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Motorsport

Rennwagen der Marke Eigenbau

Der Markgröninger Nikolas Bihr schraubt an Formel-1-Wagen der Studentenklasse – 21-Jähriger ist Teamleiter Motor am KIT

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Nikolas Bihr und der Formel-1-Wagen der Studentenklasse, den er mit konstruiert hat und für den Motor sowie die Antriebssteuerung zuständig ist. Der Flitzer ist unter anderem in Hockenheim und Barcelona am Start. Foto: Volker Knopf

Ludwigsburg. Seit gut zehn Jahren gibt es die „Formula Student“ – den internationalen Konstruktionswettbewerb für Studenten, die einen Rennwagen selbstständig konstruieren, um ihn anschließend auf Rennstrecken am Hockenheimring, im österreichischen Spielberg, in Barcelona oder in Budapest in Konkurrenz mit 100 Hochschulen weltweit auf die Reise zu schicken.

Mit dabei im Team des „Karlsruhe Institut of Technology“ (KIT) ist Nikolas Bihr aus Markgröningen. Der 21-Jährige studiert an der Universität in der Fächerstadt im sechsten Semester Maschinenbau. Der junge Mann aus dem Landkreis Ludwigsburg ist als Teamleiter „Motor“ von „KA-Racing“ für die Antriebssteuerung und den Verbrennermotor zuständig. „Mir macht die Arbeit hier riesig Spaß. Es ist toll, in einem Team gemeinsam etwas zu realisieren und auszutüfteln. Hier lernt man unglaublich viel.“

Motorsportbegeistert sei er schon als kleines Kind gewesen. „Aber mich interessieren weniger die Menschen im Formel-1-Zirkus, sondern eher das Durchhaltevermögen von Maschine und Material. Das 24-Stunden-Rennen von Le Mans finde ich beispielsweise klasse“, sagt der Twen, der sein Abi am Technischen Gymnasium der Carl-Schaefer-Schule in Ludwigsburg gebastelt hat, während er an dem futuristisch aussehenden Vehikel schraubt.

In drei Disziplinen ist das rund 80-köpfige Team des KIT zu Gange. Es wird ein Bolide als Elektrofahrzeug konzipiert, einer als selbst fahrendes Vehikel (driverless) und einer mit klassischem Verbrennermotor. Letzteres ist das Metier von Nikolas Bihr. Auch Design, Kostenplanung, Ausdauer, Beschleunigung, Innovation, Verbrauch oder Effizienz kommen in die Endwertung bei der Formel 1 der Studentenklasse.

Die Ingenieure in spe aus Karlsruhe sind regelmäßig top. Beim Elektrofahrzeug sind sie die Nummer eins der Weltrangliste, beim Verbrennermotor holten sie vergangene Saison auf der Rennstrecke von Silverstone in England den zweiten Platz. Der junge Markgröninger möchte bei allen Rennen der aktuellen Saison vor Ort sein. „Schließlich will ich sehen, wie sich das Fahrzeug, das ich mitentwickelt habe, schlägt“, sagt der Schwabe, der sich besonders auf das Heimspiel in Hockenheim freut.

Das KIT als Studienort hat er ganz bewusst gewählt. Schließlich zählt die älteste TH Deutschlands zu den besten Unis in Sachen Maschinenbau der Republik. „Außerdem ist es ja nicht weit weg von Markgröningen. Wenn es die Zeit erlaubt, bin ich am Wochenende auch mal bei der Familie.“

Aber die Zeit ist derzeit eher Mangelware. Die Tätigkeit im Fahrerlager ist fast schon ein Full-Time-Job – ehrenamtlich, versteht sich. Da müssen auch die einstigen Hobbies wie Tennis beim Turnverein in Markgröningen zurückstehen, wo er früher aktiv war. „Ich arbeite jetzt in der heißen Phase quasi rund um die Uhr. Das ist aber eindeutig eine Investition in die Zukunft. So einen Praxisbezug bekomme ich nie wieder. Man bekommt unheimlich viel Verantwortung“, betont er.

Seinen Job im Team beschreibt Bihr als zu einer Hälfte entwickeln und am Rechner arbeiten und zur anderen Hälfte schrauben und sich die Finger schmutzig machen. „Unsere Aufgabe ist es, aus dem Motor die maximale Leistung herauszuholen.“ In das Projekt steckt der Maschinenbauer in spe jede Menge Herzblut. Am Ende will er mit seinem Team natürlich gut abschneiden. Schließlich haben die Konstrukteure des KIT einen guten Ruf zu verteidigen. „Man steckt da sehr viel Energie rein. Aber es macht Spaß, sonst würde man neben dem Studium nicht so viel Zeit investieren.“

Aber jetzt steht erst einmal der Start in die Formula-Student-Saison für die Tüftler des KIT an. Ende Juli geht es auf der Rennstrecke in Ungarn los. Und nach dem Studium – sein Traumjob? Natürlich in der Automobilbranche. „Im Bereich Entwicklung zu arbeiten wäre schon toll“, betont der Student aus dem Landkreis Ludwigsburg.