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Erstwohnsitzkampagne

Rabattkarte für Studenten steht vor dem Aus

Die Kampagne Heimvorteil sollte Studenten dazu bringen, ihren Erstwohnsitz in Ludwigsburg anzumelden – Sie ist damit aber gescheitert

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Ludwigsburg. Mit Rabatten in Restaurants, im Einzelhandel und bei Veranstaltungen wollte die Stadt Studenten animieren, in Ludwigsburg ihren Erstwohnsitz anzumelden – alles gebündelt in der Heimvorteilskarte. Nahezu 500 000 Euro Mehreinnahmen sollte die Kampagne bringen. Denn für jeden Bürger erhält die Stadt pro Jahr ungefähr 1000 Euro. Doch für die Studenten waren die Anreize kaum Grund sich umzumelden. Was bleibt, sind Kampagnenkosten von über 300 000 Euro.

Kritik an der Heimvorteilskarte gab es schon länger: sie sei zu teuer und erfülle ihren Zweck nicht. Jetzt steht die Kampagne vor dem Aus. Die Stadtverwaltung möchte das Projekt beenden und mit einem anderen Konzept den Neustart erproben.

Bereits im vergangenen Jahr wollte die Stadt sie Attraktivität der Vorteilskarte für Studenten erhöhen. Dafür wurden die Mitarbeiter des Bürgerbüros geschult, die Online-Bestellfunktion vereinfacht und die Karte direkt bei Ummeldung ausgegeben, anstatt sie wie zuvor per Post nachzusenden. Der Umbau scheint gefruchtet zu haben. Im Zeitraum von September 2016 bis Mai 2017 sind 299 Vorteilskarten ausgegeben worden. Das sind immerhin 89 Karten mehr als im selben Zeitraum in den Jahren zuvor. Die Maßnahmen hätten zum Erfolg geführt, erklärt Jürgen Schindler, Leiter der Bürgerdienste der Stadt Ludwigsburg. „Es hat uns bestärkt, genau zu schauen, wie wir auf die Studenten zugehen können.“

Schindler geht davon aus, dass sich die Kampagne finanziell selbst trägt. Doch überprüfen lässt sich das kaum. Denn wie viele Studenten ihren Hauptwohnsitz in Ludwigsburg haben, sei nicht bekannt, teilte die Stadtverwaltung mit. Bei den Meldedaten werde nicht abgefragt, ob es sich um Studenten, Arbeiter, Beamte oder zum Beispiel Rentner handle.

Insgesamt waren 9657 Studenten zum Sommersemester an Ludwigsburger Hochschulen eingeschrieben. Als Anhaltspunkt über deren Hauptwohnsitz dient allein die Vorteilskarte. Von bisher 1580 ausgegebenen Karten sind derzeit 561 aktiv – Die Rabattkarte ist auf zwei Jahre befristet. Das heißt jedoch nicht, dass sich die Studenten auch tatsächlich wegen der Kampagne umgemeldet haben. Von den 299 Studenten, die zwischen September 2016 und Mai 2017 ihre Karte beantragten, gaben nur 20 an, sich aufgrund der Vorteilskarte für einen Hauptwohnsitz in Ludwigsburg entschieden zu haben. Damit bleibt der Effekt der Kampagne trotz gestiegener Zahlen hinter den Erwartungen zurück.

Das Fazit in der Beschlussvorlage der Bürgerdienste für den heutigen Ausschuss für Bildung, Sport uns Soziales über die Heimvorteilskarte weist auf ein weiteres Problem hin, das sich nicht allein durch Lockangebote lösen lässt: den engen Wohnungsmarkt. So heißt es dort: „Die gewährten Vorteile scheinen keinen ausreichenden Anreiz zu bilden, um eine bedeutende größere Zahl an Studierenden von einer Hauptwohnsitzanmeldung in Ludwigsburg zu überzeugen.“ Auch das geringe Wohnungsangebot, hohe Mieten und die Lage der Hochschule tragen dazu bei. Dies lasse sich durch die Kampagne Heimvorteil nicht kompensieren. „Wohnungsknappheit spielt eine Rolle“, bestätigt Schindler. Aber wesentlich sei auch, die Stadt bei den Studenten zu bewerben, sie attraktiver zu machen, auch, falls sie später einmal hier arbeiten sollten. Eine Wiederauflage sei nicht geplant, weil die Kampagne nicht funktioniere, betont Schindler. Es ginge vielmehr darum, das Konzept noch einmal komplett zu überarbeiten und auf den bestehenden Strukturen aufzubauen.

Auch Tobias Bergmann von der Kommunikationsagentur Amaretis, die für die Kampagne verantwortlich ist, sieht das Hauptproblem in Ludwigsburg in der Wohnungsknappheit. „Das ist Dreh- und Angelpunkt für eine erfolgreiche Kampagne“, sagt er. Dennoch sieht er die Heimvorteilskampagne nach den Anpassungen auf einem guten Weg. Bergmann stimmt aber zu, dass die Kampagne nicht so gut lief, wie er es erhofft hatte.

Geht es nach den Wünschen der Stadtverwaltung, soll die Erstwohnsitzkampagne Heimvorteil ab 2018 nicht mehr fortgesetzt werden. Bis zum Oktober dieses Jahres soll dann ein neues Konzept für eine dauerhafte Kampagne entwickelt und dem Aussschuss vorgelegt werden. „Es sei Zeit, die Kampagne neu zu erarbeiten“, sagt Schindler. Er hofft darauf, etwas Neues entwickeln zu können.