbau wird abgerissen und laut Erstem Bürgermeister Konrad Seigfried nicht ersetzt. Das Goethe-Gymnasium – trotz des erst beendeten Umbaus – braucht vier. Der Bedarf der Gemeinschaftsschule wird im September virulent. Dort fehlen dann vier Klassenzimmer, 2020 wären es bereits acht. Die Schule bekommt zwar Coachingräume im Stadtbad, hat aber nur 18 Klassenzimmer – und wächst bis 2020 um zwei weitere Jahrgänge bis Klasse 10.

Das veränderte Wahlverhalten der Eltern entlastet dabei die Gemeinschaftsschule mit anfangs fünf Eingangsklassen: Die Anmeldungen in der Innenstadt und an der Justinus-Kerner-Gemeinschaftsschule haben nach der ersten Euphorie deutlich abgenommen. Damit wird allerdings eine gymnasiale Oberstufe unwahrscheinlicher, die einer bestimmten Schülerzahl bedarf.

Seigfried dürfte auch froh sein, dass sich die Werkrealschule in Eglosheim trotz aller Unkenrufe erfolgreich gegen ihre Schließung wehrte. Die Hirschbergschule ist wieder zweizügig, nimmt Kinder von der Realschule auf und ist eine Alternative zu der Gemeinschaftsschule mit einer wachsenden Zahl an Kindern mit Hauptschulempfehlung.

Auch auf ein weiteres ewiges Provisorium kann nicht verzichtet werden: Die Silcherschule ist als Ausweichquartier gesetzt. Vorne residieren noch bis 2021 Schüler der alten Justinus-Kerner-Schule, im hinteren Gebäude finden Mörike- und Gemeinschaftsschüler Aufnahme. Die Stadträte sprachen von einer kritischen Herausforderung, Seigfried reagierte: Er kündigte „eine stärkere Steuerung“ an.

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