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Klimaschutz

Schüler suchen nach Verbündeten

„Mutige junge Menschen brauchen mutige Vorbilder“ – mit dieser und weiteren Thesen fordert die Protestbewegung Fridays for Future (FFF) mehr Solidarität der Lehrer und Schulleitungen mit den Klimastreiks. Die Schulen halten sich jedoch weiter an rechtliche Vorgaben.

Auch für morgen ist wieder eine Demonstration für mehr Klimaschutz angekündigt. Foto: Holm Wolschendorf
Auch für morgen ist wieder eine Demonstration für mehr Klimaschutz angekündigt. Foto: Holm Wolschendorf

Ludwigsburg. Wenn Mathias Hilbert über die „Fridays for Future“-Bewegung spricht, muss er an ein Lied der Hannoveraner Band Scorpions denken. „Es ist wichtig, dass die Jugendlichen ein ‚Wind of Change‘ sein können“, sagt der Geschäftsführende Schulleiter der Ludwigsburger Gymnasien über die Protestbewegung, die sich mit freitäglichen Schulstreiks für den Klimaschutz einsetzt. Umso näher ging Hilbert daher die Kritik, die die FFF-Bewegung in dieser Woche in einem offenen Brief an die Lehrer und Schulleitungen im Landkreis Ludwigsburg versendet hat. Darin fordern die Organisatoren der Proteste mehr Rückhalt durch die Schulen, beispielsweise durch Exkursionen zu den Freitagsdemonstrationen.

Besonders die Formulierung „ein toter Planet ist eine Bankrotterklärung unseres Bildungssystems“ in dem offenen Brief stört Hilbert. „Den Schuh ziehe ich mir nicht an, da widerspreche ich ganz klar“, sagt er. „Da muss ich viel eher der Politik einen Vorwurf machen. Dort ist in ganz vielen Feldern gnadenlos versagt worden“, so der Schulleiter. Grundsätzlich, das stellt Hilbert klar, ist er auf der Seite der Schüler. „Natürlich finden wir die Initiative gut“, sagt er, stellt aber auch klar, dass er in seiner Rolle als Schulleiter zwischen den Stühlen sitzt. Die Schulstreiks ließen sich nicht mit der Schulberufspflicht vereinbaren, so Hilbert. Doch gerade das fordern nun die „Fridays for Future“-Organisatoren um Markus Moskau. „Ich verstehe, dass er einen begrenzten Handlungsspielraum hat, der als Schulleiter aber trotzdem noch größer ist als der eines Lehrers“, sagt Moskau dazu.

Als Möglichkeit schlägt er vor, die letzten beiden Stunden an Freitagen ausfallen zu lassen oder Klassenarbeiten nicht mehr auf Freitage zu legen. „Ob er das tut, ist ihm überlassen, ich finde es aber schade, dass er es nicht tut – deshalb der offene Brief“, so Moskau, der sogar noch einen Schritt weiter geht. „Durch unser Fernbleiben vollziehen wir einen Regelübertritt. Ohne diesen wäre die Bewegung nicht so groß“, ist sich Moskau sicher.

Dasselbe könnten aus seiner Sicht nun die Lehrer in Kauf nehmen. „Womöglich könnten sie sich da eine Scheibe von abschneiden. Ich weiß von Lehrern, die kollektiv auf Streiks gehen, das hatten wir auch in Ludwigsburg schon“, berichtet Moskau. Anspruch sei es, dass irgendwann Schulleiter und Lehrer mitstreiken würden.

„Ich kann mich nicht über das Gesetz hinwegsetzen“, sagt Hilbert angesprochen auf die Schulpflicht. Er sieht ohnehin das Heft des Handelns in den Händen der Politiker: „Es ist deren Aufgabe, die Protestbewegung ernst zu nehmen und Beschlüsse zu fassen.“ Bis es diese nicht gibt, werden die jungen Demonstranten ohnehin keine Ruhe geben, kündigt Moskau an. „Wir versuchen, die Personengruppen, die teilnehmen, auszuweiten.“

Auch ein Generalstreik am 20. September, wie von der schwedischen Initiatorin der Proteste, Greta Thunberg, gefordert, sei ein Thema. „Das wäre natürlich ein Zeichen des gesamtgesellschaftlichen Willens. Wie sich das umsetzen lässt und wie die rechtliche Lage ist, klären wir gerade“, sagt Moskau.

Zudem werde man auch in den Ferien weiter streiken. „Die Sommerferien und eine mögliche Trägheit, die damit eintreten könnte, kann uns nicht von unserer Maxime, für die wir streiken, abhalten“, so Moskau, der zugleich einräumen muss, dass die Demonstrationen in dieser Zeit ihren Streikcharakter verlieren.

Und auch nach den Sommerferien ist kein Ende der Streiks in Sicht – auch wenn der Vorsitzende der Kultusministerkonferenz, Alexander Lorz (CDU), dafür kein Verständnis hätte. Die Schüler hätten ihr Ziel erreicht, Klimaschutz sei als zentrales Thema in Politik und Medien angekommen. „Jetzt noch weiter der Schule fernzubleiben, bringt nichts“, sagte er in einem Interview mit der Zeit.

„Nur weil die Grünen einen Wahlerfolg erreicht haben, heißt das nicht, dass unser politisches Ziel erreicht ist“, sagt dagegen Moskau, „daher würde ich Herrn Lorz massiv widersprechen.“

Morgen geht es mit der nächsten „Fridays for Future“-Demonstration weiter. Um 12 Uhr starten Moskau und Co. ihren nächsten Protestmarsch am Ludwigsburger Busbahnhof.

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