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Tanz

Scheinbar schwerelos

Bei der „Hip-Hop-Streetdance-Show“ tummeln sich über 150 B-Boys und -Girls in der Karlskaserne

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Das Foto zeigt den Auftritt von Kursleiterin Maria Rizov und ihren Schülerinnen bei der „Hip Hop Streetdance Show“ in der Reithalle des Kunstzentrums Karlskaserne.Foto: Oliver Bürkle

Ludwigsburg. Das Kunstzentrum Karlskaserne hat sich in den vergangenen Jahren auch zu einem Zentrum der regionalen Hip-Hop-Kultur entwickelt. Die regelmäßigen „Meet-Hip-Hop“-Veranstaltungen etwa bieten ein regelmäßiges Forum für junge Rapper, DJs und Künstler. Zudem hat die Kunstschule Labyrinth diverse Jahreskurse im Programm, bei denen erfahrene Dozenten junge Leute in die Hip-Hop-Tanzkunst einführen.

Amir El-Kourdi etwa ist nicht nur Sportpädagoge, sondern hat mehrfach die deutschen Meisterschaften im Breakdance gewonnen und sich immer wieder auf internationaler Ebene mit Kollegen gemessen. Auch Ajhan Rizov war bereits Deutscher Meister und tourte jahrelang mit Künstlern wie den Massiven Tönen, Freundeskreis oder Punjabi MC durch Europa.

Einmal im Jahr stellen die Dozenten und ihre Schützlinge bei einer sogenannten „Hip- Hop-Streetdance-Show“ auf großer Bühne vor, welche Fähigkeiten sie sich bei den Jahreskursen angeeignet haben. Es gehört seit jeher zum Konzept der Kunstschule Labyrinth, jungen Talenten Auftritte zu ermöglichen, betont Kunstschulleiter Jochen Raithel. „Die ,Hip-Hop-Streetdance-Show‘ ist eine gute Möglichkeit, sich in der Öffentlichkeit zu präsentieren.“

Bei der jüngsten Auflage am Sonntagnachmittag war die Reithalle des Kunstzentrums Karlskaserne gut besucht. Auf der Bühne wurde es durchaus eng, immerhin mischten bei der „Hip-Hop-Streetdance-Show“ rund 160 Teilnehmer der Jahreskurse von Amir El-Kourdi, Marvin Klostermann, Maria Rizov und Karoline Liermann mit.

Dabei wurde schnell deutlich, wie überaus breitgefächert das Spektrum an unterschiedlichen Hip-Hop-Tanzstilen ist. Breakdance, Ragga, Locking, Popping: All diese Hip-Hop- und artverwandten Stile, deren Namen Nichteingeweihte in der Regel wohl nur wenig sagen, werden an der Kunstschule Labyrinth unterrichtet.

Die Kursleiter hatten mit ihren Truppen verschiedene Choreographien mit jeweils eigenem Charakter einstudiert, in denen die Vielfalt der unterschiedlichen Tanzstile zum Ausdruck kam. Alleine am Auftritt der Tanzklasse von Maria Rizov beteiligten sich mehr als 60 junge Tänzerinnen. Entsprechend groß war das Gewusel auf der Bühne, auf der ein reges Kommen und Gehen herrschte. Immer wieder bildeten bis zu einem Dutzend Tänzerinnen Figuren und Formationen, räumten die Fläche für ihre Nachfolgerinnen und bereiteten sich im „Off“ schon wieder auf ihren nächsten Einsatz vor. So ergab sich für den Zuschauer eine Art überlebensgroßes Puzzlespiel, das nicht zuletzt durch die wirkungsvoll in das große Ganze einbezogenen Schattenspiele von Choreographin Rizov kurzweilig geriet.

Hip-Hop-Tanz kann nur durch das Zusammenwirken eines Teams funktionieren. Dennoch wird den einzelnen Bestandteilen dieses Teams höchster Einsatz, Disziplin und Körperbeherrschung abverlangt. Sonst sind die anspruchsvollen Bewegungen – etwa das Verharren in einer bestimmten Position („Freeze“) oder Tanzschritte am Boden („Downrocking“) gar nicht zu schaffen.

Wie viel Akrobatik im Breakdance steckt, zeigte sich etwa bei dem Auftritt von Amir El-Kourdis B-Boys: Die jungen Männer schwebten scheinbar schwerelos über die Bühne der Reithalle und zeigten „Moves“, die Ungeübten schon beim Zuschauen die Schweißperlen auf die Stirn getrieben haben dürften.