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Kurios: Immer wieder werden in Ludwigsburg Tonnen von Müllautos verschluckt

Dass Socken in der Waschmaschine verschwinden, ist ein unerklärliches, aber dennoch bekanntes Phänomen. Aber kann es wirklich sein, dass Abfallbehälter von Müllautos verschluckt werden? Das hat zumindest eine LKZ-Leserin der Redaktion mitgeteilt. Wir haben nachgehakt.

Da war es nur noch eine: Solch eine Tonne ist offenbar vom Müllauto verschluckt worden. Der Rand, auch Kammleiste genannt, kann im Laufe der Zeit brüchig werden. Foto: Privat
Da war es nur noch eine: Solch eine Tonne ist offenbar vom Müllauto verschluckt worden. Der Rand, auch Kammleiste genannt, kann im Laufe der Zeit brüchig werden. Foto: Privat

Ludwigsburg. Kaum sind die neuen Müllgefäße ausgeliefert, fehlt bereits eine in dem Mehrfamilienhaus. Und zwar ausgerechnet die Tonne, in der die Hausgemeinschaft Papier und Kartonagen sammelt.

Was ist mit damit geschehen? Hat sich womöglich einer der Nachbarn – ob absichtlich oder aus Versehen – den Behälter an Land gezogen? Und falls ja, in welchem Haus ist das Gefäß gelandet?

Ein Anruf beim Abfallentsorgungsunternehmen Ludwigsburg (AVL) bringt die erhoffte Klarheit. „Die Tonne ist vom Müllauto verschluckt worden“, so lautet die erstaunlich klingende Auskunft, die die Leserin erhalten hat. Diese Vorstellung erfordert eine große Portion Fantasie. Schließlich ist eine Mülltonne 1000 Mal größer und definitiv auch sperriger als eine Socke, die nahezu unbemerkt in der Trommel der Waschmaschine auf Nimmerwiedersehen verschwindet. Außerdem soll doch der Behälter den Müll schlucken und nicht selbst verschlungen werden – und dann ausgerechnet von einem Müllfahrzeug.

Auch an Abfallbehältern nagt der Zahn der Zeit

Das Phänomen der verschluckten Mülltonnen tritt offenbar häufiger auf als der Laie vermutet. Um einen Einzelfall scheint es sich keineswegs zu handeln: „Wir gehen von zirka 100 Behältern jährlich aus. Die genaue Anzahl ist nicht bekannt“, so Andreas Fritz, Pressesprecher des Ludwigsburger Landratsamtes, das auch für die AVL zuständig ist. „Gelegentlich fallen Behälter in die Schüttung des Sammelfahrzeugs, sie werden quasi verschluckt“, bestätigt er ganz offiziell.

Die Gründe seien vielfältig. In Müllfahrzeugen nahezu spurlos verschwinden würden insbesondere Behälter, die bereits Verschleißerscheinungen aufweisen. „Beim Leerungsvorgang wirken große Kräfte auf die Behälter ein. Diese würden zu kleineren Schäden, wie zum Beispiel Rissen, führen. Irgendwann könnten diese so groß werden, dass die sogenannte Kammleiste beim Leerungsvorgang reißt. Dabei handelt es sich um den oberen Rand der Tonne, an dem sich auch der Griff befindet. Das hat Folgen: Der Behälter plumpst dann nämlich ins Fahrzeug und wird zerkleinert.

Betroffene sollen sich an die AVL wenden

Doch was ist zu tun, wenn die Tonne plötzlich verschwunden ist? „Die Kunden sollten sich immer an die AVL wenden, wenn der eigene Behälter verschwunden ist. Hier wird der Transponderchip gesperrt, damit keine Leerungen durch Fremde erfolgen können. Schließlich könnte der Behälter auch abhanden gekommen sein, weil ihn zum Beispiel ein Nachbar nach der Leerung mitgenommen hat, so der Hinweis von Andreas Fritz. Das würde bedeuten, dass die Kosten für die Leerung immer noch dem eigentlichen Besitzer in Rechnung gestellt werden, obwohl er diese gar nicht mehr nutzt.

Anders sieht es natürlich aus, wenn die Tonne im Müllauto verschwunden ist. Dann ist auch der Chip weg.

Die Wartezeit für ein Ersatzgefäß beträgt aktuell eine Woche, so die Auskunft aus dem Landratsamt. Das kann die betroffene Leserin allerdings nicht bestätigen: Sie wartet mittlerweile seit einigen Wochen auf Ersatz für die Tonne, die vom Müllauto verschluckt worden ist.

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