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Oßweil

Sendemast-Gegner geben nicht auf

Eine Petition beim Landtag, einen Brief an den Gestaltungsbeirat und ein enger Draht zur Stadtspitze: Die Anwohner des geplanten Sendemastes in Oßweil kämpfen weiter gegen das Bauwerk. Mit Erfolg. Bisher hat die Verwaltung keine Baugenehmigung erteilt.

Vor dem geplanten Standort in Oßweil: Die Anwohner Claudius Löschner, Elmar Metzger, Rainer Ueber, Hubert Tannebaum (von links). Archivfoto: Oliver Bürkle
Vor dem geplanten Standort in Oßweil: Die Anwohner Claudius Löschner, Elmar Metzger, Rainer Ueber, Hubert Tannebaum (von links). Foto: Oliver Bürkle

Ludwigsburg. Im vergangenen Herbst sah es zunächst ziemlich bitter aus. Erst kam der Brief vom Regierungspräsidium, der die Stadt dazu verpflichtet, den 25 Meter hohen Sendemast zu genehmigen. Doch davon erfuhren die betroffenen Anwohner nicht etwa durch die Verwaltung, sondern weil darüber in den Stadtteilausschüssen in Oßweil und der Oststadt berichtet wurde. Entsprechend groß war der Ärger bei der Interessengemeinschaft „Oßweil gegen Sendemast.“ Die Gruppe um Elmar Metzger hat sich Anfang 2018 zusammengefunden, nachdem bekannt wurde, dass die Telekom auf dem Grundstück Hausinger Weg 23 einen Sendemast bauen will.

Stadt wartet mit der Baugenehmigung

Im Sommer 2018 verweigerte die Stadt allerdings zunächst eine Baugenehmigung. Gegen den Schritt legte die Deutsche Funkturm GmbH – ein Tochterunternehmen der Telekom – erfolgreich Widerspruch ein. Laut dem Regierungspräsidium (RP) muss die Baugenehmigung erteilt werden.

Die Begründung des RP liest sich nicht besonders schmeichelhaft für die Anwohner. Vor allem der Hinweis darauf, dass der Mast das Ortsbild mit der denkmalgeschützten Holderburg – dem ältesten Gebäude Ludwigsburgs – schädige, erkennt die Behörde nicht an. „Im vorliegenden Fall ist kein besonderer Charakter des Ortsbildes feststellbar“, heißt es im Schreiben des RP. Und: „Vielmehr weist die vorhandene Bebauung auch in einem größeren maßstabbildenden Bereich in städtebaulicher Hinsicht eine eher inhomogene Struktur auf, die die Annahme einer besonderen Wertigkeit des Ortsbildes ausschließt.“ Die Holderburg sei von dem geplanten Standort weit entfernt und die Höhe der geplanten Antenne sei im Vergleich zu der benachbarten Bebauung „problematisch, aber nicht rücksichtslos“. Auch die gesetzlich vorgeschriebenen Abstandsflächen werden laut RP eingehalten.

Einschüchtern lassen wollen sich Metzger und seine Mitstreiter von dieser Einschätzung nicht. Ganz im Gegenteil. Noch im November haben sich die Interessengemeinschaft (IG) und der Bürgerverein Oßweil an den Petitionsausschuss des Landtags gewandt. Die Hoffnung ist, dass der Landtag vielleicht noch den Widerspruch der Telekom gegen die Nichterteilung der Baugenehmigung abschmettern könnte. Neben den städtebaulichen Bedenken machen die Anwohner auch den zu erwartenden Wertverlust ihrer Grundstücke geltend. „Darüber hinaus liegt knapp 20 Meter neben diesem Grundstück der alte Oßweiler Friedhof, auf dem auch viele schutzwürdige Tiere ihre Heimat gefunden haben“, geben Verein und IG zu bedenken. Außerdem verweisen sie auf die vielen Alternativstandorte außerhalb der Wohnbebauung, die sie der Telekom angeboten haben.

Ein Fall für den Gestaltungsbeirat?

Diese haben sie auch dem neuen Oberbürgermeister Matthias Knecht bei einem Rundgang kurz vor Weihnachten präsentiert. Auch Bürgermeisterin Gabriele Nießen und der Leiter des Bürgerbüros Bauen, Albrecht Geiger, waren bei dem Rundgang dabei.

In das Treffen mit dem OB setzen die Oßweiler große Hoffnungen. Knecht hat ihnen versprochen, nochmals mit der Telekom zu sprechen. Eine Baugenehmigung hat die Verwaltung jedenfalls noch nicht erteilt, erklärt ein Sprecher der Stadt auf Anfrage unserer Zeitung.

Auch den Ludwigsburger Gestaltungsbeirat hat die IG mittlerweile angeschrieben. Der Beirat diskutiert regelmäßig, ob Neubauprojekte ins Stadtbild passen. In dem Schreiben an das Expertengremium heißt es: „Wir bitten Sie, auch den geplanten Sendemast der Telekom nach den Kriterien des Gestaltungsbeirates zu beurteilen.“

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