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Corona

Politischer Schnellschuss auch bei Testzentren

Landrat Allgaier kritisiert Ankündigung von oben ohne Klärung für Umsetzung – Einige Kreiskommunen starten dennoch schon Angebote

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Kreis Ludwigsburg. Das Angebot ist klar: Jeder Bürger soll die Möglichkeit haben, einmal pro Woche kostenlos einen Coronatest machen lassen zu können. Doch ganz und gar nicht gelte das (mal wieder) für die Umsetzung vor Ort, in den einzelnen Kommunen, kritisiert Landrat Dietmar Allgaier und erinnert an Ähnliches bei den Impfstarts. Die Politik habe groß angekündigt, dass nächste Woche alles in Betrieb gehe. Die Idee an sich sei ja richtig – doch noch sei nicht geklärt, wie das Prozedere sei und alles finanziert werde. Das bemängelt auch Apotheker Götz-Georg Mauthe mit Blick auf die Frage, wie man klären könne, ob eine testwillige Person ihr Kontingent noch nicht ausgeschöpft hat und wie für ihn die Abrechnung funktioniere, zumal er wohl wieder mal in Vorleistung gehe. Offen ist zudem, ob man sich in anderen Orten gratis testen lassen kann, wenn es im eigenen noch kein entsprechendes Angebot gibt, sagt ein Bürgermeister auf entsprechende Frage – und verweist für eine Antwort sarkastisch auf Bundesgesundheitsminister Jens Spahn, der „lauter so tolle Vorschläge“ mache, die andere dann umsetzen müssten.

Fest steht aber zumindest im Kreis, dass man auf eine dezentrale Struktur setzt. „Im besten Fall gibt es in jeder Kommune ein Angebot“, so Allgaier. Und am besten eine zentrale Informationsquelle. Das Landratsamt arbeite derzeit an einer Auflistung, wo es bereits kommunale Schnelltestzentren gibt, bis Mitte nächster Woche soll es sie geben, zudem eine zentrale Internetseite.

Veraltete Hinweise bei Anmeldung

Einige kommunale Schnelltestzentren sind ungeachtet dessen schon in Betrieb, für die nötigen Anmeldungen gelten aber bislang unterschiedliche Webseiten. Und noch sind nicht alle mit Blick auf die kostenlose Testmöglichkeit aktualisiert – darauf weist exemplarisch die Stadt Freiberg hin. Denn bei der Terminbuchung könne man bei der Art der Abrechnung zwar „Kostenfrei gemäß Coronavirus-Testverordnung des Bundes“ wählen, doch die Forderung nach einem Nachweis als Teil eines berechtigten Personenkreises sei hinfällig. Ebenso könne man im Folgenden bei „Gruppenzugehörigkeit nach Coronavirus-Testverordnung“ irgendetwas angeben. Wichtig auch der Hinweis: Sollte man schon Symptome haben, darf man nicht zum Schnelltest, sondern soll einen Arzt aufsuchen.

Am Donnerstag in Betrieb gegangen ist die Teststelle der Stadt Ludwigsburg. Bürger können sich nun auch im Ratskeller-Pavillon testen lassen. Auf die Frage, ob es ab Montag bereits kostenlose Schnelltests geben wird, heißt es: „Ja. Wir können gemeinsam mit der Firma KME eine offiziell bekanntgegebene Strategie des Bundes sofort umsetzen. Dies gilt natürlich auch für alle anderen Schnellteststellen in Ludwigsburg.“ Eine vorherige Anmeldung unter coronatest-ludwigsburg.de oder unter der Tübinger Nummer (07071) 388990 bleibt weiterhin notwendig. Unter www.ludwigsburg.de/corona-teststellen findet sich zudem eine Auflistung von weiteren Corona-Teststellen in der Stadt.

