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Corona
Proteinbasierter Impfstoff von Novavax im Kreis Ludwigsburg: Pflegeheime und Klinikum rechnen nicht mit großer Nachfrage

•Das Vakzin von Novavax ist ein Protein-Impfstoff. Foto: Alastair Grant/AP/dpa
•Das Vakzin von Novavax ist ein Protein-Impfstoff. Foto: Alastair Grant/AP/dpa
Der fünfte Impfstoff gegen das Coronavirus hat Deutschland erreicht und wird dieser Tage an die Länder und Landkreise verteilt. Ludwigsburg erwartet 7400 Impfdosen. In den Pflegeheimen vermutet man keinen großen Ansturm auf den proteinbasierten Impfstoff.

Ludwigsburg. Rund 14 Monate nach dem Start der Impfungen in Deutschland wird derzeit der fünfte in der EU zugelassene Impfstoff, das Vakzin von Novavax, verteilt. Auch im Kreis Ludwigsburg könnte es in den kommenden Tagen Termine damit geben. Wann genau Impfungen mit dem Protein-Impfstoff möglich sein werden, ist noch nicht klar.

Wie eine Sprecherin des Landratsamtes auf Anfrage mitteilte, rechnet man dort mit der Impfstofflieferung für den Kreis Ludwigsburg Mitte nächster Woche. Nach aktuellem Stand werde es in allen Impfstützpunkten in den Großen Kreisstädten Novavax-Impfungen geben. Termine für diese werden allerdings erst auf www.termin.kizlb.de freigeschaltet, wenn der Kreis den genauen Liefertermin weiß.

Baden-Württemberg hat am Freitag die erste Lieferung des neuen Impfstoffs vom Bund erhalten. Die 192000 Dosen sollen ab Dienstag an die Stadt- und Landkreise ausgeliefert werden, teilte das Gesundheitsministerium in Stuttgart mit. Diese legen eigenständig fest, ab wann damit geimpft wird.

Pflegepersonal soll bei der Impfung mit Novavax priorisiert werden

Nach aktuellen Informationen bekommt der Landkreis Ludwigsburg für Erst- und Zweitimpfungen 7400Dosen vom Novavax-Impfstoff, so die Sprecherin des Landratsamtes. Die Hälfte davon geht an die niedergelassenen Ärzte, der andere Teil wird in den Impfstützpunkten verimpft. Davon wiederum eine Hälfte muss für die Zweitimpfungen zurückgehalten werden. Es können zunächst also rund 1850 Termine bei den Impfstützpunkten vergeben werden.

Mindestens die Hälfte des Impfstoffs Nuvaxovid soll vorrangig den Beschäftigten im Gesundheitswesen angeboten werden, heißt es aus dem Gesundheitsministerium. Es gibt Hoffnung, dass er eine Alternative für manche sein könnte, die sich nicht mit den bisherigen mRNA-Impfstoffen von Biontech und Moderna impfen ließen. Ungeimpfte Mitarbeiter etwa von Kliniken und Pflegeheimen müssen sich vor Inkrafttreten der einrichtungsbezogenen Impfpflicht am 16. März immunisieren lassen, um weiter arbeiten zu dürfen. „Ich hoffe sehr, dass der Impfstoff viele skeptische Menschen noch überzeugen kann, sich impfen zu lassen“, wird Gesundheitsminister Manne Lucha (Grüne) in einer Pressemitteilung zitiert.

In den Heimen gibt es bereits eine hohe Impfquote

In den Pflegeheimen und bei den RKH-Kliniken rechnet man jedoch nicht mit einer großen Nachfrage nach dem Protein-Impfstoff. „Nur sehr wenige Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen sind noch nicht geimpft oder genesen“, sagt Bernhard Wandel, Vorstand der Stiftung evangelischer Altenheime, die drei Häuser in Ludwigsburg betreibt. Ihm ist beim Personal niemand bekannt, der auf den Impfstoff von Novavax gewartet hat.

Auch Stefan Ebert, Geschäftsführer der Kleeblatt-Pflegeheime, geht davon aus, dass sich nicht viele Mitarbeiter jetzt mit Nuvaxovid impfen lassen werden. Die Impfquote bei den Kleeblatt-Heimen liege bei 92Prozent, außerdem seien sechs bis sieben Prozent des Personals genesen. „Bis Mitte März versuchen wir aber alle noch nicht geimpften Mitarbeitenden von der Sinnhaftigkeit der Impfung zu überzeugen“, so Ebert.

Lesen Sie hier: Diakonie rechnet mit Aufnahmestopps in den Pflegeheimen wegen Teil-Impfpflicht

Bernhard Wandel ist zuversichtlich, dass bis zum Start der einrichtungsbezogenen Impfpflicht alle Mitarbeiter der Stiftung evangelischer Altenheime geimpft oder genesen sind. Derzeit werde der Status erhoben.

Bei der Evangelischen Heimstiftung liegt die Immunisierungsquote bei 95Prozent. „Und sie steigt weiter an“, so Pressesprecherin Alexandra Heizereder. Die bald mögliche Impfung mit Novavax werde die Quote weiter erhöhen. Es werde bei der Heimstiftung wohl einen „kleinen, harten Kern von zwei Prozent der Mitarbeitenden“ geben, die sich bis Mitte März nicht impfen lassen werden.

Mobile Impfteams sollen auch wieder Pflegeheime anfahren

Bei den RKH-Kliniken rechnet man nicht mit einem „signifikanten Anstieg der Impfquote“ durch Novavax. Die liegt bei den Kliniken derzeit bei 91Prozent. Kliniken-Sprecher Alexander Tsongas geht davon aus, dass die Quote noch weiter steigt. Einzelne Beschäftigte hätten angedeutet, dass sie auf den Protein-Impfstoff warten, sagt er.

Auch mit dem Impfstoff von Novavax sollen mobile Impfteams die Pflegeheime anfahren. Das Landratsamt befindet sich nach eigenen Angaben deshalb aktuell im Kontakt mit den Heimen des Landkreises. Dass etwa die Hälfte der Impfdosen an Beschäftigte im Gesundheitswesen verimpft werden soll, hält Stefan Ebert für richtig. Allerdings: „Ich denke, man wird schnell merken, dass die Nachfrage nach dem Novavax-Impfstoff bei den Mitarbeitenden nicht explodiert und dieser auch anderweitig verwendet werden kann.“

Heimleiter Bernhard Wandel plädiert für allgemeine Impfpflicht

Auch Bernhard Wandel hält diese Vorgehensweise für richtig, denn jede Impfung sei wichtig für die Pflege. Er plädiert jedoch für eine allgemeine Impfpflicht. Eine solche sei gerade für das Pflegepersonal wichtig, sagt er. „Diese Berufsgruppe trägt nicht nur in der Pandemie eine wesentliche Last der Gesellschaft. Es soll nicht sein, dass nur sie den Schutz vulnerabler Menschen sicherstellen müssen, dazu sind wir alle zu beteiligen.“