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Radrouten

Kleine Fortschritte oder nur ein Armutszeugnis?

Grüne gehen den Mobilitätsbürgermeister scharf an – Stadt zeigt sich zuversichtlich, in den kommenden Jahren das „Radrouten-konzept 2025“ umsetzen zu können

An der B 27: Autos biegen rechts ab, Radler fahren künftig geradeaus auf der Friedrich-Ebert-Straße und nicht auf dem Radweg weiter. Die Fraktionen möchten für die Radfahrer eine Aufstellfläche auf der ganzen Breite der Alleenstraße. Foto: Holm Wolsc
An der B 27: Autos biegen rechts ab, Radler fahren künftig geradeaus auf der Friedrich-Ebert-Straße und nicht auf dem Radweg weiter. Die Fraktionen möchten für die Radfahrer eine Aufstellfläche auf der ganzen Breite der Alleenstraße. Foto: Holm Wolschendorf

Ludwigsburg. Einen dicken Packen an Anträgen der Fraktionen zum Thema Radwege hat die Stadt aufgearbeitet, teilweise reichen diese bis ins Jahr 2016 zurück. Damals hatten die Grünen einen Zeitplan für die Umsetzung des Radroutenkonzepts gefordert, jetzt nach vier Jahren gab es dazu eine Antwort. Was die Stadtverwaltung bisher unternommen hat, sei ein „Armutszeugnis“, wetterte die stellvertretende Grünen-Fraktionsvorsitzende Christine Knoß, die in der Sitzung am Donnerstag im Mobilitätsausschuss direkt Bürgermeister Michael Ilk anging, der das zu verantworten habe. „So manches, was hier als Erfolg verkauft wird, ist schlicht ein Versagen.“

Grund für die harsche Kritik sind Hinweise der Verwaltung auf Radstrecken wie die Strombergstraße, für die nur zwei Pfosten in der Straße nötig waren, um Autos abzuhalten, oder auf Projekte wie Seestraße und Mathildenstraße, bei denen man mit etwas Farbe die seit vielen Jahren eingeforderten Verbesserungen endlich angegangen sei. Ilk indes wunderte sich, man habe an vielen Stellen etwas für Radfahrer getan, es gebe aber auch andere Verkehrsteilnehmer, die zu berücksichtigen seien. „Es gab Zeiten, da haben mich die Grünen vor Begeisterung gedrückt“, verwies er auf die Phase, als er sich für den Ausbau des Radwegs an der Marbacher Straße eingesetzt hat.

Die anderen Fraktionen im Ausschuss zeigten sich erstaunt über die Attacke, auch wenn es Defizite gebe. Schuld daran, so die SPD-Fraktionschefin, sei aber nicht die Verwaltung. „Der Straßenraum ist begrenzt, wir müssen auch an Fußgänger und Busspuren denken, und außerdem war es der Gemeinderat, der hier manches abgeblockt hat“, stellte Margit Liepins fest. CDU und Freie Wähler sehen die Verwaltung auf gutem Weg, plädierten nochmals für den Bau von Quartiersgaragen, die der Schlüssel dafür seien, in den Straßen Parkplätze entfernen zu können und mehr Platz auch für Radfahrer zu schaffen. „Erst dann ist eine Mobilitätswende möglich“, so Maik Stefan Braumann (CDU), der eine weitere „Vernichtung von Parkplätzen“ befürchtet.

Seine Einschränkung, dass es sich bei Radwegen an erster Stelle nur um Wege für Schüler handelt, blieb nicht unwidersprochen. Ludwigsburg sei Radkulturstadt und als solche habe sie sich wie auch andere Städte verpflichtet, den Radverkehr für alle, und nicht nur auf den Schulwegen, auszubauen, merkte Silke Gericke (Grüne) an. Für mehr Akzeptanz und Sichtbarkeit der Radwege sprach sich FDP-Stadträtin Stefanie Knecht aus, die anregte, wie in anderen Städten mehr Farbe einzusetzen. Erst wenn der Radweg als solcher erkannt werde, werde er auch besser benutzt.

Die Verwaltung legte neben Skizzen, tabellarisch aufgelisteten Maßnahmen zu einzelnen Straßen und ergänzenden Infos zu den Radrouten ein Paket vor, das die Vielschichtigkeit aufzeigt. Die ursprünglich 2015 von einem Büro ausgearbeiteten zehn Radrouten, so Sascha Behnsen vom städtischen Fachbereich Nachhaltige Mobilität, seien ein Grobkonzept. An den Details müsse man arbeiten, nicht überall lasse sich die Route auf einfache Weise umsetzen, weil die Straße zu schmal ist oder auch Grundstücke nicht der Stadt gehören.

Behnsen zufolge sind alle zehn Radrouten in der Planung, dies sei auch Voraussetzung dafür, Fördermittel beantragen zu können. Dabei habe sich nicht nur gezeigt, wie beispielsweise entlang der Heilbronner Straße, dass es dort keine einfache Lösung geben wird, sondern auch, wo noch Lücken im Radnetz sind: etwa auf der Strecke vom Fuchshof über den Remsweg ins Schlösslesfeld, die viele nutzen. Dazu kommt, dass mit den Überlegungen für eine ÖPNV-Rad-Trasse quer durch die Stadt auch zwei der Hauptradrouten mitberücksichtigt sind, etwa die durch die Wilhelmstraße und die Schorndorfer Straße. Auch der überregionale Radschnellweg (RS8) zwischen Bietigheim-Bissingen und Stuttgart führt auf einer Strecke durch Ludwigsburg, die als Radroute vorgesehen ist. Er entspricht der Route an den Innenstadtschulen vorbei.

Von den Radrouten gibt es bislang die Route Marbacher Straße sowie Teile der anderen Routen, etwa in der Bottwartalstraße, der Comburgstraße und jüngst die umgewidmete Seestraße als Fahrradstraße. Angelegt wurde ein Radweg zum Hochschulcampus, andere Straßen wurden ins Radnetz einbezogen.

Ob die Radrouten ergänzt und die fehlenden gebaut werden können, sei abhängig von den Finanzen, heißt es. Selbst beim Vorzeigeprojekt Alleenstraße – die Straße sollte eigentlich bereits umgebaut sein – tut sich wenig (siehe auch nebenstehenden Bericht). Im nächsten Jahr will die Stadt in der Robert-Franck-Allee, der Aldinger Straße und im Römerhügelweg aktiv werden. 2022 sind der Radweg Waldäcker III und Groenerstraße eingetaktet sowie ein Teil der Fuchshofstraße. Auch die Verbindung über den Remsweg soll entsprechend der starken Nutzung verbreitert und aufgewertet werden.

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