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Antrag
Mehr Platz für Fußgänger und Radler

Die Grünen wollen den Autoverkehr aus der Innenstadt verdrängen. Archivfoto: dpa Fahrstreifen für Autos werden zu Busspuren ie Entscheidung dafür war schon vor Corona gefallen, jetzt wird sie umgesetzt: Handwerker richten in der Schorndorfer Straße u
Die Grünen wollen den Autoverkehr aus der Innenstadt verdrängen. Archivfoto: dpa Fahrstreifen für Autos werden zu Busspuren ie Entscheidung dafür war schon vor Corona gefallen, jetzt wird sie umgesetzt: Handwerker richten in der Schorndorfer Straße u
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Die Grünen wollen den Straßenraum in der Innenstadt kurzfristig neu verteilen. Radfahrer und Fußgänger sollen mehr Platz bekommen. Autofahrer weniger. Die Stadt sieht den Vorschlag skeptisch.

Ludwigsburg. Mailand ist vorgeprescht, Berlin und Brüssel kamen gleich hinterher: Praktisch über Nacht sind in einigen Metropolen im Zuge der Coronakrise neue Radwege und Fußgängerzonen entstanden. Zum einen sollen damit die Corona-Sicherheitsabstände zwischen Passanten oder Radlern besser gewährleistet werden. Zum anderen ist das aber auch als ein Signal an die Autofahrer zu verstehen: Mit der Wegnahme von Fahrbahnen und Parkplätzen wollen die Städte verhindern, dass der Autoverkehr in den kommenden Monaten zu neuen Dimensionen anwächst, da die Menschen aus Angst vor einer Ansteckung weder Bus noch Bahn benutzen.

Auch Ludwigsburg steigt jetzt in die Diskussion um die coronabedingte Neuverteilung der Verkehrsflächen ein. Die Grünen haben einen Antrag gestellt, in dem die Verwaltung aufgefordert wird zu überprüfen, ob kurzfristig neue Radwege, Fußgängerzonen, Spielstraßen oder Tempolimits in der Innenstadt eingerichtet werden können.

„In Ludwigsburg ist traditionell alles sehr beengt“, sagt Grünen-Stadtrat Frank Handel, auf dessen Initiative der Antrag zurückgeht. Diese Enge mache es derzeit für Fußgänger und Radfahrer besonders schwer, den für den Infektionsschutz notwendigen Sicherheitsabstand einzuhalten. Wie in Berlin, so schweben ihm in dem Bereich auch für Ludwigsburg temporäre Lösungen vor. Also Lösungen, die zunächst mit einfachen Mitteln, etwa ein paar Absperrungen oder einigen Schildern und Markierungen, verwirklicht werden sollen.

„Wir wollen Platz schaffen, damit auch unsichere Menschen wieder in die Innenstadt kommen und sich beim Einkaufen oder im Restaurant wohlfühlen“, sagt Handel. Sollten sich die temporären Lösungen nach einer Testphase bewähren, stehe einem dauerhaften Umbau nichts im Wege.

Die Grünen haben auch schon einige Ecken im Sinn, wo man ihrer Meinung nach schnell aktiv werden könnte. Zum Beispiel in der Myliusstraße. Dass dort die Parkplätze rausgenommen und den Fußgängern zugeschlagen werden, hat die Partei schon vor der Coronakrise gefordert. Denn diese zentrale Fußgängerachse vom Bahnhof in die Innenstadt sei für die vielen Passanten viel zu eng.

Die Eberhard- und die Körnerstraße könnten als Fußgänger- und Radfahrzonen eingerichtet werden, die auch von Autos – im Schritttempo – benutzt werden können. In beiden Straßen seien die Gehwege so eng, dass die Fußgänger die Straße mitbenutzen sollten, um die Sicherheitsabstände einzuhalten, argumentiert Handel. Für die Wilhelmstraße schlägt er Tempo 30 und einen Radfahrstreifen vor.

Auch an der Kreuzung Alleenstraße/B.27 oder der Schlachthofstraße sollte die Stadt in seinen Augen nach kurzfristigen Lösungen suchen. Dort müsste der Radverkehr zu den Schulen dringend entzerrt werden, damit die Radler nicht eng beieinander an der Ampel warten.

Neben Fußgängern und Radfahrern soll auch die Gastronomie von den neu gewonnenen Flächen profitieren. Vergangene Woche wurde im Wirtschaftsausschuss vom Verein der Innenstadthändler schon um mehr Platz gebeten. Denn Außenbereiche werden für Restaurants und Cafés in den nächsten Wochen überlebenswichtig, um sich ausbreiten und damit möglichst viele Gäste bedienen zu können.

Die Stadtverwaltung reagiert aber verhalten auf die Ideen der Grünen. „Es gibt keine Maßnahmen, die die Stadtverwaltung speziell wegen der derzeitigen Coronapandemie im Bereich Fuß- und Radwegeverkehr kurzfristig und temporär umsetzt. Es ist nicht hilfreich, für wenige Wochen Geld für Maßnahmen auszugeben, um im Anschluss – wenn die Pandemie vorüber ist – erneut Geld für einen Rückbau ausgeben zu müssen“, heißt es auf Anfrage unserer Zeitung.

In der morgigen Sitzung des Mobilitätsausschusses dürften die Vorschläge der Grünen aber wohl trotzdem diskutiert werden. Auf der Tagesordnung steht dann nämlich die Verbesserung der Barrierefreiheit für Fußgänger in der Innenstadt und der Bau eines Radwegs in der Seestraße.

Für Frank Handel steckt in der Coronakrise jedenfalls die Chance, mit der Verkehrswende voranzukommen. „Die Stadt darf da ruhig ein bisschen ausprobieren“, findet er. Eine grüne Welle für Radfahrer oder Flanierrouten von den Wohngebieten in die Innenstadt – Handel sieht noch jede Menge Potenzial.

Info: Der Mobilitätsausschuss tagt morgen ab 17 Uhr öffentlich im Kulturzentrum. Beim Betreten ist ein Mundschutz notwendig.