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Pläne für 2019

Neues Licht für den Rathaushof

Lichtkonzepte sind in Ludwigsburg bisher meist in der dunklen Schublade verschwunden. Mit Hilfe der österreichischen Künstlerin Siegrun Appelt will die Stadt neue Wege gehen. Statt weiter an Konzepten zu schreiben, setzt die Verwaltung jetzt auf einzelne Projekte – und deren zügige Umsetzung.

Schrittweise rüstet die Stadt auf LED um. Der Rathaushof ist eines der großen Projekte in diesem Jahr. Energie sparen, Atmosphäre schaffen und Sicherheit erhöhen – das sind die drei Ziele der neuen Beleuchtung. Foto: Ramona Theiss
Schrittweise rüstet die Stadt auf LED um. Der Rathaushof ist eines der großen Projekte in diesem Jahr. Energie sparen, Atmosphäre schaffen und Sicherheit erhöhen – das sind die drei Ziele der neuen Beleuchtung. Foto: Ramona Theiss

Ludwigsburg. Über Beleuchtungsfragen wurde früher bei Tageslicht entschieden – nach ausführlicher Betrachtung verschiedener Leuchtkörper. Doch die Zeiten, in denen es vor allem um das anspruchsvolle Design einer Leuchte ging, gehören in Ludwigsburg der Vergangenheit an. Heute tritt das Design der Leuchte in den Hintergrund – das Licht spielt die Hauptrolle.

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„Beleuchtungsfragen kann man nur bei Dunkelheit beurteilen.“

Martin Kurt
Stadtplaner

Expertin für Licht und dessen Wirkung ist die österreichische Künstlerin Siegrun Appelt. Über das Lichtkunstfestival ist die Erfinderin von „Langsames Licht/Slow Light“ nach Ludwigsburg gekommen – und der Stadt als Beraterin in Lichtfragen geblieben. Zusammen mit ihr oder mit ihren Anregungen im Hinterkopf war Stadtplaner Martin Kurt zuletzt oft im dunklen Ludwigsburg unterwegs. „Beleuchtungsfragen kann man nur bei Dunkelheit beurteilen.“ Er kann viel erzählen über richtige und falsche Lichtführung und Blendeigenschaften. Aktuell beschäftigen Beleuchtungsfragen alle Kommunen, da die bisherigen Glühbirnen per Erlass aus Brüssel Auslaufmodelle sind. Das Zauberwort heißt LED – doch eine Umrüstung auf LED ist bei vielen Lampen technisch gar nicht möglich. Und selbst wenn es technisch funktioniert, Martin Kurt rät zur Sorgfalt: „Wer unkritisch 1:1 gegen LED austauscht, dreht das Licht in der Stadt hoch.“ Die Gefahr ist Lichtverschmutzung. Ohnehin sei es in den Städten heute nachts viel heller, als es für Natur und Mensch gut ist. Darüber hatte zuletzt eine Professorin für Chronobiologie im Ludwigsburg Museum referiert. „Wir setzen uns kritisch mit der neuen Technik auseinander“, verspricht Kurt. Trotzdem soll in Ludwigsburg in diesem Jahr kein weiteres unnötiges Papier für Lichtkonzepte verbraucht werden. „Wir müssen in die konkrete Umsetzung gehen“, sagt Martin Kurt. Den Anfang macht ein großes Projekt mitten in der Stadt: der Rathaushof.

Gleich im ersten Halbjahr sollen die Stadträte die Zustimmung geben, damit Rathaushof und Ratskellergarten in neuem Licht erstrahlen können. Es gibt einiges zu verbessern, findet Kurt. „Wir wollen den Raum wieder wahrnehmbarer machen“, sagt er. Das bedeutet keineswegs, dass es heller wird. „Viel Licht bedeutet nicht automatisch viel Sicherheit“, so der Stadtplaner. Das Gegenteil kann der Fall sein. Während ein Fußweg besonders hell erstrahlt, verschwindet die Umgebung im Dunkeln. „Wir wollen Energie sparen, Atmosphäre schaffen und die Sicherheit erhöhen“, erklärt Kurt.

Verabschieden müssen sich die Ludwigsburger in diesem Jahr von den markanten Puntila-Leuchten auf dem Rathaushof. Diese lassen sich nicht auf LED umrüsten und sind ein gutes Beispiel für den neuen Zeitgeist: Opulente Leuchten werden gegen funktionale ausgetauscht. Als nicht funktional hat sich auch ein anderes Lichtelement auf dem Rathaushof erwiesen. „Die Lichtbänder, die den Platz durchziehen, sind nicht praxistauglich“, sagt Kurt. Sie sind über die Jahre undicht geworden, doch eine Instandsetzung ist der Stadtverwaltung zufolge nicht wirtschaftlich.

Nach dem Rathausplatz soll auch der Marktplatz in neuem Licht erstrahlen. „Wir wollen eigentlich nicht viel ändern, nur die Qualität verbessern. Kirchen und Arkaden sind aktuell beleuchtet und das soll laut Kurt auch so bleiben. Die Raumwirkung der Kirchen könne aber verbessert werden. Bisher gebe es beinahe einen 2-D-Effekt. Bei Lichttests habe man bereits versucht, auch die Glockentürme in Szene zu setzen. Auch der Brunnen mit der Eberhard-Ludwig-Statue könnte in besserem Licht dastehen, wenn es nach dem Stadtplaner geht. Dieser werde bisher etwas gruselig von unten angestrahlt.

Martin Kurt ist klar: „Der Marktplatz ist eine große Nummer.“ Neue Beleuchtung sei immer auch eine Frage der Gewöhnung. „Allerdings kann man sich auch an schlechte Qualität gewöhnen.“ Deswegen ist wichtig: „Wir müssen die Bürger mitnehmen.“

Auf der Suche nach möglichst blendfreien LED-Lösungen will die Stadt auch ihre Marktmacht nutzen. Neben ihrem ästhetischen Empfinden ist Künstlerin Siegrun Appelt auch wegen ihrer guten Kontakte zu Herstellern wertvoll, so Kurt. Gleichzeitig schätzt er die Unabhängigkeit der Stadt, denn Appelt berate unabhängig, sie wolle der Stadt nichts verkaufen.

Dass manchmal zwar der Wille da ist, aber die passenden Produkte fehlen, zeigt sich im Grünzug Pflugfelden. Dort wartet man schon seit längerer Zeit auf Licht. Doch weil die Stadtverwaltung nicht dauerhaft den Grünzug erhellen will, sind intelligente Leuchten gefragt. Sie sind mit Bewegungsmeldern versehen. Bisher war es schwierig, eine Lösung aus einer Hand zu finden. „Wir sind sehr unzufrieden“, gesteht Kurt ein. Doch er hofft, dass die Lösung nun zum Greifen nah ist.

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