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Protest

Mehr Suppe als Solidarität

Mahnwache im Rahmen von „Fridays gegen Altersarmut“ stößt auf geringe Resonanz

30 Liter Tomatensuppe wollte Thomas Bartl im Rahmen der Aktion „Fridays gegen Altersarmut“ zum Nulltarif verteilen. Die Nachfrage hielt sich jedoch in Grenzen. Foto: Holm Wolschendorf
30 Liter Tomatensuppe wollte Thomas Bartl im Rahmen der Aktion „Fridays gegen Altersarmut“ zum Nulltarif verteilen. Die Nachfrage hielt sich jedoch in Grenzen. Foto: Holm Wolschendorf

Ludwigsburg. 30 Liter Tomatensuppe hat Thomas Bartl gestern Vormittag gekocht und in einem großen Topf zusammen mit einem Stapel Pappschalen in die Innenstadt gebracht. „Ich hoffe, dass ich die Suppe heute noch loswerde“, zeigte sich der 63-Jährige optimistisch. Im Rahmen der bundesweiten Aktion „Fridays gegen Altersarmut“ hatte der Ludwigsburger vor der Musikhalle gegenüber vom Bahnhof zu einer Mahnwache aufgerufen und die Suppe zum Nulltarif ausgeschenkt. Vielleicht lag es an dem Ort mit seiner Nähe zum Bahnhof, dass die Speise kaum Absatz fand.

Dass die Resonanz sich sehr in Grenzen hielt – lediglich zwei ältere Frauen kamen zu Beginn der Aktion an den Treffpunkt – trug der Organisator mit Fassung. „Das ist ja keine Pflichtveranstaltung“, sagte er. Allerdings hätten sich viele Gleichgesinnte über Facebook mit ihm solidarisiert. In 200 Städten in Deutschland sei gestern demonstriert worden, so Bartl. Analog zu der von Jugendlichen getragenen Klimaschutzbewegung „Fridays for Future“ haben sich hier in erster Linie ältere Menschen zusammengeschlossen. Allerdings warnen mittlerweile der Sozialverband VdK und Gewerkschaften davor, dass die Protestbewegung von Rechten unterstützt, wenn nicht sogar gesteuert werde. Thomas Bartl betonte dagegen, dass die Bewegung politisch unabhängig sei.

Der 63-Jährige hatte nicht nur eine Suppe gekocht, sondern auch Plakate gestaltet, um auf die Mahnwache und das Anliegen der Teilnehmer aufmerksam zu machen. Das Logo habe er sich aus dem Internet heruntergeladen, die Sprüche stammten aber von ihm, sagte er. „Senioren hauen auf den Tisch“ und „Die Altersarmut ist der Offenbarungseid unserer Gesellschaft“ war auf den Tafeln zu lesen. Er selbst sei nicht von Armut betroffen, so Thomas Bartl, der auch Mitglied der Partei Graue Panther ist. „Mein Reichtum besteht darin, dass ich wenig brauche“, sagte er. Anders sieht es bei den beiden Frauen aus, die gestern an der Aktion teilnahmen. Ihren Namen wollten sie nicht in der Zeitung lesen, wohl aber über ihre finanzielle Situation reden. „Ich habe 47 Jahre gearbeitet, teilweise halbtags und beziehe aufgrund meiner Schwerbehinderung vorzeitig meine Rente“, sagte eine 62-jährige Frau aus Möglingen. Jetzt bekomme sie eine Altersrente in Höhe von 900 Euro. „Das reicht kaum aus zum Leben“, gab sie zu bedenken.

Ein Auto könne man sich mit diesem Monatseinkommen zum Beispiel kaum leisten. „Wäre ich mein Leben lang faul gewesen, würde ich vermutlich genauso viel Geld bekommen“, so die Frau. Kein Verständnis zeigte sie für die geringe Beteiligung an der gestrigen Aktion: „Das ist ein echtes Armutszeugnis“, kritisierte sie. Alle würden über dieses Thema reden und schimpfen, aber offenbar sei niemand bereit, etwas dagegen zu tun.

Aus Steinheim war eine andere Frau nach Ludwigsburg gekommen, um an der Mahnwache teilzunehmen. Von Altersarmut betroffen sei sie persönlich nicht, sagte sie. Trotzdem wolle sie sich nicht damit abfinden, dass einige Bevölkerungsgruppen, wie Alleinerziehende und Senioren, finanziell schlecht gestellt seien. „Ich halte es nicht für verantwortbar, dass in einem solch reichen Land wie Deutschland so viele arme Rentner Flaschen sammeln müssen, damit sie über die Runden kommen“, beschrieb sie ihren Beweggrund für die Teilnahme.

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