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Übung

Notfall auf der havarierten Liberty

Insgesamt 117 Rettungskräfte aus dem Landkreis Ludwigsburg haben am Freitagabend an der Schleuse in Aldingen den Ernstfall geprobt.

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Mit den Rettungsbooten werden die Passagiere von der havarierten Liberty an Land gebracht. Fotos: Oliver Bürkle

Ludwigsburg. Um 18.30 Uhr war für die Feuerwehr, die Deutsche Lebensrettungs-Gesellschaft (DLRG) und das Deutsche Rote Kreuz (DRK) im Kreis Ludwigsburg der Traum vom gemütlichen Feierabend in der Sonne ausgeträumt. Ein Fahrzeug der Personenschifffahrt – das Passagierschiff Liberty vom Neckar-Käpt’n – sei an der Schleuse bei Aldingen havariert, lautete die Meldung. Außerdem sei Feuer an Bord ausgebrochen und einige Passagiere seien verletzt. Die abendlichen Spaziergänger, die zu dem Zeitpunkt an der Schleuse in Aldingen unterwegs sind, müssen das Schlimmste vermuten. Dabei handelt es sich aber nur um eine Übung der Rettungskräfte im Kreis.

Die Helfer in der Not haben Boote auf Anhängern dabei und lassen diese mithilfe eines Krans kurz nach der Schleuse zu Wasser. Zur gleichen Zeit legt die Feuerwehr Schläuche aus. Das neue Schnelleinsatzboot der Feuerwehr Remseck und die Strömungsretter der DLRG bergen treibende Personen aus dem Wasser, die von Bord der Liberty gesprungen sind. Acht Boote von DLRG und Feuerwehr, teils mit Blaulicht ausgestattet, ziehen auf dem Wasser rund um die Liberty ihre Kreise und erledigen verschiedenste Aufgaben. Die zu rettenden Personen sind Freiwillige der Feuerwehr Remseck und der DLRG-Ortsgruppe Ditzingen. Während die unverletzten Passagiere nach und nach mit den Booten der DLRG an Land gebracht werden, wird mit Hilfe des Rettungsbootes der Feuerwehr Remseck die Menschenrettung und Brandbekämpfung auf der Liberty eingeleitet.

Die an Land gebrachten Passagiere werden vom DRK an ihrem eingerichteten Betreuungsplatz versorgt und bei Bedarf vom Notfallseelsorgeteam des Landkreises betreut.

Da der Einsatzleitstelle zwei vermisste Personen gemeldet werden, suchen Taucher sowie ein Boot der DLRG mit einem Sonar an Bord den Grund des Neckars rund um das havarierte Schiff ab. Zum Einsatz kommt auch die Drehleiter der Feuerwehr, um verletzte und nicht gehfähige Personen, die an Land gebracht worden sind, von der Uferböschung zur Straße zu befördern.

Die vielen Schaulustigen konnten zudem die Drohne der Feuerwehr Oberriexingen dabei beobachten, wie sie über der Liberty kreiste und Livebilder der Situation für die Einsatzleitung machte. Als die Liberty ein durch Sägespäne angedeutetes Ölleck aufwies, zogen die Feuerwehren die Ölschlinge aus Ludwigsburg rund um das Schiff, um ein Ausbreiten des Öls zu verhindern.

Für die spätere Manöverkritik stehen Personen in schwarz-weiß gestreiften Westen zwischen den Rettungskräften und den Personen an Bord. Sie beobachten und notieren sich das Verhalten der Rettungskräfte. Stefan Lob, Einsatzleiter DLRG-Wasserrettung zog bereits direkt nach der Übung ein Fazit: „Die Rettung der Personen lief sehr gut, ebenso das anfängliche parallele Arbeiten der Einsatzkräfte.“ Die Übung habe aber ebenso den Optimierungsbedarf im Bereich der Einsatzsteuerung zwischen den Organisationen aufgezeigt. Dieses Verbesserungspotenzial könne man nur bei solchen großen Übungen mit verschiedenen Organisationen erkennen. „Deshalb sind solche Übungen sehr wertvoll für die zukünftige Zusammenarbeit“, sagte Lob. Remsecks Feuerwehrkommandant Michael Leutenecker ergänzte: „Die Brandbekämpfung und das Personenretten auf einem Schiff sind zwei Aspekte, die nicht sehr oft zusammen auftreten und daher seltener geübt werden.“ Im Vordergrund sei die Zusammenarbeit mit den anderen Organisationen im Ernstfall gestanden. Das bringe im realen Einsatz Vorteile. Frank Gäßlein Bootsführer der DLRG meinte nach der Übung: „Es war eine Herausforderung, so viele Personen auf einmal zu retten und zudem noch Schwerstverletzte mit Brandwunden und einen Rollstuhlfahrer von der Liberty zu bergen.“ (red)