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Corona

Pflegeheime setzen massiv auf Schnelltests

Schnelltests für Bewohner, Mitarbeiter und Besucher, um Infektionen schneller zu erkennen: Was die nationale Teststrategie künftig für Senioren- und Pflegeheime erlaubt, hat in Ludwigsburg schon begonnen. Im Albert-Knapp-Heim wurde bereits umfangreich getestet, nachdem dort Covid-19-Fälle aufgetreten waren. „Das hat uns sehr geholfen“, sagt der Träger.

„Hätten wir die Schnelltests nicht gehabt, wäre der Vorfall im Albert-Knapp-Heim ganz anders gelaufen“, sagt Berhard Wandel, Leiter der Stiftung Evangelische Altenheime. Sie betreibt in Ludwigsburg das Albert-Knapp-Heim, das Gerokheim und das Geschwister-Cluss-Heim mit rund 200 Menschen in der Pflege sowie 40 im betreuten Wohnen. „Bei einem Ausbruchgeschehen sind die Antigen-Tests sehr hilfreich, weil man schnell ein Ergebnis hat.“ Wie berichtet, hatte es in dem Pflegeheim vor knapp zwei Wochen drei Covid-19-Fälle unter den Bewohnern sowie einen infizierten Mitarbeiter gegeben, zwei Wohnbereiche wurden in Quarantäne geschickt. Bis zu deren Ende wurden laut Wandel alle Mitarbeiter per Schnelltest auf das Coronavirus getestet. Damit habe man gut reagieren und den Betrieb aufrecht erhalten können. Ein sonst angewandter PCR-Test mit fünf Durchläufen, sagt der Diakon, dauere derzeit zwei bis drei Tage. „Die Laborzeit ist relativ lang geworden.“

Schnelltests waren bei Covid-19-Ausbruch extrem hilfreich

Machbar war das durch die dritte Teststrategie des Bundes, die seit dem 14. Oktober gültig ist. Diese erlaubt Schnelltests für Personal, Bewohner und Besucher auch ohne Symptome, und das mit Schnelltests vor Ort (siehe rechts unten). Während andere Altenheime noch auf die Genehmigung ihrer eigenen Testkonzepte warten wie auch auf ihre bestellten Antigen-Schnelltests, hatte die Stiftung evangelische Altenheime bereits Schnelltests vor Ort sowie des Covid-Ausbruchs wegen eine Ausnahmegenehmigung, diese anwenden zu dürfen. Rund 300 Antigen-Schnelltests, schätzt Wandel, habe man bisher angewandt. „Das hat uns sehr geholfen.“

Mittlerweile hat die Stiftung ein umfangreiches Konzept erarbeitet, das regelmäßige Schnelltests für Mitarbeiter, Bewohner und auch Besucher vorsieht. Dass muss jetzt, wie die anderen auch, noch genehmigt werden. Pro Bewohner sind in Pflegeheimen 20 Tests pro Monat erlaubt und bezahlt, sofern die Schnelltests nicht teurer sind als sieben Euro. Diese umfassen nicht nur die eine Person, sondern auch deren Pflegekräfte und Besucher. Damit könne man jeden Bewohner einmal pro Woche testen, sagt Bernhard Wandel, wie auch die Mitarbeiter. Besuchern – auch Ehrenamtlichen –wird an bestimmten Tagen ein Test vor Ort angeboten, so dass diese ebenfalls regelmäßig getestet werden können. Alle Besucher, ob Angehörige oder Ehrenamtliche, bekommen zudem eine FFP2-Maske, das Personal trägt ohnehin welche. „Masken haben wir derzeit genug.“

„Wir haben einen Vorsprung“, sagt Bernhard Wandel, „und schon viel gelernt.“ Damit sei es gelungen, Besuchsverbote abzuwenden, „es ist wichtig, dass wir vernünftig damit umgehen.“ Ein strenger Lockdown mit geschlossenen Einrichtungen müsse unter allen Umständen vermieden werden, und die Test hätten noch einen psychologischen Effekt, sagt er: „Absolute Sicherheit gibt es nie, so viel kann man gar nicht testen, aber es herrscht damit eine bessere Atmosphäre. Unsere Bewohner und auch die Besucher gehen sehr gut damit um.“

Eine Teststrategie hat auch schon die Evangelische Heimstiftung erarbeitet, die das Emilie-Räuchle-Stift in Poppenweiler und den Wittumhof in Neckarweihingen betreibt – in ganz Baden-Württemberg sind es 86 Pflegeheime mit 11000 Kunden. Diese sollen einmal wöchentlich getestet werden, so Pressesprecherin Alexandrea Heizereder. Wie Regionaldirektorin Michaela Sowoidnich sagt, habe man erst 80000 und nun erneut 100000 Tests bestellt, so sollen „möglichst viele Besucher“ getestet werden. Anders beim mc Seniorenstift mit 210 Menschen im Betreuten Wohnen, 45 sind in der Pflege. Das Konzept steht, sagt Doris Linhart-Beck, Stiftsdirektorin des mc Seniorenstifts. Die Bewohner im betreuten Wohnen sollen nicht automatisch, sondern „anlassbezogen“ getestet werden, die Mitarbeiter dagegen zweimal wöchentlich. „Die Besucher im betreuten Wohnen haben wir nicht vor zu testen.“

Problematisch ist für alle Träger das fehlende Personal, das sie selbst stellen müssen und das nicht bezahlt wird. Dies kritisiert Bernhard Wandel, die Tests müsste dann das Pflegepersonal machen. „Die Zeit für die Pflege ist ohnehin knapp.“ Michaela Sowoidnich sagt, „Wenn wir so arbeiten wollen, brauchen wir pro Einrichtung zwei Vollzeitkräfte.“ Selbst wenn die bezahlt würden, wären sie im engen Markt kaum zu bekommen. Sie will nun bei Rettungsorganisationen anfragen, ob die Ehrenamtliche stellen wollten. Und hätte gerne eine Nachbesserung. „Bei diesem starren Testkonzept hat sich keiner Gedanken gemacht, woher die Ressourcen kommen sollen.“

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