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Luftreiniger

Luftreiniger in Ludwigsburgs Schulen: Dürfen bald mehr Klassen jubeln?

Für 80000 Euro beschafft die Stadt aktuell mobile Luftfiltergeräte für Ludwigsburger Schulen. Viel zu wenig, findet die Elterninitiative „Jedes Kind zählt“ und übergibt dem Oberbürgermeister heute eine Unterschriftenliste. Ziel ist unter anderem, dass Fördervereine mobile Luftreiniger beschaffen dürfen. Im Gemeinderat könnte das Thema am Abend Rückenwind bekommen.

Die Freude in der Klasse 7c der Gottlieb-Daimler-Realschule ist groß. Bei einem Wettbewerb des Karlsruher Herstellers für Luftreinigungsgeräte youvee konnten die Schülerinnen und Schüler mit ihrem Theaterstück die Jury überzeugen und so ihrer Schule
Die Freude in der Klasse 7c der Gottlieb-Daimler-Realschule ist groß. Bei einem Wettbewerb des Karlsruher Herstellers für Luftreinigungsgeräte youvee konnten die Schülerinnen und Schüler mit ihrem Theaterstück die Jury überzeugen und so ihrer Schule zwei Luftreinigungsgeräte sichern. Eines der Geräte steht im Klassenzimmer der 7c, das zweite wird im Physikraum installiert. Nach dem Willen mehrerer Fraktionen sollen Fördervereine und Schulen künftig unkompliziert mobile Luftfilter beschaffen dürfen. Foto: Holm Wolschendorf

Ludwigsburg. Fraktionen machen Druck: „Vielleicht schaffen wir endlich den Durchbruch“, hofft Stefanie Knecht. Der FDP-Stadträtin und engagierten Mutter sind die Luftfilter nicht erst seit gestern eine Herzensangelegenheit. Sie ist sich sicher, dass nur mit Luftfiltern die größtmögliche Sicherheit im Klassenzimmer geschaffen werden kann. Ihr Augenmerk liegt auf den Kindern bis zwölf Jahren, für die es bisher keine Impfmöglichkeit gibt. „Der Druck der Eltern ist groß – und richtig“, sagt sie. Die „Anti-Haltung der Stadt“ den ersten privaten Initiativen gegenüber habe sie sehr überrascht. Gemeinsam mit SPD-Stadträtin Margit Liepins konnte die FDP auch die CDU-Fraktion im Gemeinderat für einen interfraktionellen Antrag gewinnen.

Darin fordern die drei Fraktionen die Verwaltung auf, es „Schulen, Fördervereinen, Eltern, Unterstützern“ zu erlauben, mobile Luftreiniger in den Schulen aufzustellen. „Priorität haben Klassenzimmer für Schulkinder bis zwölf Jahre.“ In Absprache mit der Stadt sollen Geräte mit Hepa-Filtern aufgestellt werden. Dafür, so die Antragsteller, solle die Stadt 2021 maximal 500000 Euro investieren.

Stefanie Knecht wünscht sich, dass Stadt, Eltern und Schulen Hand in Hand arbeiten, „möglichst unbürokratisch, damit viele Kinder schnell geschützt werden“. Sie gibt sich optimistisch: „Vielleicht schaffen wir es bis zu den Herbstferien, alle Klassen auszustatten.“ Angesichts fehlender Impfmöglichkeiten für die Kinder unter zwölf Jahren „könnte eine Ausstattung mit mobilen Raumluftfiltern nicht nur ein essenzieller Schritt für ein besseres Raumklima sein, sondern auch eine Chance, die Maskenpflicht in den Grundschulen abzuschaffen“, so Peter Schmid, stellvertretender Vorsitzender des CDU-Stadtverbands. Aktuell seien so viele Schüler mit Corona infiziert wie noch nie zuvor in der gesamten Pandemie. „Dies sehen wir als Auftrag an, die Schulen so sicher wie möglich zu machen“, so der CDU-Stadtverbandsvorsitzende Maik Stefan Braumann. Das Kultusministerium dagegen sprach gestern von einem moderaten Anstieg an Infektionen in Schulen im Land.

Die Stadtverwaltung gibt in einem Punkt nach. Sie will, wie vorab zur Sitzung des Gemeinderats am Mittwochabend zu erfahren ist, Spenden für Luftfilter ermöglichen, heißt es aus dem Rathaus.

