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Parkplatztest

Mehr Einschränkungen als Freiheiten

Die LKZ fährt mit Fachbereichsleiter Heinz Mayer die Behindertenparkplätze in der Stadt an – Viele Stolperfallen könnten beseitigt werden

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Am Holzmarkt kommt sogar Heinz Mayer ins Grübeln. Der Fachbereichsleiter Sicherheit und Ordnung steht vor dem eingekastelten Behindertenparkplatz an der Ecke zur Unteren Marktstraße und versucht, das Schild an den drei Parkplätzen einzuordnen. Parken konnten wir trotz Behindertenparkausweis dort nicht. Zunächst hätte er als Beifahrer der Pfosten wegen nie aussteigen können, und außerdem ist der Platz besetzt. Im Auto liegt ein Parkticket aus dem Automaten. Als die Fahrerin zurückkommt, bestätigt sich der Verdacht. „Ich habe gedacht, der Behindertenparkplatz ist der hintere.“ Eine freundliche Belehrung Mayers folgt wie auch die Erkenntnis: „Ein Piktogramm auf dem Boden wäre eindeutiger.“

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Behindertenparkplätze

Am Ende unserer dreistündigen Tour haben wir mehr schlechte als gute Beispiele gesehen und ausprobiert. Sie werden in die Gegebenheiten eingefügt – baulich wird aber wenig verändert: die Oberfläche gehört geebnet, der Bordstein abgesenkt und Länge wie Breite konsequent eingefordert.

Der Parkplatz am Holzmarkt ist einer von 44 in der Innenstadt (bei 1352 oberirdischen Parkplätzen) und nicht zu Unrecht im städtischen Plan – der Aktualisierung vertragen könnte – als „eingeschränkt“ markiert. Allein das Kopfsteinpflaster rechtfertigt das, Pfosten und viel zu wenig Platz in Breite und Länge machen ihn zu einem der schlechtesten Behindertenparkplätze in der Stadt.

Am Kaffeeberg – für Rolli- und Rollatorfahrer eine steile Herausforderung – findet sich gar kein Behindertenparkplatz, in der Wilhelmstraße darf im absoluten Halteverbot auch nicht während der Ladezeiten geparkt werden. Das ist Behinderten mit Parkausweis erlaubt: Bis 11 Uhr dürfen sie in Fußgänger- und Lieferzonen bis zu drei Stunden parken.

Wir fahren in die Seestraße – vor dem Blauen Engel befindet sich ein Behindertenparkplatz, eingeklemmt zwischen Fahrradstreifen, hohem Bordstein und viel zu eng. Ähnlich sieht es an der Ecke zur Alleenstraße aus – Rollifahrer sollten hier einen Kleinwagen fahren. Der dritte in der Straße auf der rechten Seite glänzt dagegen mit einem Einzelplatz. Am Karlsplatz begutachten wir den nächsten Behindertenparkplatz. „Gut, oder?“, sagt Heinz Mayer. Nur einer, aber richtig: breit, lang, ohne Stolperfallen.

Als wir in die Solitudestraße einbiegen, sind die Behindertenparkplätze von weitem an den Schildern zu erkennen – in der Praxis jedoch haben sie ihre Tücken. Obwohl die Stadt nach Beschwerden nachbesserte, blockieren Pfosten die Beifahrerseite. Hier ist kein Platz für die weit offene Tür und Rolli. Warum die Pfosten da stehen, kann Mayer auch nicht sagen – wir vermuten, damit niemand mit dem Auto auf den Solitudeplatz fahren kann. Warum auch immer: Sie gehören weg.

Das Abenteuer Myliusstraße, schon für Fußgänger eine enge Geschichte, beschäftigt uns eine Weile. Auch hier sind die Bordsteine nicht abgesenkt. Aber direkt vor dem Bahnhof ist ein vorbildlicher Behindertenparkplatz entstanden – der allerdings viel von „Ich-muss-nur-kurz-jemanden-abholen-Menschen“ missbraucht wird. Wie auch die oberen Parkplätze in der Myliusstraße – ohnehin von Barrierefreiheit weit entfernt.

Viel hat die Stadt trotz Enge und hohem Bordstein im unteren Bereich der Myliusstraße getan: Drei Parkplätze sind Behinderten vorbehalten, was mit Piktogrammen und Beschilderung wie eine Zone wirkt. Das wirkt auch in anderer Hinsicht: Sich als Falschparker hier offen hinzustellen, bedarf schon einigen Mutes. „Um die Myliusstraße müssen wir kämpfen“, sagt Mayer.

Am Arsenalplatz werden wir Zeugen, wie eine Frau ihren Sohn aus einem Kastenwagen im Rollstuhl sitzend rückwärts herausbugsiert. Hier erklären sich die geforderten 7,50 Meter Länge. Diese Frau muss genau planen und Glück haben: An vielen Behindertenparkplätzen in der Stadt käme er gar nicht raus.

Rund 750 der blauen EU-Behindertenparkausweise sind in der Stadt im Gebrauch, schätzt Mayer. Um die relativ frühe Zeit waren von zehn Behindertenparkplätzen „nur“ zwei widerrechtlich zugeparkt, für Ludwigsburg eine gute Quote. Abends sieht das in der Innenstadt anders aus. 2014 waren es satte 1900 Falschparker, die erwischt wurden.

Ist Ludwigsburg behindertenfreundlich? Heinz Mayer zögert kurz. Dann sagt er: „Wir sind auf einem guten Weg, besser kann man immer werden.“ Ein kleiner Schritt folgt jetzt: Jeder Platz soll mit weißem Rolli-Piktogramm markiert werden.

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