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Landgericht

Prozess um den Raub 2009: Wo sind die 120 Kilogramm Gold?

Seit Freitag muss sich ein siebter Mann für seine Beteiligung an dem spektakulären Goldraub vor über elf Jahren in Ludwigsburg verantworten. Auf der Anklagebank beteuert er allerdings seine Unschuld.

Das Türschild der Ermittlungsgruppe Gold. (Archivbild)
Das Türschild der Ermittlungsgruppe Gold. (Archivbild) Foto: LKZ

Giwar Hajabi, der als Rapper „Xatar“ die Musikszene aufmischt, hat knapp fünf Jahre Haft von seiner achtjährigen Strafe verbüßt. Seitdem ist er wieder groß im Geschäft, als Musikproduzent und Rapper. Zusammen mit mehreren Komplizen, die ebenfalls wieder frei sind, hatte er im Dezember 2009 auf der A81 einen Goldtransporter überfallen und Beute im Wert von 1,7 Millionen Euro gemacht. Nunmehr nach elf Jahren sitzt seit gestern ein mutmaßlich letztes Mitglied dieser Räuberbande in Stuttgart auf der Anklagebank.

Die Stuttgarter Staatsanwaltschaft hatte schon damals gegen den jetzt 36-jährigen Inhaber eines Bonner Speditionsunternehmens ermittelt, ihm aber letztlich keine Tatverbindung nachweisen können. Das Verfahren wurde eingestellt. Jetzt aber hat die Staatsanwaltschaft diese Einstellung zurückgenommen und den Mann doch noch wegen Mittäterschaft an dem Überfall vor das Landgericht gebracht.

Der Vorwurf gegen ihn: Er soll damals bei der Tatplanung eingebunden gewesen sein. Und er habe auch eines seiner Fahrzeuge, ein Volkswagen T4 (VW-Bus), zur Verfügung gestellt, mit dem damals der 120 Kilo schwere Behälter mit Zahn- und Altgold umgeladen und dann an einen unbekannten Ort gebracht worden sei. Dass dabei der Fahrer des Goldtransporters leicht verletzt wurde, ginge ebenfalls auf sein Konto, so die Anklage.

Täter schlagen auf Autobahn zu

Das geraubte Gold im Reinwert von genau 1,68 Millionen Euro ist seitdem nie mehr aufgetaucht. Die Vermutung der Ermittler: Die Täter müssen es irgendwo eingeschmolzen und dann zu Bargeld gemacht haben. Auch dabei soll dieser Angeklagte eine Rolle gespielt haben.

Der Fall ging als spektakulärer und nahezu filmreifer Raubüberfall in die Ludwigsburger Polizeistatistik ein: Am 15. Dezember 2009 stoppten mehrere Täter – verkleidet als Steuerbeamte der Polizei und mit einem täuschend echt aussehenden Polizei-BMW mit Blaulicht auf dem Dach – auf der Bundesautobahn A81 zwischen den Anschlussstellen Pleidelsheim und Ludwigsburg-Nord den Mercedes-Transporter eines Nürnberger Großhandelsunternehmens, der im Auftrag verschiedener Geschäfte Altgold und Zahngold zum Einschmelzen nach Pforzheim bringen sollte. Das Fahrzeug wurde von der Autobahn geleitet und dann unter einer Brücke gekapert. Die Insassen wurden gefesselt und geknebelt.

Der jetzt Angeklagte, der sich, da er einen festen Wohnsitz hat, auf freiem Fuß befindet, lässt durch seinen Verteidiger seine Unschuld verkünden. Er habe ein Alibi, von dessen Glaubwürdigkeit die Polizei allerdings nicht sonderlich überzeugt ist. Wortreich erklärt der Logistik-Geschäftsführer – jedoch zurzeit nur als Berater tätige – dem Gericht, dass eine Gegenüberstellung und auch eine neue Überprüfung der Fahrzeugdaten seine Unschuld bestätigen werden.

Allerdings hat der Mann seinen Bus im Februar 2010 verkauft. An wen, das weiß er nicht mehr, das sei unter der Hand geschehen. Er habe keine Namen mehr. Und er nennt gleich vier Namen aus dem Bonner Raum, die einen solchen VW-Bus hatten, in gleicher Farbe: rot, mit Vorhängen. Ein solches Fahrzeug hat Staatsanwalt Thomas Schek als Foto zum mutmaßlichen Tatfahrzeug in den Akten.

Muss Xatar als Zeuge aussagen?

Als Zeugen sind für die kommenden Sitzungen auch Rapper „Xatar“ und seine damaligen Tat-Komplizen geladen. Ob sie aussagen, ist offen, denn es könnte ja sein, dass der eine oder andere ein Aussageverweigerungsrecht habe. Man werde darüber noch beraten, sagt die Kammervorsitzende. Jener Zeuge, der damals den Räubern angeblich den Tipp zur zu erwartenden Beute gab, ein Nürnberger Uhrenhändler, habe bereits mitgeteilt, dass er nicht kommen werde. Der 200-Kilo-Mann war anfangs wegen Mittäterschaft im Fokus. Doch wegen schwerer Krankheit blieb er vom Prozess verschont.

Im Sommer soll das Urteil fallen.

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