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Ludwigsburg

Landesregierung plant für die Zukunft ein Demokratie-Zentrum in Ludwigsburg

Besuch der Zentralen Stelle durch die Staatssekretäre Christian Lange aus dem Bundesjustizministerium und Steffen Bilger aus dem Bundesverkehrsministerium im vergangenen Juli. Es zeigt von links nach rechts: Dr. Hans Pöschko, Vorsitzender Förderverei
Besuch der Zentralen Stelle durch die Staatssekretäre Christian Lange aus dem Bundesjustizministerium und Steffen Bilger aus dem Bundesverkehrsministerium im vergangenen Juli. Es zeigt von links nach rechts: Dr. Hans Pöschko, Vorsitzender Förderverei

Ludwigsburg. Die Zentrale Stelle der Landesjustizverwaltungen zur Aufklärung nationalsozialistischer Verbrechen in Ludwigsburg ist auch Thema im Koalitionsvertrag der neuen grün-schwarzen Landesregierung. Nach Ende der Ermittlungstätigkeiten zur Strafverfolgung soll die Einrichtung am bestehenden Standort weiterentwickelt werden. „Sie soll zu einem Zentrum für Dokumentation, Forschung, Information, Erinnerung und Begegnung werden. Ihr Ziel soll es sein, Rechtsstaatlichkeit, Demokratie und Menschenrechte zu fördern“, steht wörtlich im Koalitionsvertrag.

Der wissenschaftliche Beirat des Bundesarchivs Außenstelle Ludwigsburg hatte unter aktiver Mitwirkung seiner Mitglieder ein zukunftweisendes Konzept hierfür entwickelt. Dem Gremium gehören unter anderem an: das Landesarchiv Baden-Württemberg, die Zentrale Stelle, das Justizministerium des Landes, die Forschungsstelle Ludwigsburg der Universität Stuttgart, der Förderverein Zentrale Stelle, die Pädagogische Hochschule, die Landeszentrale für politische Bildung und die Stadt Ludwigsburg.

Zukunftskonzept legt weitere Schritte fest

Das Zukunftskonzept legt weitere Schritte für die Zeit nach der Ermittlertätigkeit fest. Demnach soll in den nächsten zwei Jahren über die Rechtsform und finanzielle Ausstattung des neuen Zentrums entschieden werden. Die Grün-schwarze Regierung tritt dafür ein, „dass das Land die institutionelle und finanzielle Zukunft der Zentralen Stelle langfristig sichert, wenn möglich im Zusammenwirken mit dem Bund und der Stadt Ludwigsburg“ heißt es im Koalitionsvertrag.

Das Zukunftskonzept hatte der Beiratsvorsitzende und Präsident des Landesarchivs, Prof. Gerald Maier, an Landtagspräsidentin Muhterem Aras übergeben. Sie hatte die Zentrale Stelle im vergangenen Juli besucht. Noch immer führt die 1958 gegründete Einrichtung staatsanwaltschaftliche Vorermittlungen durch. Wann diese enden, steht heute noch nicht fest.

Wichtiger Bestandteil der Stadt Ludwigsburg

OB Knecht betont die Wichtigkeit der Stelle: „Die Zentrale Stelle und ihre Aufklärungsarbeit sind ein wichtiger Bestandteil der Stadt Ludwigsburg. Sie ist ein Alleinstellungsmerkmal für die Stadt und bleibt ein nationales und internationales Vorzeigeprojekt“. Das Zukunfzprojekt begrüßt Ludwigsburgs OB. „Aufklärungsarbeit und verlässliche Informationen sind in der heutigen Zeit wichtiger denn je“, so Knecht zum Zukunftskonzept der Zentralen Stelle. Diese soll ein zentraler Baustein der zukünftigen Ludwigsburger Erinnerungskultur werden. „Sie soll damit Extremismus und Populismus entgegenwirken.“

Seit 25 Jahren setzt sich der 1996 gegründete Förderverein Zentrale Stelle dafür ein, die Einrichtung auch nach Ende der Ermittlungstätigkeit als attraktiven Ort des Lernens, des Erinnerns und der Begegnung in Ludwigsburg zu erhalten. „Es ist ein großer Erfolg, dass es nach zahlreichen Gesprächen gelungen ist, die Förderung der zukunftsweisenden Themen Rechtsstaatlichkeit, Demokratie und Menschenrechte in der Zentralen Stelle im Koalitionsvertrag der neuen grün-schwarzen Landesregierung von Baden-Württemberg zu verankern. Das heißt, es geht voran,“ freut sich Ingrid Hönlinger, Vorstandsmitglied im Förderverein. Unterstützung erhielt das Projekt auf Bundesebene durch die Staatssekretäre Christian Lange aus dem dortigen Justiz- und Steffen Bilger aus dem Verkehrsministerium, der gleichzeitig Bundestagsabgeordneter des Wahlkreises Ludwigsburg ist.

Ort der Erinnerung und des Lernens

OB Knecht ist es ein persönliches Anliegen, die Aufklärung nationalsozialistischer Verbrechen auch zukünftig mit Ludwigsburg in Verbindung zu bringen. Die Stadt und der Förderverein setzen sich dafür ein, dass das Archivgut, inklusive Karteikarten und Aktenbestand in originaler Form, in der Zentralen Stelle in Ludwigsburg verfügbar verbleibt und nach wie vor qualifiziert betreut wird. Spätestens seitdem im Jahr 2000 das Bundesarchiv die Verwaltung der Unterlagen der abgeschlossenen Verfahren der Zentralen Stelle übernommen habe und gemeinsam mit der Universität Stuttgart und dem Förderverein Zentrale Stelle die historische Bedeutung der Ermittlungen unterstreiche, werde die Wirkung dieser international einmaligen Institution deutlich.

Die Dauerausstellung des Bundesarchivs zur juristischen Verfolgung von NS-Verbrechen, das pädagogisch-didaktische Angebot sowie die Öffentlichkeitsarbeit von Zentraler Stelle, Universität Stuttgart und Förderverein haben die Einrichtung bereits heute als außerschulischen Lernort und historische Begegnungsstätte überregional bekannt gemacht. Die Ermittlungsakten werden auch von internationalen Forschern genutzt, das bedeutet für Ludwigsburg ein hohes wissenschaftliches Ansehen. Die von der Zentralen Stelle angestellten Ermittlungen zeigen das nachdrückliche Bestreben, Aufklärung für eines der dunkelsten Kapitel der deutschen Geschichte zu betreiben. Die wichtige juristische Aufarbeitung der NS-Zeit, beispielweise die Frankfurter Auschwitz-Prozesse, wäre ohne die Vorarbeit aus Ludwigsburg undenkbar gewesen.

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