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Schulentwicklung

Ludwigsburger Eltern protestieren wegen weiten Schulwegs

Ab September 2022 sollen die Kinder aus der Südstadt nicht mehr in die Sophie-Scholl-, sondern in die Fuchshofschule gehen. Die Eltern protestieren – der 2,5 Kilometer lange Schulweg führt über gefährliche Straßen. Sie wollen Alternativen wie auch die Oststadtschule geprüft haben. Die nämlich war im ursprünglichen Plan der neuen Schulbezirke. Die Verwaltung will den Wechsel nun bis 2023 aussetzen, danach jedoch geht die Suche mit vollen Grundschulen von vorne los.

Die Fuchshofschule ist bei den Eltern der Südstadtkinder keine gerngesehene Alternative. Foto: Ramona Theiss
Die Fuchshofschule ist bei den Eltern der Südstadtkinder keine gerngesehene Alternative. Foto: Ramona Theiss

Ludwigsburg. „Wir würden die Stadt bitten, alle Möglichkeiten für alternative Standorte und Standortrochaden zu prüfen, um die Raumnot an Ludwigsburger Schulen zu beheben.“ So endet der Brief von Südstadt-Eltern und Südstadtverein, den sie Ende Mai an alle Fraktionen und die Stadtverwaltung schickten. Sie protestieren damit gegen den Plan der Stadt, die Kinder der Südstadt ab 2022 in die Fuchshofschule zu schicken. Ein 2,5 Kilometer langer Schulweg inklusive Eltern-Taxis und vielen Umschulungsanträgen wegen Geschwisterkindern kritisieren sie ebenso wie fehlende Sozialräume und lange Wege mit dem ÖPNV. Auch ein Schulweg mitten in eine auf Jahre angelegte Baustelle sei ein Manko.

„Eine Änderung wird immer auch neue Familien betreffen.“

Renate Schmetz
Erste Bürgermeisterin

Hintergrund ist die Veränderung der Grundschulbezirke, beschlossen 2018 – um die neue Fuchshofschule einzugliedern. Hier sind ab Schuljahr 2021/22 der Großteil der Oststadt und ein kleiner Teil West-Oßweils betroffen. Gleichzeitig soll die Sophie-Scholl-Schule mit sehr großem Einzugsgebiet in der Innenstadt entlastet werden: Die komplette Südstadt beiderseits der B27 sollte zum Schuljahr 2022/23 auf die Oststadtschule – und mit deren fehlendem Anbau auf die noch weiter entfernte Fuchshofschule.

„Ein Unding“, findet Suzana Müller aus der Südstadt. Ihr Sohn habe nur einen Platz in der Kita Pflugfelden bekommen, der auch mal auf die Hartenecker Höhe ausgelagert wurde. Und jetzt müsse er erneut woanders hin als die Nachbarkinder: „Da fällt der Sozialraum weg.“ Dass Kinder zu Fuß zur Schule könnten, sei immens wichtig. Günther Weinmann kritisiert die „zerrissenen Familien“ mit Geschwistern an verschiedenen Schulen. Erwartet werden deswegen viele Umschulungsanträge. Nanette Scriba hätte mit der Änderung ihre drei Kinder an unterschiedlichen Schulen. Laufgemeinschaften wären so gar nicht möglich. Als Alternative wünschen sich die Eltern weiter die Sophie-Scholl-Schule als „ihre“ Grundschule, sie würden aber auch die Oststadtschule akzeptieren – wie ursprünglich geplant. „Dann aber bitte auch langfristig“, sagt Andrea Wechsler, betroffene Mutter und im Vorstand des Südstadtvereins.

Ihr Wunsch, „alle Möglichkeiten zu prüfen, um die Raumnot an Schulen zu beheben“, könnte auch den allgemeinen Arbeitsauftrag von Ludwigsburgs Schulverwaltung beschreiben, der diese mit einem Geburtenreichtum mit Höhepunkt 2017 vor große Herausforderungen, wenn nicht unlösbare Aufgaben stellt. Nun hat sich die Verwaltung dafür entschieden, die neue Regelung ein Jahr lang auszusetzen, die Südstadt schult 2022 noch an der Sophie-Scholl-Schule ein, Gespräche haben stattgefunden. „Für ein Jahr kriegen wir das in der Innenstadt noch hin“, sagt die Erste Bürgermeisterin Renate Schmetz. Pro Schuljahr handele es sich um maximal 20 Schüler aus der Südstadt, ergänzt Daniel Wittmann, zuständig für die Schulen. Grundsätzlich, sagt er aber auch, sei ein Schulweg von bis zu drei Kilometern akzeptabel.

