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Kreis ist Primus im Ballungsraum

Kein anderer baden-württembergischer Landkreis im Ballungsraum erhebt bei seinen Kommunen eine geringere Kreisumlage als der Kreis Ludwigsburg. Trotzdem steigt der Betrag, den die Rathäuser ans Landratsamt überweisen, stetig an – aktuell aufs Rekordniveau von 222,9 Millionen Euro.

Kreis Ludwigsburg. Davon können Städte und Gemeinden in den anderen Landkreisen der Region Stuttgart nur träumen: 28 Prozent ihres Steueraufkommens müssen die 39 Kreiskommunen zwischen Gerlingen und Oberstenfeld, zwischen Remseck und Vaihingen für überörtliche Aufgaben – von der Sozialhilfe bis zu den Kliniken – ans Landratsamt überweisen. Zum Vergleich: Der Rems-Murr-Kreis verlangt seinen Kommunen einen Hebesatz von 35,4 Punkten ab, die Kreise Göppingen und Böblingen knüpfen ihren Städten und Gemeinden 34,1 beziehungsweise 33 Prozent ihrer Steuerkraft ab.

Auch landesweit gehört Ludwigsburg mit seinen 28 Hebesatzpunkten nach den jüngsten Zahlen des Statistischen Landesamtes zu den kommunalfreundlichsten Landkreisen überhaupt. Nur vier Kreise verlangen niedrigere Umlagen – und die sind, wie der benachbarte Enzkreis – allesamt ländlich geprägt und haben deswegen beispielsweise meist deutlich niedrigere Sozialausgaben. Unter den eher urban strukturierten Landkreisen erreicht nur der etwas größere Rhein-Neckar-Kreis mit 28,75 Punkten einen für die Kommunen ähnlich günstigen Hebesatz wie Ludwigsburg. Der baden-württembergische Durchschnittswert liegt bei 30,88 Hebesatzpunkten.

Die Statistiker in Stuttgart haben diese Hebesätze auch in Geld umgerechnet – und führen so plastisch vor, was niedrige Hebesätze bedeuten. So nimmt der Landkreis Ludwigsburg seinen 39 Städten und Gemeinden in diesem Jahr für die überörtliche Erfüllung kommunaler Aufgaben 412 Euro pro Einwohner ab. Der Landesdurchschnitt liegt bei 431 Euro, im Rems-Murr-Kreis müssen die Kämmerer 489 Euro pro Einwohner ans Landratsamt überweisen und im Kreis Böblingen sogar 516 Euro pro Nase. Multipliziert man die Differenz mit der Einwohnerzahl von aktuell rund 541 000, so sparen die Kreiskommunen in Ludwigsburg gegenüber dem Böblinger Hebesatz deutlich über drei Millionen Euro ein.

Darben muss der Kreis Ludwigsburg deshalb aber keineswegs: Obwohl die Kreisumlage-Hebesätze seit 2012 kontinuierlich sinken, steigen die Einnahmen des Landkreises ebenso kontinuierlich an. Zwei Vergleichsjahre markieren den Trend überdeutlich: 2012 musste der Kreistag den Hebesatz wegen des systembedingten zeitlichen Versatzes der finanziellen Folgen der Weltwirtschaftskrise zum bisher letzten Mal auf 36,5 Punkte anheben – und „erlöste“ bei den Rathäusern damit 184,4 Millionen Euro. Seiher haben die Kreisräte den Umlagen-Hebesatz sechsmal in Folge gesenkt – parallel dazu steigt das Aufkommen, das 2018 den neuen Rekordwert von 222,9 Millionen Euro erreichen wird – mindestens. Des Rätsels Lösung ist die brummende Konjunktur, die das kommunale Steueraufkommen in ungewohnte Höhen treibt. Konsequenz: 2012 war ein Punkt Kreisumlage fünf Millionen Euro wert, jetzt sind es 7,9 Millionen.