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UMZUG

Schwitzen, musizieren und königlich winken

Gluthitze trübte die Stimmung beim gestrigen Pferdemarktsonntag nicht. Menschenmassen strömten in die Innenstadt, um den Umzug mit über 60 teilnehmenden Gruppen zu erleben. Schattenplätze waren begehrt und die Sanitäter gerüstet.

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Große Kulisse mit Blaskapelle und Festkutschen.
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Die barocke Gesellschaft fein herausgeputzt und von Garden bewacht.

Ludwigsburg. Im Gegensatz zum vergangenen Jah, als es angesichts von Regenschauern und deutlich kühleren Temperaturen immer wieder besorgte Blicke zum Himmel gab, wurde der Pferdemarktumzug gestern zum hochsommerlichen Ereignis unter strahlend blauem Himmel. Anette Metzger, die das Geschehen am Eingang des Blühenden Barocks an der Schorndorfer Straße kommentierte, riet den Zaungästen im Vorfeld, sich Plätze unter Bäumen zu suchen. Hier herrschte denn auch dichtes Gedränge und jeder noch so kleine Windhauch wurde als wohltuend empfunden.

Besucher des Umzuges sind aber bekanntermaßen hart im Nehmen, denn die Parade durch die Geschichte der Stadt wollten sie sich auch dieses Jahr nicht entgehen lassen. Es gab dabei ein Wiedersehen mit vielen alten Bekannten. Die Römer, die den Wein ins Neckartal brachten, bevor der Stadtgründer Eberhard Ludwig mit noblem Glanz kam. Dazwischen gab es noch Herolde zu Pferde und mittelalterliche Streitrösser. Die riesigen Shire Horses, immerhin die größte Pferderasse der Welt, waren wieder der Hit. Ebenso wie berittene Fanfarenbläser. Der Umzug ließ aber auch die Menschen nicht aus, die für die feine Gesellschaft schuften mussten. Die Frondienstleistenden waren zu Fuß unterwegs, während Mätresse Wilhelmine Grävenitz aus der Kutsche winkte. Die Handwerker bauten die Stadt auf und daran erinnerte der Bürgerverein der Unteren Stadt, dessen Wagen ausgezeichnet wurde. Die barocke Lebensfreude glänzte sprichwörtlich in der Sonne, mit von Musketieren begleiteten Damen in feinen Gewändern, mit Gardesoldaten und Blumenpracht. Der Wagen des Blühenden Barocks war passend zum mediterranen Wetter mit Zitronenbäumchen geschmückt.

Der dicke König Friedrich, der wieder zusammen mit Kaiser Napoleon in der Kutsche saß, konnte einem tatsächlich leid tun. Er trug einen Umhang aus Hermelinfell, damals Zeichen seiner Machtfülle, an diesem heißen Tag sicher eine der schlimmsten Strafen. Die englische Postkutsche stand ebenso für das 19. Jahrhundert wie das Infanterie-Regiment Alt-Württemberg. „Ohne Mampf kein Kampf" lautete das Motto der Pickelhaubenträger.

Landsknechte aus Tamm und Bann in der Pfalz machten gemeinsam schmissige Musik und schwangen die Fahnen. Mit Pferd und Wagen ging es zum Vereinsausflug und Landwirte sowie Weinbauern befanden sich auf dem Weg zu ihrem Tagwerk. Anfangs wurden noch die Rösser angespannt, dann tuckerten Traktoren. Das moderne Ludwigsburg präsentierte sich wieder international mit Tänzen aus Siebenbürgen und Square Dance sowie Boogie-Woogie aus der neuen Welt Amerika sowie mit alter Kultur aus Griechenland und bunt-fröhlicher Folklore aus Portugal. Die Kroatische Kirchengemeinde bekannte sich zu ihren Traditionen, machte aber auch deutlich: „Wir sind in Ludwigsburg zuhause".

Fehlen durfte auch nicht die Märchenwelt mit Schneewittchen und den sieben Zwergen mit sieben Schwaben und Dickschädlern. Die teilnehmenden Sportvereine präsentierten sich im Wandel der Zeiten, vorneweg die Schützengilde, immerhin der älteste Sportverein der Stadt, dessen Gruppe ebenfalls eine Auszeichnung erhielt. Außerdem dabei: Starke Frauen auf Rollschuhen. Die Mitglieder des Vereins Barockcity Rollerderby waren ebenso ein Blickfang wie die American Footballer der Ludwigsburg Bulldogs. Applaus gab es vor allem für die akrobatischen Darbietungen der Cheerleader-Girls und die martialischen Rufe der gut gepolsterten Sportler. Schwitzen, Musizieren und Marschieren lautete das Motto bei den teilnehmenden Kapellen, deren Mitglieder Schwerarbeit zu leisten hatten. Mit von der Partie waren der Musikverein Oßweil/Stadtkapelle Ludwigsburg, die Musikvereine aus Poppenweiler und Eglosheim sowie die Spielmannszüge aus Zaberfeld und von der Zigeunerinsel Stuttgart.

Bildergalerie: Weitere Bilder gibt es unter www.lkz.de