Viele Unterschriften im Gepäck

Dr. Amalinda Post und ihre Mitstreiter der Elterninitiative haben sich für Luftfilter in Ludwigsburger Klassenzimmern („Jedes Kind zählt“) eingesetzt. Sie haben inzwischen Unterschriften für ihr Anliegen gesammelt – unter anderem samstags in der Fußgängerzone. Mehr als tausend Unterzeichner konnten sie gewinnen. Diese Sammlung wollen Vertreter der Initiative heute um 15.45 Uhr vor der Sitzung des Gemeinderats an die Rathausspitze übergeben. Die Elterninitiative hat viele Informationen zusammengetragen und verlinkt die Teilnahme an der Onlinepetition auch über die Internetseite www.unserekinder.org.

Bestellt, aber noch nicht aufgestellt

Der Gemeinderat hat vor der Sommerpause beschlossen, dass 80000 Euro für die Beschaffung von mobilen Luftfiltergeräten ausgegeben werden dürfen. „Die Geräte werden im Oktober geliefert und aufgestellt“, so eine Sprecherin der Stadtverwaltung auf Nachfrage unserer Zeitung. „Es werden neun Räume in Kindertageseinrichtungen und zehn Räume in Schulen, die nicht optimal zu lüften sind, mit Luftreinigern ausgestattet.“ Die Schulen erhalten Filter: Grundschule Hoheneck, Lembergschule, Oststadtschule, Grundschule Pflugfelden, Schlösslesfeldschule, Schubartschule, Eberhard-Ludwig-Schule. In diesen Kitas werden Räume ausgestattet: Kifaz Kreuzkirche, Evangelische Kita Egerländer Straße, Friedrich-Fröbel-Kinderhaus sowie Kita Takatukaland.

Lesen Sie hier: Wie rein die Luft in Schulen wird

So sieht es im Kreis Ludwigsburg aus

Die Stadt Marbach als einer der großen Schulträger im Kreis setzt auf Lüftung über die Fenster. Die Kommune wird nur einzelne Geräte beschaffen, und zwar für Schulräume, die zum Beispiel zur Straße gehen und wegen des Verkehrslärms nur schlecht belüftet werden können, oder für Räume, in denen aus anderen Gründen eine Lüftung über die Fenster schlecht möglich ist. Die Stadt ist zudem in der vergleichsweise komfortablen Lage, dass bei bereits erfolgten oder laufenden Sanierungen vielfach sogenannte raumlufttechnische Anlagen verbaut wurden. Alle städtischen Kitas können über Fenster gelüftet werden, damit das nicht vergessen wird, erinnern inzwischen CO2-Sensoren daran.

In Ingersheim wurden die für die Schillerschule bestellten Luftfiltergeräte in der vergangenen Woche geliefert. Als Schulträger hat die Gemeinde Mittel aus dem Förderprogramm „Zukunftsland Baden-Württemberg – Unterstützung für Schulen“ abgerufen, um zehn Klassenzimmer mit mobilen Luftfiltern auszustatten; für den elften Klassenraum wurde ein Gerät von privater Seite gespendet. Insgesamt wurden rund 7000 Euro hierfür ausgegeben. Weitere Luftfiltergeräte hat die Gemeinde für die Kindertagesstätten beantragt. Eine Zusage für drei Geräte für schlecht zu lüftende Räume liegt schon vor. Ein Gerät steht bereits seit Anfang des Sommers im Uhland-Kinderhaus.

Fördergelder im Land fließen

Das Programm für Luftfilter in Schulen bewertete die Südwest-Kultusministern Theresa Schopper als Erfolg. Gut 100 Millionen von 140 Millionen Euro seien bisher von den Schulträgern abgerufen worden, sagte die Grünen-Politikerin gestern. Priorität hätten Räume, die nicht gut durchlüftet werden können. 95 Prozent der Schulräume ließen sich querlüften, so Schopper. Bundesweit fließen die Fördergelder des Bundes für den Einbau von Luftfiltern in öffentlichen Gebäuden, Schulen und Kitas bislang nur langsam ab. Zahlen des Bundeswirtschaftsministeriums zufolge sind von dem seit Oktober 2020 laufenden und inzwischen auf eine Milliarde Euro angewachsenen Förderprogramm erst knapp 460000 Euro ausgezahlt worden. Gelder in Höhe von 546 Millionen Euro sind immerhin „gebunden“, also beantragt.

Der öffentliche Teil dess Gemeinderats beginnt am Mittwoch um 16.45 mit den Luftfiltern. Die Übergabe der Petition findet um 15.45 Uhr vor dem Bürgersaal im Forum statt.

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