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Konzerte
Schloss rückt in den Fokus

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Festspiele, KSK Music Open und Electrique Baroque machen ab Ende Juli den Hof zur Bühne

Ludwigsburg. Das Residenzschloss als Marke ist sicherlich keine so ganz neue Erfindung, auch wenn die Macher der Festspiele, der KSK Music Open und des Festivals Electrique Baroque bei der Pressekonferenz kürzlich im Neuen Hauptbau des Schlosses fast ein wenig den Eindruck erwecken wollten. Allerdings dürfte künftig die Verzahnung mit den Konzertveranstaltern noch verstärkt werden. Möglichst viele Kooperationen sollen die berühmten Synergien wecken, der Ehrenhof des Schlosses in der Open-Air-Saison ein regionaler Dreh- und Angelpunkt werden, so dass möglichst auch der Hausherr etwas davon hat, den schließlich latente Nachwuchssorgen plagen. „Wir haben hier im Schloss bereits ein differenziertes Programm“, sagt Schlossverwalter Stephan Hurst. „Aber wir erreichen damit leider nicht alle.“ Gezielt wolle die Schlossverwaltung über Kooperationen einen „Erstkontakt“ mit neuen, also jüngeren, Besuchergruppen herstellen, die dann etwa über Sonderermäßigungen vielleicht auch mal eine Führung in den altehrwürdigen Räumlichkeiten machten. Schlossverwalter Hurst stellt also seine gute Stube zur Verfügung und hofft auf neue Besucher, während sich die Kulturschaffenden in der architektonischen Pracht des 18. Jahrhunderts sonnen. „Wir brauchen Veranstaltungen dieser Qualität, mit überregionaler Strahlkraft.“

Während in vielen Spielstätten der Region schon das Sommerloch gähnt, steht die diesjährige Open-Air-Saison vor der Tür. Tatsächlich werden im Ehrenhof durchaus illustre Gäste erwartet. Die KSK Music Open bieten vom 27. Juli bis 4. August an sechs Abenden Konzerte von bundesweiter bis internationaler Relevanz. Rund 30 000 Tickets seien für die Konzerte bereits verkauft, sagt der Geschäftsführer von Eventstifter, Michael Scholz, für Joan Baez am 31. Juli sind schon länger keine mehr erhältlich. Anders sieht es für die Scorpions (27. Juli), Dieter Thomas Kuhn (28. Juli), James Blunt (29. Juli) und Freundeskreis (4. August) aus.

Thomas Wördehoff, Intendant der Schlossfestspiele, stimmt immer gerne ein ins Loblied der Kooperationen, erst recht wenn es um den eigenen Markenkern geht. „Wir sind ja nicht die B 27-Festspiele“, sagt er. Der Name bedeute Stolz und Verpflichtung zugleich. Also warum nicht zu den KSK Music Open im Schlosshof etwas beisteuern? Ergebnis dieser Dreieckskooperation ist die „Sommernacht der Opernstars“ am Mittwoch, 1. August, um 20 Uhr mit Aida Garifullina und Vittorio Grigolo, die die schönsten Arien von Verdi, Puccini und Rossini zu Gehör bringen werden. Erstere sang kürzlich bei der Eröffnungsgala der Fußballweltmeisterschaft in ihrem Heimatland Russland an der Seite von Robbie Williams. Garifullina und Grigolo würden weltweit in ausverkauften Häusern gastieren, betont Wördehoff. Bemerkenswert sei bei beiden, dass sie nicht allein auf die Oper fokussiert seien, sondern „mit offenen Augen und Ohren durch die Welt“ gingen, also generell auch für Populäres und Crossover zu haben seien. Sprich: Angestaubt war gestern – Schlossfestspiele hin oder her. Frauenpower auch am Pult: Das Festspielorchester wird an diesem Abend dirigiert von der Wuppertaler Generalmusikdirektorin Julia Jones, die Garifullina als Ensemblemitglied der Wiener Staatsoper von diversen Gastdirigaten der Britin gut kennen dürfte.

Das eintägige Elektrofestival Electrique Baroque wartet dann gewissermaßen zum Saisonabschluss am Samstag, 1. September, von 12 bis 23 Uhr einmal mehr mit anerkannten Größen der Szene auf. Dazu wird es wieder eine ausgefeilte Laser- und Lichtshow geben, die im Zusammenspiel mit den barocken Fassaden spannende optische Kontraste entstehen lässt. Es legen unter anderem die Techno-DJane Monika Kruse, das Kollektiv Moonbootika und Extrawelt auf.

Bis zu 10 000 Zuschauer fasst der Schlosshof, bestuhlt sind es 4600. Das ist zwar eine Hausnummer, dennoch stößt man damit schnell an Grenzen. Mit dem Management von Helene Fischer habe es schon mal Kontakt gegeben, erzählt Michael Scholz. Die Örtlichkeit sei toll, hieß es damals. Falls die Schlagersängerin mal ein Konzert in intimer Atmosphäre spielen wolle, ließ man verlauten, sei Ludwigsburg erste Wahl. Will heißen: nett hier – aber viel zu klein. Königlich behandelt zu werden, sagt Scholz augenzwinkernd, sei eben manchmal nicht genug.