Logo

Mistelhexen

Närrische Parade zum 33. Geburtstag

Der Stadtteil Neckarweihingen wurde am Sonntag zum Party- und Narrendorf. Rund 8000 Zaungäste genossen hier gestern Nachmittag den Umzug und feierten gut gelaunt mit. Die erste Fasnetzunft der Mistelhexen hatte wieder ein närrisches Wochenende mit allem Drum und Dran auf die Beine gestellt.

350_0900_15066_COSTUmzug_1.jpg
Super Wetter, rund 8000 Zuschauer und jede Menge Kostümträger – beim Umzug in Neckarweihingen war die Stimmung hervorragend. Fotos: Holm Wolschendorf

Ludwigsburg. Nach der Ausrichtung des großen Landesnarrentreffens im vergangenen Jahr wollten es die Mistelhexen jetzt eigentlich etwas ruhiger angehen, der Umzug war mit 1500 Teilnehmern nicht ganz so groß, aber beschaulich und von viel Brauchtum geprägt. Und Grund zum Feiern gab es auch dieses Jahr, denn der rund 300 Mitglieder zählende Verein hat einen närrischen Geburtstag, er besteht jetzt seit 33 Jahren. Die Mistelhexen haben es geschafft, die schwäbisch-alemannische Fasnet nach Ludwigsburg zu holen. Der Neckarweihinger Umzug ist alljährlich ein Farbtupfer im Geschehen des Stadtteils, hier feiern alle gerne mit.

19_02_17Wolschendorf-129
Bildergalerien

Fasnetumzug Neckarweihingen 2017

{content}

Die Mistelhexen waren also gerüstet. Auf dem Platz bei der Willi-Krehl-Hall war ein Narrendorf errichtet und Häuser sowie Straßen waren bunt und närrisch geschmückt. Aus Lautsprechern dröhnte Partymusik, es gab Bewirtungszelte und vor allem: Rund um das Rathaus ging die Post ab. Die Besucher hatten sich ebenfalls lustige Verkleidungen ausgedacht und tanzten ausgelassen. Der Pinguin gesellte sich zum Schlumpf und gefährliche Miezen betörten falsche Polizisten. Auf der Bühne stand der Ehren-Vizepräsident der Mistelhexen, Ralf Diefenbach, um die am Umzug teilnehmenden Gruppen vorzustellen. Das machte er nicht alleine, sondern er hatte sich zur Verstärkung die 15-jährige Loreen Nagel hinzugeholt. Die Nachwuchsmoderatorin schlug sich wacker und alle hörten auf ihr Kommando, wenn sie die Narrenrufe ansagte. Dann stimmten die Zaungäste im Chor mit ein. Da hieß es nicht nur „Narri-Narro“, sondern auch „Wasser-Schnalz“, „Hol-Über“, „Hoi Hoi Hoi“ oder „Kugel Roll“. Oberbürgermeister Werner Spec winkte den Narren ebenso zu wie der Ehrenpräsident der Mistelhexen, Hermann Bartsch und Präsident Stefan Diefenbach.

Und da die Mistelhexen mit ihren Hästrägern sowie Garden immer fleißig unterwegs zu Veranstaltungen anderer Gesellschaften sind, waren jetzt wieder Brauchtumsgruppen aus dem Schwäbisch-Alemannischen Raum nach Neckarweihingen gekommen, um als Gegenleistung den Umzug zu bereichern.

Die grimmig dreinblickenden Bühler Hexen vom Fuße des Schwarzwaldes hatten sogar ein fahrbares Gefängnis dabei. Hinter Gittern darbten da lauter hübsche Blondinen. Die Täleshexen aus Aichtal bewiesen sogar akrobatisches Können bei der Hexen-Pyramide. Die Steinheimer Gloschd’r-Hexen hatten den Bebbelesdrescher und die Neckartalhexen den beleibten Kiesranzen dabei. Neckarweihingen erlebte außerdem eine wahre Wildsauinvasion mit wilden Ebern aus Ettlingen und auch schwarz-weißgefleckte Kühe zogen in Herden durchs Dorf. Geißböcke wurden ebenfalls gesehen, Erzinger Pflaumensäcke tanzten mit ihren Schellen zu typischer Narrenmusik und die Flecka Gwädda aus Kornwestheim bewiesen, dass man als Unkraut auch was hermachen kann. Waschweiber und Spätzlesfresser waren zur Stelle, charmante Holländerinnen umringten die Neckarweihinger KSV-Clowns, bauernschlaue Maskenträger schauten knitz und zottelige Teufelsgestalten mit zornigem Blick lehrten den Besuchern das Fürchten. Das Brauchtum will es so, dass die Fasnet richtig gruselig ist, denn schließlich soll der Winter ausgetrieben werden. Die Tscherissili-Narrenzunft hatte den Winter hingegen schon längst abgehakt. Die sommerlichen Kirschenmänner aus Klein-Paris in der Ortenau waren rote Farbtupfer im Geschehen. Die Ludwigsburg Bulldogs haben zwar nichts mit Brauchtum zu tun, aber ihre Show mit den martialischen Rufen hatte es in sich. Die American-Football-Spieler in ihren gelben Outfits gehören längst zum festen Bestandteil des Neckarweihinger Umzuges. Ebenso wie die Musikkapellen, vorneweg die Guggenmusik der Hochdorfer „Fleggafetzer“ und der Musikverein Tamm mit flottem Sound.