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Ehemaliger Seniorentreff
Nach Umbau und Sanierung wird Villa Ulmer in Ludwigsburg zur Kita

Die Villa Ulmer öffnet sich auf der Rückseite zur Einrichtung Kinderheimat. Im Gebäudeinnern wird umfangreich umgebaut. Fotos: Holm Wolschendorf
Die Villa Ulmer öffnet sich auf der Rückseite zur Einrichtung Kinderheimat. Im Gebäudeinnern wird umfangreich umgebaut. Fotos: Holm Wolschendorf
Noch haben die Handwerker das Sagen in der Villa Ulmer.
Noch haben die Handwerker das Sagen in der Villa Ulmer.
Baustellenbesichtigung: Das Bild zeigt von links Daniel Wittmann (Leiter des Fachbereichs Bildung und Familie), Projektleiterin Thekla Eisele, Bürgermeisterin Andrea Schwarz und Heiner Tobler (Evangelische Kirchengemeinde).
Baustellenbesichtigung: Das Bild zeigt von links Daniel Wittmann (Leiter des Fachbereichs Bildung und Familie), Projektleiterin Thekla Eisele, Bürgermeisterin Andrea Schwarz und Heiner Tobler (Evangelische Kirchengemeinde).
Über eine kleine Treppe ist die Kita-Gruppe nach Beendigung der Arbeiten zu erreichen.
Über eine kleine Treppe ist die Kita-Gruppe nach Beendigung der Arbeiten zu erreichen.
Die denkmalgeschützte Villa Ulmer wird saniert und umgebaut. In das Erdgeschoss, in dem sich bis 2020 ein Seniorentreff befand, soll Anfang 2023 eine Gruppe des evangelischen Kinder- und Familienzentrums Kindertagesheimat einziehen. Die Stadt Ludwigsburg, der das Gebäude gehört, investiert in Sanierung und Umbau mehr als 600000 Euro.

Ludwigsburg. Noch geben die Handwerker den Ton an in dem historischen Gebäude in der Kurfürstenstraße. Wenn Sanierung und Umbau beendet sind, sollen hier 25 Kinder betreut werden. Die angrenzende Betreuungseinrichtung Kindertagesheimat, die sich quasi im Garten der Villa befindet, wird die 160 Quadratmeter große Fläche im Untergeschoss nutzen. Sie erweitert um eine Gruppe für Kinder ab drei Jahren.

„Es ist toll, aus einem alten Gebäude etwas Neues zu machen“, zeigte sich Bürgermeisterin Andrea Schwarz bei dem Vor-Ort-Termin begeistert. Der Umbau des Bestandsgebäudes sei zudem um mehr als die Hälfte billiger als ein Neubau.

Zugeständnisse an den Denkmalschutz

Dass es sich um ein herrschaftliches Haus handelt, ist unschwer zu erkennen. Den Eingangsbereich säumen steinerne Säulen, das Treppenhaus ist mit Holz verkleidet, die Decken der 3,40 Meter hohen Räume im Erdgeschoss sind mit Stuck verziert. Der größtenteils noch original vorhandene Parkettboden wird während der Bauphase durch Filzmatten geschützt. Dass die charakteristischen großen Räume erhalten bleiben, ist dem Denkmalschutz geschuldet. Eingriffe in die Raumstruktur sind tabu. Die größte Veränderung findet in der ehemaligen Küche statt: Dort entstehen Sanitäranlagen für die Kinder.

Das ehemalige Herrenzimmer wird nach der Fertigstellung als Eingangsbereich dienen. Das Wohn- und Empfangszimmer wird zum Gruppenraum, das ursprüngliche Speisezimmer zum Mehrzweckraum: Dieser wird so möbliert, dass er für Veranstaltungen des Kinder- und Familienzentrums genutzt werden kann.

Brand- und Lärmschutz sind Herausforderung

„Der Brandschutz war eine Herausforderung“, sagte die Architektin Thekla Eisele, Projektleiterin des Fachbereichs Hochbau und Gebäudewirtschaft, mit Blick auf die Stuckdecken und die denkmalgeschützten Holztüren. Diese sollen so nachgerüstet werden, dass sie dicht schließen. Außerdem wird eine Brandwarnanlage installiert. Der Zugang zur großzügigen Terrasse und zum neu gestalteten Außenbereich mit Verbindung zur bestehenden Kita ist sowohl vom Gruppen- als auch vom Mehrzweckraum aus möglich und ein Fluchtweg somit vorhanden. Ein weiteres Thema ist der Lärm: Stoffbespannte Elemente, die an der Wand befestigt werden, sollen den Lärm schlucken, so Eisele. Bleibt noch die Frage nach dem Personal: „Im Moment ist die Situation gut, wenn auch nicht entspannt“, zeigt sich Daniel Wittmann, Leiter des Fachbereichs Bildung und Familie, optimistisch. Dass die Einrichtung nicht barrierefrei ist, ist für Heiner Tobler als Vertreter des Evangelischen Kirchengemeinde kein Problem: „Kinderwagen und Buggys müssen wie anderswo auch vor der Tür abgestellt werden.“ Nicht saniert werden die drei Wohnungen, die sich im ersten und zweiten Geschoss befinden und deren Mieter geduldig Baulärm und -schmutz ertragen.

Ein Gebäude mit Geschichte

Die Villa Ulmer ist im Jahr 1912 als Wohnhaus für den Besitzer der Hofdruckerei, Moritz Ulmer, erbaut worden. Seit Jahrzehnten gehört es der Stadt Ludwigsburg. Seit den 1970er-Jahren befand sich im Erdgeschoss eine Seniorenbegegnungsstätte. Als diese im Jahr 2020 geschlossen wurde, hagelte es von einigen Nutzergruppen heftige Kritik. Weiterhin nutzen dürfen die Senioren das Untergeschoss, in dem sich Bastelräume und Holzwerkstatt befinden. Kritik hatte es auch von Stadträten gegeben, für die eine Nutzung als Kita nicht mit dem Denkmalschutz vereinbar ist.

In der Villa Ulmer werden die Grund- und die Sanitärleitungen erneuert. Ausgetauscht werden sollen auch die Fenster im Erdgeschoss. Die Stuckdecken und Holzvertäfelungen werden ausgebessert, die Böden erneuert oder abgeschliffen. Die Stadt investiert 200000 Euro in die Sanierung und weitere 400000, um das Erdgeschoss als Kita nutzen zu können.