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Krankenhaus

Klinikum sucht freiwillige Helfer

Ausbildung zum Notaufnahmebegleiter startet im April – Entlastung des Ärzteteams durch Betreuung der Patienten

In der Notaufnahme geht es oft hektisch zu. Da bleibt wenig Zeit, die Fragen der Patienten zu beantworten und die Angehörigen zu beruhigen.Foto: Paylessimages/adobe.stock.com
In der Notaufnahme geht es oft hektisch zu. Da bleibt wenig Zeit, die Fragen der Patienten zu beantworten und die Angehörigen zu beruhigen. Foto: Paylessimages/adobe.stock.com
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Ludwigsburg. Verletzungen sind schnell passiert: Mal kurz beim Streichen nicht richtig aufgepasst und schon ist man von der Leiter gefallen. Andere erleiden sogar einen Herzinfarkt. Immer wieder müssen Menschen mit Verletzungen in die Notaufnahme des RKH Klinikums Ludwigsburg gehen – dann sitzt der Schock tief in den Gliedern der Patienten und deren Angehörigen, die dabei sind. Lange Wartezeiten verstärken die Angst und die Schmerzen zusätzlich. Ein Teil der Patienten stammt außerdem aus anderen Kulturkreisen. Das kann zusätzlich zu sprachlichen Barrieren und Missverständnisse führen. Die Nerven in der Notaufnahme liegen oft blank.

„Das ärztliche und pflegerische Team unserer Notaufnahme muss sich um die Versorgung des Notfallpatienten kümmern und hat meist nicht die Zeit, Fragen ausführlich zu beantworten und über die Behandlung hinausgehende Serviceleistungen zu erbringen“, erzählt der Notfallmediziner und ärztliche Direktor des Zentrums für interdisziplinäre Notfallmedizin Oliver Hautmann. Deshalb sollen zukünftig ehrenamtliche Notaufnahmebegleiter die Patienten und die Angehörigen unterstützen, um so das medizinische Team zu entlasten. „Die Helfer sollen die Betreuung übernehmen und Fragen der Angehörigen beantworten. Denn der Fokus des medizinischen Personals liegt natürlich bei den Patienten“, erklärt die Klinikseelsorgerin Susanne Digel. Etwa Fragen darüber, was gerade passiert und wie der Ablauf in der Notaufnahme ist, wie lange es noch dauert und wie weit etwa die Testergebnisse sind. „Die Ehrenamtlichen sollen die Angehörigen beruhigen und auf ihre Bedürfnisse eingehen“, sagt Digel.

Die Idee entstand durch eine Kooperation zwischen dem Krankenhaus und der Notfallseelsorge, so Digel. Die Mitarbeiter in dieser Seelsorge helfen der Polizei und Feuerwehr, etwa um für Angehörige nach der Überbringung schlechter Nachrichten da zu sein. „Sie haben in der Notaufnahme hospitiert, um Praxiserfahrung zu sammeln. Dabei ist aufgefallen, wie gut die Betreuung den Angehörigen tut“, erzählt Digel. In der Notfallseelsorge würden viele Ehrenamtliche arbeiten, die eine gute Ausbildung hätten. Das wolle man jetzt auch für die Notaufnahme umsetzen.

Zum ehrenamtlichen Einsatz im Klinikum kommt bereits das sogenannte grüne Team. Sie bringen Patienten zum Beispiel Kaffee oder begleiten sie auf Stationen. Die Aufgaben der Notaufnahmebegleiter hingegen sollen darin bestehen, Informationen weiterzugeben und für Patienten und Angehörige als kompetenter Ansprechpartner da zu sein. Damit die ehrenamtlichen Helfer auf diese Aufgaben gut vorbereitet sind, bietet das RKH Klinikum ab April eine zwölfmonatige Ausbildung an. Darin wird unter anderem das Thema Kommunikation behandelt. „Dabei geht darum, wie man in Notfallsituationen mit Menschen umgeht und wie diese reagieren könnten“, erklärt Digel. Auch Selbst- und Fremdwahrnehmung sollen geschult werden. „Wir werden auch über die Krisen im eigenen Leben der zukünftigen Begleiter sprechen, so wird die Wahrnehmung verbessert und wie man mit Krisensituationen richtig umgeht. Damit auch Nähe, Distanz und Selbstfürsorge gewahrt werden können“, sagt die Seelsorgerin. „Ein weiterer Schwerpunkt ist, wie mit Krankheit und Tod in den verschiedenen Kulturen umgegangen wird, um hier sensibel reagieren zu können.“ Wegen der Unterschiede suchen sie speziell ein multikulturelles Team.

Ein Erste-Hilfe-Kurs sei bisher noch nicht geplant. Die Ausbildung ist trotzdem sehr qualifiziert, betont Digel. Denn auch andere ehrenamtliche Tätigkeiten können damit später ausgeübt werden. Deshalb sei der Kurs auch nicht ganz kostenlos. Zwar wird der Großteil der Kosten übernommen, doch die Selbstbeteiligung beträgt noch 80 Euro. „Auch um eine Verbindlichkeit herzustellen“, sagt die Seelsorgerin. Da die Ausbildung für die Klinik sehr teuer und aufwendig sei, sollen die Begleiter später auch tatsächlich in der Notaufnahme helfen. Die gezahlte Gebühr gebe dafür einen Anreiz.

„Wie viel Zeit man dann für das Ehrenamt hat, kann man natürlich selbst bestimmen“, sagt Digel. Die Notaufnahmebegleiter sollen hauptsächlich zu Stoßzeiten zum Einsatz kommen, da hier das medizinische Team besonders ausgelastet ist. Die Begleiter müssen deshalb laut Digel selbst bestimmte Eigenschaften aufweisen, damit sie wirklich helfen können. Voraussetzung ist beispielsweise eine psychische Belastbarkeit in Krisensituationen und eine verlässliche Teilnahme an den auch an Wochenenden stattfindenden Kurseinheiten. Eine weitere Voraussetzung ist die Verpflichtung zu einer Mitarbeit von mindestens zwei Jahren.

Info: Der Anmeldeschluss ist am 15. März. Infos zu den ehrenamtlichen Notfallbegleitern erhält man über: Susanne Digel, Klinikseelsorgerin, (0.71.41)..99.97.13.3, susanne.digel@kliniken-lb.de, Cem Ercetin, Interkulturelles Integrationsteam, (0.71.41) 99.97.36.9, cem.ercetin@kliniken-lb.de, und Dennis Schmidt, Bereichsleitung Pflege des Zentrums für interdisziplinäre Notfallmedizin, Telefon (0.71.41) 99.96.84.1, dennis.schmidt@kliniken-lb.de.

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