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Mögliche Fliegerbombe im Boden entdeckt

Ist es eine Fliegerbombe? Beim Bau des Solarenergiespeichers am Holzheizkraftwerk ist im Boden ein Metall-Gegenstand gefunden worden. Ist es eine Bombe, ist für Samstag, 12. Januar, die großflächige Evakuierung der Südstadt und angrenzender Bereiche geplant.

Das Evakuierungsareal liegt mit einer 50-Kilo-Bombe bei 300 Metern Umkreis, bei 500 Kilo bei 500.Quelle: Stadt Ludwigsburg, Grafik: LKZ/Thomas Csulits
Das Evakuierungsareal liegt mit einer 50-Kilo-Bombe bei 300 Metern Umkreis, bei 500 Kilo bei 500.Quelle: Stadt Ludwigsburg, Foto: LKZ/Thomas Csulits

Ludwigsburg. Es ist ein Großeinsatz, den Ludwigsburg so noch nicht gesehen hat: Auf einer Fläche von etwas unter einem Quadratkilometer müssen 3000 Menschen in Sicherheit gebracht werden, der komplette Bereich abgesperrt und sogar der Bahnverkehr eingestellt werden. Feuerwehr, Rettungsdienste, Polizei und Stadtverwaltung haben für die Evakuierung 500 Leute mobilisiert – wenn es sich bewahrheitet, dass neben dem Holzheizkraftwerk in der Eisenbahnstraße eine Bombe liegt.

Wie die Verwaltung auf Nachfrage bestätigte, war der Metallgegenstand sechs Meter tief im Boden bei Sondierungen bereits in der Woche vor Weihnachten gefunden worden. Diese waren nötig, weil die Stadtwerke neben dem Holzheizkraftwerk einen 21 Meter hohen Bau errichten wollen – dieser speichert die Solarenergie, die mit der geplanten Anlage am Römerhügel gewonnen wird. Solche Untersuchungen seien Standard bei Bauvorhaben, betonte Erster Bürgermeister Konrad Seigfried am Freitag bei einer Pressekonferenz mit allen Beteiligten.

„Die Abmessungen passen zu einer 50-Kilo-Bombe“, erläuterte Mathias Peterle. Der Truppführer für Kampfmittelbeseitigung beim Regierungspräsidium und Feuerwerker mit langjähriger Berufserfahrung entschärft seit 2014 Bomben, rund 30 waren es in vier Jahren. Es könne auch ein 70 Zentimeter langes und 20 Zentimeter breites Rohr sein, sagte er, „aber eine 500-Kilo-Bombe ist ebenso möglich“. Entsprechend groß ist das Gebiet, das im Ernstfall evakuiert werden muss: In einem Umkreis von 500 Metern um das Holzheizkraftwerk müssen alle Bewohner ihre Häuser verlassen.

Peterle wird ab 8 Uhr mit seinem Team mit der Entschärfung beginnen. Er rechnet eher mit einer amerikanischen denn englischen Bombe, „mit Zündern an Kopf und Heck“. Laut Regierungspräsidium wurden seit 1946 an die 25.000 Bomben in Baden-Württemberg entschärft. Im Kreis Ludwigsburg wurde im Juli 2018 eine Geschützgranate in Hessigheim gefunden, in Asperg war es 2012 eine Fliegerbombe, so wie auch 2014 in Sersheim. Im Land sei es zuletzt in den Sechzigern beim Entschärfen zu einem Todesfall gekommen, so der 38-Jährige, der nicht mit Komplikationen rechnet. Die Sprengung einer Bombe, wenn sie nicht entschärft werden kann, sei das letzte Mal „vor 14 Jahren“ vorgekommen.

Mit Ben Bockemühl kann Ludwigsburg auf einen neuen Feuerwehrkommandanten bauen, der Erfahrung hat mit solchen Einsätzen – und sich eigens für Katastrophen- und Bevölkerungsschutz ausbilden ließ. Mindestens viermal, sagte er im Gespräch mit unserer Zeitung, sei es in seiner Zeit als Kreisbrandrat im Landkreis Aichach-Friedberg (Bayern) zu solchen Einsätzen gekommen, „von der Handgranate bis zur Fliegerbombe“.

Dass die Entschärfung der Ludwigsburger Bombe vom ursprünglich avisierten 5. auf den 12. Januar verschoben wurde, begründet er mit den umfangreichen Vorbereitungen. „Wir wollen die Leute frühzeitig einbeziehen.“ Gestern wurden diese per Einwurfschreiben informiert. „Der Notfallplan steht“, sagte Bockemühl, mit seiner Abteilung Bevölkerungsschutz (Feuerwehr, Rettungsdienste, THW) werden 400 Helfer zur Verfügung stehen. Er rät den Bewohnern zu einem Shopping-Samstag oder einem Ausflug. An dem Samstag stehen laut Bockemühl auch die Feuerwehren der umliegenden Kommunen parat. Weitere 80 bis 100 Polizeibeamte kommen hinzu. Im Areal befinden sich beispielsweise ein Altenheim, eine Asylunterkunft, Wüstenrot, das Getrag-Areal, die RBS und die LVL.

Die Polizisten werden laut Polizeihauptkommissar Alexander Bross nicht nur das evakuierte Gebiet sichern, sondern auch mit den Hilfskräften durch die Wohngebiete gehen, um sicherzugehen, dass alle Bewohner ihre Häuser verlassen haben (siehe Bericht oben rechts). „Wir klingeln und klopfen an jeder Tür.“ Mit Schwierigkeiten rechnet der Planer für polizeiliche Einsatzmaßnahmen im Polizeirevier Ludwigsburg nicht. „Das ist eine reine Vorsorge, die der Sicherheit dient.“ Sicher ist sich Kommandant Bockemühl, dass die rund 80 Jahre alte Bombe, so es eine ist, dort gut liegt. Erschütterungen habe es keine gegeben, zudem soll der Fundort abgesichert werden, um Bombentourismus zu vermeiden.

Ungeklärt ist laut Stadtverwaltung, wer welche Kosten trägt. Auch die Höhe sei unbekannt. Eigentümer des Grundstücks sind die Stadtwerke Ludwigsburg-Kornwestheim, die damit auch die direkten Kosten tragen müssten. Ist es eine Bombe, kommen umfangreiche Absperr- und Sicherheitsmaßnahmen hinzu. Die Ausfälle von Zug und S-Bahn, die am Samstag nicht durch Ludwigsburg fahren können, sollen mit einem Busverkehr kompensiert werden. Laut Experte Mathias Peterle ist Entschärfung und Abtransport der Bombe durch sein Team aber kostenlos. Er pflegt den trockenen Humor: „Es ist eben kein Job für Grobmotoriker.“

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