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Indie-Pop

Poetische Einsamkeit als Markenkern

Die Ludwigsburger Indie-Pop-Band Solitude Alley dreht melancholisches Video im Blüba

Allein im strahlenden Sonnenschein: Uli Gmeiner in „Not Yours“. Foto: privat
Allein im strahlenden Sonnenschein: Uli Gmeiner in „Not Yours“. Foto: privat
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Ludwigsburg. Wer sich dieser Tage nicht so recht damit anfreunden mag, dass es meteorologisch tiefer Winter und das Büba auch coronabedingt geschlossen ist, könnte sich mit dem jetzt neu veröffentlichten fünfminütigen Videoclip trösten, den die hörenswerte Ludwigsburger Indie-Pop-Band Solitude Alley gerade veröffentlicht hat – und der ebendort spielt, bei schönstem Sonnenschein. Der Name der Formation um Sänger und Songwriter Uli Gemeiner versprüht nicht nur Lokalkolorit (Solitudeallee), sondern fügt sich auch gut zur sanften Melancholie der Musik, wie Gmeiner, der hauptberuflich als Musiklehrer arbeitet, erklärt. „Ich mag den Gedanken, der dahintersteckt – der Weg zu sich selbst, das hat etwas Poetisches.“

Doch zurück zum Video: Der nicht minder poetische Song „Not Yours“ basiert auf einem spätromantischen Gedicht der New Yorker Lyrikerin Sarah Teasdale. Darin geht es um den Wunsch eines Menschen, in einem anderen partnerschaftlich ganz aufzugehen – und wie er merkt, dass dies einfach nicht der Fall ist. Gmeiner ist einziger menschlicher Protagonist in dem mit Retrofilter versehenen Video (Produktion: Marina und Leo Zorn), das an einem Tag Anfang August entstand, als sich die Coronalage gerade etwas entspannte. Zu sehen ist er allerdings nur bedingt – denn auf dem Kopf trägt er einen Papierlampenschirm mit angedeuteten Augen. „Es ist die Suche eines verlorenen Wesens, das nicht so recht weiß, wo es hingehört“, erklärt der 40-jährige gebürtige Ellwanger. Also streift das Wesen zu den ruhigen, angejazzten Klängen durch das Blüba und das nächtliche Ludwigsburg, steht vor den Fontänen, setzt sich auf eine Parkbank, fährt Boot und streichelt Ziegen. Etwas kurios – und doch erstaunlich stimmig. Mit einer Nadel hätten sie den Lampenschirm zuvor etwas perforiert, damit er überhaupt schemenhaft etwas erahnen konnte, erzählt Gmeiner und lacht. „Es war etwas schräg – ich bin aber nirgendwo dagegengelaufen.“

Die Band gründete der Musiker 2017, nachdem er fünf Jahre zuvor von Stuttgart nach Ludwigsburg gezogen war. Die Songs, die zuvor in der Schublade gelandet waren – Deutsch-Pop nach Art der Hamburger Schule, aber mit Retro- und Jazz-Anklängen („Mich inspiriert Musik, die große Gefühle in glaubhafte, ehrliche und spannende Töne fasst, ohne kitschig zu wirken“) –, wollte er endlich auf die Bühne bringen. Seither bildet der Sänger, der auch Piano und Trompete spielt, mit dem Gitarristen Dirk Hammerschmidt, Bassist Robert Schmaus und Schlagzeuger Manuel Dachner, die alle aus der Region stammen, ein bühnentaugliches Quartett, das bereits im Ludwigsburger „Flint“, im Tübinger „Café Haag“ und im Manufaktur-Garten Schorndorf spielte und gerne live weitermachen würde.

Wäre da nicht Corona. Planungen sind so kaum möglich. Nach der EP „Mellifluence“ von 2019, die auch den Song „Not Yours“ enthält, sollen im kommenden Jahr zwei neue Songs aufgenommen und vielleicht sogar auf Vinyl gepresst werden. Bis die Bühnen wieder öffnen, kann sich Gmeiner, der an der Freiburger Musikhochschule studierte und von 2007 an mehrere Jahre als Tourmusiker des Biberacher Musikprojekts Get Well Soon unterwegs war, auch noch den einen oder anderen Videodreh vorstellen. In einem leeren Freibad oder einem verlassenen Gewächshaus etwa – die Einsamkeit ist bei ihnen schließlich Programm.

Info: Das Video findet sich auf Youtube unter „Solitude Alley“.

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