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Mit Betrug zum Führerschein

Tüv-Süd beklagt sprunghaften Anstieg von Täuschungsversuchen

Beim Tüv-Süd nehmen Betrugsversuche bei der schriftlichen Führerscheinprüfung stark zu. Archivfoto: LKZ
Beim Tüv-Süd nehmen Betrugsversuche bei der schriftlichen Führerscheinprüfung stark zu. Foto: LKZ

Ludwigsburg. Alle sind da: die Richterin, die Staatsanwältin, vier Zeugen und zwei Dolmetscher. Nur von dem Angeklagten, dem Missbrauch von Ausweispapieren vorgeworfen wird, fehlt jede Spur. Als er eine Viertelstunde nach dem offiziellen Sitzungsbeginn noch immer nicht im Amtsgericht erschienen ist, verwirft die Richterin seinen Einspruch gegen den Strafbefehl. Die Strafe von knapp 1000 Euro muss er also bezahlen.

Der Mann war bei dem Versuch erwischt worden, für einen anderen die schriftliche Führerscheinprüfung beim Tüv in Ludwigsburg zu schreiben. Dafür hatte er bei der Prüfung den Ausweis des anderen dabei, was allerdings bemerkt wurde.

So kurios dieses Beispiel, das sich vor wenigen Tagen vor dem Ludwigsburger Amtsgericht abgespielt hat, klingt, ein Einzelfall ist es nicht, wie der Tüv-Süd gegenüber unserer Zeitung bestätigt. Zwar führt der Tüv erst seit 2019 eine Statistik über die Täuschungsversuche, die hat es allerdings in sich. Allein die Versuche einer sogenannten Stellvertreterprüfung haben sich von 56 Fällen in 2019 auf 152 Fälle in 2020 verdreifacht. Wie viele davon in der Niederlassung Ludwigsburg stattgefunden haben, ist nicht bekannt, da die einzelnen Orte in der Statistik nicht erfasst sind.

Und die Stellvertreterprüfung ist auch nicht die einzige Möglichkeit, zu betrügen. In der Statistik des Tüv werden auch die anderen Varianten erfasst: Etwa unerlaubte Hilfsmittel – wie der klassische Spickzettel –, Betrug mit Technik, etwa mit Minikameras oder Kopfhörern, und immer wieder haben es die Mitarbeiter des Tüv auch mit gefälschten Dokumenten und Unterlagen zu tun. Insgesamt, so ein Presssprecher, gab es 2019 beim Tüv-Süd 557 Täuschungsversuche bei Führerscheinprüfungen, die aufgedeckt wurden. 2020 waren es schon 622 Täuschungsversuche.

Wie genau der Tüv gegen das wachsende Problem vorgeht und wie die Mitarbeiter geschult und sensibilisiert werden, bleibt geheim. „Dies sind leider interne mit der Kriminalpolizei abgestimmte Vorgaben, die wir nicht veröffentlichen können“, so der Sprecher des Tüv-Süd gegenüber unserer Zeitung.

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