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Freibad

Smartphone-Verbot ist kein Thema

Dass man fremde Menschen nicht ungefragt fotografieren darf, regelt die Badeordnung – Bisher keine Probleme

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Ein generelles Fotografierverbot gibt es in den Bädern des Landkreises nicht. Trotzdem ist das Personal wachsam.Foto: Uli Deck/dpa

Ludwigsburg. Ein Selfie mit der Clique im Wasser, ein Foto vom Einjährigen beim begeisterten Planschen im Kinderbecken, ein Kurzvideo von den ersten Schwimmzügen der Tochter – sollte das verboten sein? In einigen öffentlichen Schwimmbädern ist das offenbar so. „Wer knipst, fliegt raus“ überschreibt der SWR einen Beitrag zum Thema Smartphones im Schwimmbad; „Fotoverbot im Freibad: Immer mehr Betreiber greifen durch“ titelte die Internetzeitschrift chip. Wie wird dieses Thema in den Freibädern des Landkreises behandelt? Wir haben uns bei einigen umgehört. Einstimmig heißt es dort: Keine Probleme mit und kein Verbot von Smartphones. Einige Freibäder werben sogar mit freiem WLAN.

Mit dem Smartphoneverbot sollen vor allem Kinder geschützt werden, es soll verhindert werden, dass sie – spärlich bekleidet – heimlich fotografiert und diese Aufnahmen dann über soziale Netzwerke im Internet verbreitet werden.

Besucher der Karlsruher Bäder werden deshalb jetzt dazu aufgefordert, ihre Smartphones in der Tasche zu lassen. Schwimmmeister sprechen Besucher an, wenn sie mit dem Mobiltelefon hantieren. Und ein Freizeitbad im schleswig-holsteinischen Norderstedt verbietet sogar jegliche Nutzung von Mobiltelefonen und in manchen Bädern wird am Eingang ein sichtbares Siegel auf die Kameralinse geklebt, das sich nur in Einzelteilen wieder ablösen lässt.

„Mir scheint, da wird viel aufgebauscht“, sagt Peter Collmer, Betriebsleiter des Asperger Freibades im Gespräch mit unserer Zeitung, „wenn ein Vater seinen Sohn beim ersten Sprung vom Drei-Meter-Brett fotografieren will, halten wir ihm kein Schild vor die Nase, dass er das nicht darf.“

Allerdings hat man im Asperger Freibad durchaus ein Auge darauf, was Badegäste mit ihren Smartphones so alles machen. Wenn die Schwimmmeister den Eindruck haben, dass das nicht in Ordnung ist „sprechen wir denjenigen höflich an und fragen, was er da macht,“ sagt Peter Collmer. Badegästen, die sich belästigt fühlen, rät er, das Personal anzusprechen: „Wir gehen dem nach und unterbinden das dann.“

Im Bietigheim-Bissinger Freibad Ellental regelt die Haus- und Badeordnung das Fotografieren (siehe: „Und was sagt das Gesetz dazu?“) „Wir vertrauen auf die Einsicht der Menschen“, sagt Winfried Schadt, bei den Stadtwerken für die Bäder zuständig. Bei zum Teil mehr als 7000 Besuchern am Tag, sei ein Smartphoneverbot auch schwer zu kontrollieren; bisher habe sich das Thema aber auch noch nie gestellt.

Auch im Wellarium in Steinheim hat es bisher noch keine Beschwerden von Besuchern gegeben. „Natürlich darf man Fremde nicht fotografieren, das steht in der Haus- und Badeordnung“, sagt Schwimmmeisterin Katrin Schulze. Ein generelles Handyverbot sei zum einen kaum zu kontrollieren, außerdem wirbt das Wellarium gerade mit seinem frei verfügbaren WLAN: „Wir wünschen Ihnen viel Vergnügen beim kostenlosen Surfen“, heißt es im Internetauftritt des Wellariums. So verfährt man auch im Mineralfreibad Oberes Bottwartal in Oberstenfeld: „Wir verbieten kein Smartphone, wir fahren die umgekehrte Linie“, sagt Volker Wanner, der bei der Gemeinde fürs Freibad zuständig ist, „wir bieten freies WLAN, denn die Leute sollen sich bei uns wohlfühlen.“ Probleme gebe es nicht; Wanner: „Wir sind hier auf dem Land!“ Da sei die soziale Kontrolle schon noch sehr groß; das gelte auch für den Bereich der FKK-Liegewiese. Sein Rat: Wem etwas unangenehm auffällt, soll sich beim Personal melden. Auch das „Bädle“ in Mundelsheim lebt vom ländlichen Charme. „Das ist bei uns gar kein Thema“, sagt Ina Grausam von der Gemeindeverwaltung, „wir sind ein kleines Familienbad, da ist noch nie was vorgekommen.“