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Bildungszentrum West

Schadstoffe im Bildungszentrum-West: 17 Räume noch belastet

Die Stadt hat erneut die Schadstoffbelastung im Bildungszentrum West messen lassen. Das Ergebnis ist überraschend: Die Werte haben sich verschlechtert, wie gestern auf einer Pressekonferenz dargelegt wurde. Jetzt soll mit nächtlichem Lüften, mobilen Luftreinigern und Putzdienst nachgebessert werden.

Im Bildungszentrum West sind im Sommer höhere Werte gemessen worden als noch 2015. Foto: Holm Wolschendorf
Im Bildungszentrum West sind im Sommer höhere Werte gemessen worden als noch 2015. Foto: Holm Wolschendorf

Ludwigsburg. „Wir haben die Hoffnung, dass sich das Ganze beruhigt.“ Rektor Mathias Hilbert sagt das, obgleich die neuerlichen Schadstoffmessungen im Sommer dieses Jahr an den Schulen im Bildungszentrum West schlechtere Werte als noch 2015 ergeben haben. „Es ist jetzt die maximale Sicherheit“, bewertet er die Maßnahmen, die die Stadt in Abstimmung mit dem Gesundheitsamt vornimmt. Dieses erklärte wie schon in früheren Jahren, dass eine gesundheitliche Schädigung nicht zu befürchten sei. Die Werte lägen im Vorsorgebereich, so Dr.Karlin Stark vom Gesundheitsamt.

Seit vielen Jahren ist bekannt, dass die Schulen in Ludwigsburgs Westen mit PCB und Formaldehyd belastet sind – was vor allem wegen Formaldehyd gesundheitliche Auswirkungen wie Reizhusten, trockene Augen, Hautreizungen nach sich ziehen kann. Beide Schadstoffe stehen im Verdacht, in hohen Dosen krebserregend zu sein – Werte, von denen die Schulen allerdings weit entfernt sind. Es wurde mit Lüftungsanlagen nachgebessert, im Otto-Hahn-Gymnasium und der Daimler-Realschule wird fleißig über die Fenster gelüftet, in der Osterholzschule wurden Räume saniert. Die Stadt wähnte sich auf der sicheren Seite, doch das Wetter machte einen Strich durch die Rechnung.

Wie der Gutachter Andreas Hummel von Müller-BBM (Reutlingen) darlegte, kann die Luftfeuchtigkeit erheblichen Einfluss auf die Schadstoffwerte haben. Diese war im August, der wenige heiße Tage hatte, relativ hoch. So lag in einigen Räumen die Belastung mit Formaldehyd über dem Richtwert von 0,1 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft, einmal wurde 0,15 als höchster Wert gemessen. Formaldehyd findet sich vor allem in Akustikdecken und in den Holzständerwänden.

Beim PCB, das bei Bauten aus den 1970er Jahren als Fugenmasse oder für Anstriche Verwendung fand, ist man zwar rechtlich auf der sicheren Seite, weil der Grenzwert von 300 Nanogramm in keinem Schulraum überschritten wird. Allerdings ist dies ein Jahresmittelwert, der unbeachtet lässt, dass im Sommer die Schadstoffbelastung deutlich ansteigt.

Probleme in den Fachräumenbeider Schulen

Das Gutachter-Büro hat alle Räume in Kategorien eingeteilt, es hält 90 Schulräume von OHG, Realschule und Osterholzschule für unbedenklich, wenn entsprechend gelüftet wird. Weniger gut kommen die Fachräume beider Schulen im Erdgeschoss weg. 17 Räume werden als problematisch eingestuft, darunter die naturwissenschaftlichen Dunkelräume und die Werk- und PC-Räume in der Realschule.

Für die Erste Bürgermeisterin Renate Schmetz ist dies Anlass dafür, dass weitere Maßnahmen ergriffen werden. Darüber wurden am Dienstag auch die Eltern informiert. Schließlich dauert es noch Jahre, bis das Bildungszentrum West – so wie es der Gemeinderat beschlossen hat – neu gebaut ist. Seit 2015 in der Diskussion, soll 2025 mit dem ersten Bauabschnitt begonnen werden. Bis 2030 sollen die neuen Schulbauten stehen.

Weil im Winter die Werte eingehalten werden können, teils sogar ohne die regelmäßige Fensterlüftung, die schon seit Jahren gilt, soll vor allem für die Sommermonate vorgesorgt werden. Um bessere Luftwerte in den Problemräumen hinzubekommen, sollen die Lüftungsanlagen verbessert werden. Auch sollen die Anlagen, so Matthias Weißer vom Fachbereich Hochbau der Stadt, auch über Nacht durchlaufen, um bereits morgens gute Werte zu haben. Weiter soll die Querlüftung verbessert werden, indem im Flurbereich zum Innenhof hin Gittertüren eingebaut werden. Die bestehenden Türen können geöffnet werden, ohne dass Schüler ins Freie oder zu den Lehrerzimmern gelangen können. Weil sich PCB im Staub festsetzt, wird auch der Putz-Zyklus in den Schulen erhöht. Auch der Sonnenschutz soll optimiert werden, weil sich in aufgeheizten Räumen auch mehr Schadstoffe freisetzen.

Eingesetzt werden zudem mobile Luftreiniger, wie es sie im Pavillon der Osterholzschule gibt. Der einst stark belastete Pavillon, betonte Schmetz, ist saniert und mit Luftreinigern ausgestattet worden, so dass er als nicht belastet gilt.

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