Ganz neu sind auch Teststellen in Asperg im DRK-Vereinsheim – derzeit aber nur gratis für Menschen mit Berechtigungsscheinen, sobald die Tests des Bundes zur Verfügung stehen, dann für alle frei, Anmeldung: apo-schnelltest.de/testzentrum-asperg) – und in Pleidelsheim. Dort hat das DRK am Freitagabend die Sporthalle in der Ludwig-Hofer-Straße geöffnet (Anmeldelink via www.pleidelsheim.de). Ab kommendem Montag sind dann auch Tests für alle Bürger von Marbach möglich, und zwar im Nebenraum des Restaurants Schillerhöhe in der Stadthalle, betrieben montags bis sonntags tagsüber von der Schiller-Apotheke und mit Unterstützung des DRK ( www.schiller-schnelltest.de). Ohne Anmeldung kann man ab dem 8. März in Hemmingen zum Schnelltest kommen, und zwar montags bis freitags von 10 bis 11 und 16 bis 17 Uhr im Bürgertreff, verantwortet von der Praxis Dr. Maitra. Zudem kann man sich ohne Anmeldung in der Praxis Dr. Geiger in der Freiherr-von-Varnbüler-Straße 9 testen lassen, immer von 11 bis 13 Uhr.

Mehr Testzentrums-Erfahrung hat man im Möglinger Bürgerhaus. Dort haben die Rathaus-Apotheke und das DRK – deren Ehrenamtliche sind nachmittags im Einsatz – am vorvergangenen Montag eine solche Einrichtung geschaffen, die nicht nur Beschäftigte in Kitas und Schulen nutzen können (Anmeldung: www.rapom.de). Trotz aller unklaren Fragen, wie es nun mit der Zurverfügungstellung der gratis Tests und wohl auch einer größeren Nachfrage abläuft – bis zu 200 Abstriche sind laut Götz-Georg Mauthe pro Tag möglich –, will er sich seinen Optimismus nicht nehmen lassen.

Seit Ende Februar sind zudem die beiden Testzentren der Apotheke im Kaufland in Bietigheim-Bissingen in Betrieb, zunächst nur für die Beschäftigten der Kinderbetreuungseinrichtungen, vor kurzem aber öffnete Apotheker Andreas Bühler auch für die Öffentlichkeit. Anmeldungen für Termine in der Sporthalle am Viadukt oder im DLRG-Heim am Hallenbad Bissingen über www.coronatest-lokal.de oder persönlich in der Apotheke im Kaufland oder in der am Unteren Tor. Auch in Freiberg geht die Initiative von Pharmazeuten aus. Seit dem 23.Februar betreibt die Palm’sche Apotheke mit Unterstützung von DRK und Feuerwehr in Freiberg ein Schnelltestzentrum, zunächst nur für Erzieherinnen und Co. Ab Montag wird die Stadthalle dann für alle geöffnet. Die Anmeldung für dort erfolgt ebenso über www.coronatest-lokal.de

Eine ähnliche Ausweitung nimmt vom kommenden Montag an auch Korntal-Münchingen vor. An jeweils zwei Abenden wird das DRK testen, in Korntal montags und mittwochs in der Vereinsstätte, Siebenbürgenstraße 15, und in Münchingen im Widdumhof dienstags und donnerstags. 150 Tests pro Abendtermin in viertelstündlichen Timeslots sind möglich, Anmeldung unter https://testcenter-komue.de. Insgesamt hat die Stadt mit ihren knapp 20000 Einwohnern aktuell 6000 Tests aus den Reserven des Landes erhalten.

Wie lange das ausreicht, ist offen. Allgaier hofft, dass Menschen nicht einfach anlasslos kommen, sondern um „Ereignisse abzusichern“, etwa Schulbesuche und Veranstaltungen, dann sei Testen richtig. Er bezweifelt, dass sich Schnelltests vor dem Einkaufen groß durchsetzen, die kursierenden Ideen seien wenig praktikabel. Vielmehr setzt er auf „Impfen, Impfen, Impfen“. Und: „Ich hoffe, dass es ab Ende März besser wird, wenn es mehr Impfstoff gibt.“

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