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Pfarrstellenplan

„Schafft sich die Kirche gerade ab?“

Gehen im Höpfigheimer Pfarrhaus demnächst die Lichter aus? Das könnte passieren, wenn der Vorschlag zum Pfarrstellenplan bei der Bezirkssynode des Evangelischen Kirchenbezirks Marbach angenommen werden sollte.

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Reiner Knödler, Vorsitzender der Bezirkssynode (links), stellt den Pfarrplan vor. Foto: Oliver Bürkle

Ludwigsburg. Auch am Kirchenbezirk Marbach geht der landesweite Trend nicht vorüber: Die Zahlen an Gemeindegliedern sinken stetig. Die evangelische Kirche schrumpft kontinuierlich. Jedes Jahr um rund 1,5 Prozent. Aktuell wurden 38 292 gezählt. 2014 waren es noch 40 656. Die Realität ist damit noch dramatischer als die Prognose. Damals wurde nämlich für 2018 mit 38 763 Mitgliedern gerechnet.

Deshalb und weil außerdem eine Pfarrer-Ruhestandswelle auf die Gemeinden zurollt, verlangt die evangelische Landeskirche, weitere Stellen zu streichen. Dreieinviertel Posten sind es im Kirchenbezirk Marbach. Dem stehen damit noch 19,5 hauptamtliche Seelsorger für 19 Gemeinden zur Verfügung. Dekan und PDA, also seine Aushilfe, inklusive. Wo sie sparen sollen, überlässt der Oberkirchenrat in Stuttgart den Bezirken und Gemeinden selbst. Was den Synodalen am Freitagabend im Haus der Begegnung in schwüler Hitze zur Diskussion vorgelegt wurde, gleicht einem Rangierbahnhof.

Der Dekan und seine Aushilfe werden für die Arbeit in der Kirchengemeinde Marbach mit zusammen 50 Prozent veranschlagt. Marbach verliert seine dritte Pfarrstelle im Osten, damit die in Rielingshausen erhalten bleibt. Der dort dann vorhandene „Überschuss“ fließt zu einem Drittel nach Marbach zurück. „Wie dieser Anteil erbracht werden soll, ist noch zu klären“, so Dekan Dr. Heinz-Werner Neudorfer. In den vier Kirchengemeinden im Distrikt Süd bleiben die 100 Prozent-Stellen erhalten, allerdings – außer bei Benningen – auch mit „Bringschuld“ von je 15 Prozent in Marbach.

Im Distrikt Nord haben sich schon länger Partnerschaften gefunden, die sich wie Großbottwar und Winzerhausen zusammengeschlossen haben oder die sich noch in Gesprächen über eine künftige Form der Kooperation befinden. So sei für Abstatt und Auenstein jeweils eine 75 Prozent-Stelle vorgesehen, wobei von Auenstein 15 Prozent in Beilstein einzubringen sind. Die drei Kirchengemeinden Oberstenfeld, Gronau und Prevorst seien in Gesprächen über eine Fusion. Hier könnte auch die Krankenhausseelsorge angedockt werden.

Auch im Distrikt Mitte gebe es bereits Bewegungen, so Neudorfer. Nachdem sich die Kombination „Höpfigheim und Kleinbottwar“ als nicht zukunftsfähig erwiesen habe, seien neue Partner für die beiden kleinen Kirchengemeinden gesucht worden. Aber auch die nahe liegende Lösung, sie auf dem Gebiet der Kommune Steinheim zusammen zu führen, habe keinen Erfolg gebracht. Kleinbottwar habe sich für Steinheim entschieden. Höpfigheim könnte nun mit Mundelsheim und Pleidelsheim fusioniert werden. Dann verlöre Höpfigheim seine eigenständige Pfarrstelle.

„Noch ist nichts entschieden“, betonte Neudorfer und gab das Zahlenwerk zur Diskussion in die Gemeinden weiter. Das Bessere sei des Guten Feind, zeigt er sich offen für Gegenvorschläge. Der Pfarrplan 2024 an sich – er soll am 16. März 2018 verabschiedet werden – ist in seinen Augen unstreitbar. Es herrsche in wenigen Jahren Pfarrermangel, der vom Nachwuchs nicht aufgefangen werden könne. Außerdem müsse ein Finanzpolster geschaffen werden, um auch für magere Jahre gerüstet zu sein.

„Der Pfarrplan gehört wirklich nicht zu meinen Lieblingsthemen“, merkte der Vorsitzende der Bezirkssynode Reiner Knödler an. Im Gegenteil, die Liebe zu seiner Kirche werde dadurch auf eine ernste Probe gestellt. „Ich habe das Gefühl, die Kirche ist gerade dabei, sich abzuschaffen.“ Er bekomme einfach keine Antworten von den Verantwortlichen zu diesem radikalen Vorgehen an der Basis. „Wurden überhaupt Alternativen geprüft?“, fragt er sich. Wird auch die Kirchenleitung zu Einsparungen von bis zu 40 Prozent gezwungen? Sein Vorschlag: Neue Pfarrer nicht mehr als Beamte anzustellen und es den einzelnen Kirchengemeinden zu erlauben, sich an den Personalkosten von Hauptamtlichen zu beteiligen.

So wie das gerade mit festangestellten und über einen Fonds finanzierten Jugendreferenten entwickelt werde. Angesichts der guten Finanzlage der Landeskirche, sei diese Personalpolitik nicht nachzuvollziehen. Bei nur einer Gegenstimme beantragten die Synodalen nach lebhafter Diskussion eine Resolution an die Kirchenleitung zu formulieren, die genau auf diese offenen Fragen abzielen. Man sei es den vielen Ehrenamtlichen und treuen Gemeindegliedern schuldig, den Pfarrstellenplan nicht einfach widerspruchslos hinzunehmen.