Der fehlende Platz in der Innenstadt sei eben auch Auslöser für neue Schulbezirke gewesen. Voraussetzung für die Rochade war jedoch ein Anbau an der Oststadtschule, der aber schon zum zweiten Mal eingespart wurde und, wie Schmetz bestätigt, „die nächsten fünf Jahre“ sicher nicht kommen werde. Der zweite Schritt, die Verlagerung der kompletten Südstadt in die Oststadtschule, konnte so aber nicht klappen. Der neue Beschluss: der Weg der Südstadtkinder an die Fuchshofschule.

„Die vorgesehene Zuordnung der Kinder der Südstadt zum Schulbezirk der Fuchshofschule wäre mit vielen Nachteilen verbunden“, heißt es in einem Antrag der Grünen-Fraktion zu einem Neuzuschnitt der Grundschulbezirke. „Daher sollte die Südstadt näher liegenden Schulen zugeordnet werden. Alternativ sollten andere Standorte geprüft werden, um bestehende Raumprobleme der Grundschulen zu beheben.“ Die Freien Wähler sind ebenfalls voll und ganz auf der Seite der Eltern. „Ich halte den Weg für die Kinder viel zu weit“, sagt Gabriele Moersch, die für die Freien Wähler im Ausschuss für Bildung, Sport und Soziales sitzt. „Die Eltern haben mit ihrem Vorstoß vollkommen recht und wir werden sie dabei unterstützen.“

Auch die SPD um Fraktionsvorsitzende Margit Liepins sieht Probleme darin, die Südstadtkinder an die Fuchshofschule zu schicken. „Für uns ist das nicht akzeptabel, dass die Kinder von der Südstadt in die Fuchshofschule gehen müssen.“ Genauso wie die SPD möchte auch die CDU zunächst aber abwarten, was die Stadtverwaltung nun vorschlägt. „Das Schreiben der Südstadt-Eltern ist durchaus nachvollziehbar“, sagt CDU-Fraktionschef Klaus Herrmann. „Es wäre allerdings nicht fair, dass Problem der Südstadt-Eltern einfach nur an eine andere Stelle zu verlagern.“

Johann Heer, Vorsitzender der FDP, sagt: „Ganz ausgeschlossen ist es für uns nicht, dass die Südstadtkinder auf die Fuchshofschule gehen. Aber man muss noch einmal den Dialog mit den Eltern suchen.“ Außerdem müssten gewisse Voraussetzungen wie beispielsweise eine ausreichende Verkehrssicherung auf dem Schulweg geschaffen werden.

Der erste Schritt ist mit den Anmeldungen der künftigen Erstklässler an der Fuchshofschule schon erfolgt: Zwei Drittel des bisherigen Einzugsgebiets für die Oststadtschule wurden der neuen Fuchshofschule zugeschlagen. Wie auch eine westliche Ecke Oßweils. Während in der Oststadt alles ruhig bleibt, gibt es nun dagegen Proteste in Oßweil, wie zuletzt im Stadtteilausschuss deutlich wurde, die Argumente ähnlich wie in der Südstadt. Befeuert wird die Kritik noch dadurch, dass die August-Lämmle-Schule erst für rund 15 Millionen Euro saniert wurde (wir berichteten).

Jetzt soll der Sozialausschuss laut Schmetz im Juli erneut entscheiden: diesmal mit dem Verwaltungsvorschlag, die Südstadtkinder ein Jahr länger, also bis 2023, auf der Sophie-Scholl-Schule einzuschulen.

Was kommt danach? Denn die Grundschulen sind voll, vielerorts stehen bereits Container (siehe auch Infobox). Die Zahl der Grundschüler wächst bis 2028 von derzeit 3300 auf knapp 4000, um sich auf hohem Niveau einzupendeln. Diese werden vier Jahre später in den weiterführenden Schulen ankommen. Getan werden müsse etwas. „Wenn wir die Schulbezirke neu machen, wären es gleich mehrere Bezirke“, sagt Schmetz, hält es aber auch für möglich, „alles komplett neu zu spielen. Das ist eine Riesenbaustelle und wahnsinnig aufwendig.“ Und sie warnt: „Eine Änderung wird immer auch neue Familien betreffen.“

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