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Designpreis

Ökologie und Ästhetik vereint

Ob das modular aufgebaute Smartphone zum Selbstreparieren, die Fliesen aus recyceltem Bauschutt oder der Motor, der normale Fahrräder in E-Bikes verwandelt: Welche kreativen Ideen sich hinter ökologischem Design verbergen, ist bis zum 10. März im Ludwigsburger Museum MIK zu sehen.

Teile des Motors Velospeeder, …
Teile des Motors Velospeeder, …
…der jedes Fahrrad zum Pedelec macht.
…der jedes Fahrrad zum Pedelec macht.
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Ludwigsburg. Die Ausstellung mit Exponaten, die beim Bundeswettbewerb Ecodesign 2018 prämiert und nominiert worden sind, ist am Montagabend mit einer Feierstunde im Scala eröffnet worden. Insgesamt wurden bei dem mittlerweile siebten Ecodesign-Wettbewerb, den Bundesumweltministerium und Umweltbundesamt ausloben, 250 Beiträge eingereicht. Neun der 24 nominierten Produkte und Konzepte in Kategorien wie Bau, Haushalt, Interieur, Mobilität, Kommunikation und Mode sind prämiert worden. „Der Bundespreis Ecodesign zeichnet Produkte, Dienstleistungen und Konzepte aus, die den ökologischen Herausforderungen sowohl ökologisch als auch funktional begegnen“, sagte Moderatorin Natascha Hirth. Nachhaltigkeit lautet hier das Schlüsselwort. Doch was verbirgt sich eigentlich hinter diesem Begriff?

Appell für nachhaltige Produkte

Ludwigsburgs Oberbürgermeister Werner Spec begrüßte in diesem Zusammenhang die Demonstrationen von Schülern, die für den Klimaschutz auf die Straße gehen. „Sie haben das verdammte Recht dazu“, wies er auf die kontinuierliche Erderwärmung hin. Diese werde dazu führen, dass das Klima in Ludwigsburg sich dem im heutigen Mittelitalien oder Südfrankreich angleiche. Seiner Meinung nach muss das gesamte technische Know-how genutzt werden, um diese Entwicklung zu stoppen und einen nachhaltigen Lebensstil zu entwickeln. Er appellierte an die Zuhörer, sich bei Kaufentscheidungen für ökologisch wertvolle Produkte zu entscheiden, auch wenn diese etwas mehr kosten.

„Es geht darum, mit diesem Preis Veränderungen zu bewirken“, sagte Professor Walter Rogg, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Region Stuttgart GmbH. „Wir leben hier in der Region Stuttgart seit 100 Jahren gut davon, das Bedürfnis der Menschen nach Mobilität zu befriedigen“, sagte er. Auch wenn die Konjunktur aktuell noch brumme, seien die Aussichten eher vage. Für ihn hat die Verleihung des Bundespreises Ecodesign Vorbildfunktion, „weil es darauf ankommt, die Zukunft künftiger Generationen nicht durch Raubbau an der Natur aufs Spiel zu setzen“. „Der Preis ist ein Ansporn, nach innovativen Lösungen zu suchen“, betont Rogg.

Nicht zum Kreis der Preisträger, aber zu dem der 24 Nominierten, gehört Paprfloor aus Weil der Stadt. Dabei handelt es sich um einen für Messestände entwickelten Bodenbelag aus Papier, der individuell bedruckt werden kann. Sebastian Grimm hatte die Idee für diesen Bodenbelag und gab im Gespräch mit Natascha Hirth zu bedenken, dass auf Messeständen in Deutschland acht Millionen Quadratmeter Bodenbeläge verlegt würden. Durch ein spezielles Verfahren ist der Papierboden sogar brandschutzzertifiziert.

Fliesen aus Bauschutt und Glas

Zu den Preisträgern in der Kategorie Produkt gehört die Shift GmbH aus Falkenberg: Dort wurde ein Smartphone entwickelt, das aus verschiedenen Modulen besteht, die sich durch Klick- und Schraubenverbindungen bei Bedarf von jedem Nutzer ersetzen lassen. Ökologie und Ästhetik sind kein Widerspruch: Das zeigen die Fliesen, die Studentin Lea Schücking aus zerkleinertem Bauschuttziegeln und Glas herstellt. Sie gab zu bedenken, dass pro Jahr 3,5 Millionen Bauschutt auf Deponien lande. Jetzt ist die Studentin auf der Suche nach einem Unternehmen, das ihre Fliesen produziert.

Ausgezeichnet wurde auch der Velospeeder, ein ultraleichter Fahrradmotor, der an der Hinterradfelge angebracht wird. So verwandelt sich jedes herkömmliche Fahrrad in ein Pedelec. Einen Preis gab es auch für die Gründer von Fashion for 4 Biodiversity. Das Unternehmen arbeitet ohne Einsatz von schädlichen Chemikalien in der Seidenraupenzucht und produziert somit die Grundlage für hochwertige Textilien in Bioqualität. Alu- und Frischhaltefolie sowie Backpapier in einem ist das Zellulosepapier von Compostella. Jurymitglied Professor Günter Horntrich wies auf die Verantwortung der Designer bei der Entwicklung eines Produktes hin: Schließlich entscheiden sie über das Material und die Herstellungsbedingungen. Er warnte aber auch vor dem Überfluss: „Wir brauchen nicht jedes Produkt, weniger ist mehr“, sagte er.

Info: Ausstellung Bundespreis Ecodesign, Preisträger und Nominierte, im MIK, Eberhardstraße 1, Ludwigsburg. Öffnungszeiten Montag bis Sonntag 10 bis 18 Uhr (bis zum 10. März).

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