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Projekt

Schüler schreiben Geschichte

Bei der Renovierung des GoetheGymnasiums ist ein alter Holzschrank voller historischer Schulakten aufgetaucht. In einem Projekt mit dem Stadtarchiv erforschen Schüler nun deren Inhalt. Von alten Abschlussprüfungen über Krankmeldungen und Rechnungen ist schon so einiges aufgetaucht.

Jede einzelne Akte wird sorgfältig bearbeitet: Die Schüler des Goethe-Gymnasiums im Arbeitsraum des Stadtarchivs. Im Hintergrund rechts Stadtarchivar Simon Karzel und Geschichtslehrer Uwe Jansen.Fotos: Holm Wolschendorf
Jede einzelne Akte wird sorgfältig bearbeitet: Die Schüler des Goethe-Gymnasiums im Arbeitsraum des Stadtarchivs. Im Hintergrund rechts Stadtarchivar Simon Karzel und Geschichtslehrer Uwe Jansen. Foto: Holm Wolschendorf
Jede einzelne Akte wird gesichtet.
Jede einzelne Akte wird gesichtet.

„Es ist überraschend, wie viele bekannte Namen aus Ludwigsburg man in den Akten findet“, sagt Amelie Kokot. Die 17-jährige Schülerin des Goethe-Gymnasiums ist Teil der AG des Geschichtslehrers Uwe Jansen und hat mit ihren Mitstreitern ein ganz besonderes Ziel: Die Schüler wollen den Inhalt eines geheimnisvollen Schranks erforschen.

Dieser war bei der unlängst erfolgten Sanierung des Goethe-Gymnasiums auf dem Dachboden der Schule aufgetaucht. Sein Inhalt waren Hunderte Schulakten aus den Jahren 1880 bis 1950.

Auch wenn bislang keine riesigen Sensationen zum Vorschein gekommen sind, für die Schüler ist das Projekt nach eigener Auskunft sehr spannend. „Wir sind schon auf Abschlussprüfungen, Einladungen zu Sommerfesten, Rechnungen und Krankmeldungen gestoßen“, erzählt Amelie Kokot. In Dreiergruppen gehen die Schüler alle Akten durch, machen sich Notizen über den Inhalt und tragen die Informationen dann in ein Onlineverzeichnis ein, erklärt der 17-jährige Schüler Eric Reischl.

„Für uns war schnell klar, dass die Akten viel zu wertvoll sind, um sie wegzuwerfen“, sagt Stadtarchivar Simon Karzel. Um die Dokumente im Archiv abzulegen, muss man aber erst einmal herausfinden, was darin zu finden ist. Für diese Aufgabe kommen die Schüler jetzt alle zwei Wochen zu ihm ins Stadtarchiv.

Lehrer Uwe Jansen ist von der Vielseitigkeit der Unterlagen begeistert. Ob Werbung für Kriegsanleihen aus dem Ersten Weltkrieg oder Fragen zur sozialen Versorgung für Schüler, die kein Geld für Lehrmittel hatten, aus dem Material lasse sich viel über den Alltag an einer Schule vor über 100 Jahren ablesen.

Das Goethe-Gymnasium hatte übrigens schon in den 30er Jahren gute Kontakte nach England. „Das hätte ich nicht erwartet“, sagt Stadtarchivar Simon Karzel. Seiner Meinung nach hat dieses Geschichtsprojekt für die Schüler einen ganz besonderen Lerneffekt: „Die Schüler erfahren wie mühsam es ist, geschichtliche Fakten zusammenzutragen und zu bewerten.“ Und sie könnten lernen, wo geschichtliches Wissen entsteht.

Dieses Erfahrung findet auch Uwe Jansen sehr wertvoll: „Sonst findet der Geschichtsunterricht nur mit dem Schulbuch statt.“ Diese Arbeit direkt an den Quellen – seine Schüler mussten dafür sogar die alten Handschriften lernen –, sei eine große Chance für das Fach. Denn die Lehrinhalte werden auf diesem Weg nicht bloß theoretisch wiedergegeben.

Das Lesen der alten Handschriften findet Amelie Kokot allerdings immer noch schwierig. Zumindest manche Unterlagen wurden aber auch früher schon mit der Schreibmaschine geschrieben. Für Geschichte interessiert sich die Schülerin übrigens schon seit Langem.

Der Inhalt des alten Schranks wird das Stadtarchiv und das Goethe-Gymnasium noch eine ganze Weile beschäftigen. Zwar sind gut zwei Drittel des Materials gesichtet, trotzdem wird das Projekt auch im nächsten Jahr weiterlaufen. „Es gibt auch noch weiteres Material an der Schule“, erzählt Geschichtslehrer Jansen. Ob es am Ende eine Art Auswertung geben wird, ist noch offen. Stadtarchivar Karzel könnte sich aber vorstellen, dass die Akten im Rahmen von Seminararbeiten am GoetheGymnasium von Schülern erschlossen werden. Der Schrank, in dem die Unterlagen über Jahrzehnte aufbewahrt waren, soll übrigens restauriert und dauerhaft in der Schule ausgestellt werden. Allerdings nicht mit den Originalakten, sondern mit Fotografien davon.

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