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Archäologie

Sogar ein Luftschutzkeller taucht auf

Die Ausgrabung auf dem Walcker-Areal ist fast abgeschlossen. Die Archäologen haben dort nicht nur Überreste der Talkaserne erforscht. Auch das legendäre „Jägerhaus im Tal“ ist wohl gefunden worden. Am Ende ist sogar noch ein Luftschutzkeller aus dem Zweiten Weltkrieg aufgetaucht.

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Foto: Ramona Theiss
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Die Bodenfliesen stammen wohl vom Jägerhaus, der Abgang in den Luftschutzkeller dagegen aus dem Zweiten Weltkrieg. Ein Rätsel bleibt vorerst das gemauerte Loch, auf das die Archäologen gestoßen sind. Der Kanal des Tälesbachs, der im 18. Jahrhundert g
Die Bodenfliesen stammen wohl vom Jägerhaus, der Abgang in den Luftschutzkeller dagegen aus dem Zweiten Weltkrieg. Ein Rätsel bleibt vorerst das gemauerte Loch, auf das die Archäologen gestoßen sind. Der Kanal des Tälesbachs, der im 18. Jahrhundert gebaut wurde, ist dagegen keine große Überraschung. Die Archäologen haben ihn auf dem Gelände vermutet. Foto: Ramona Theiss (3), Christian Walf
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Ludwigsburg. Frank Krämer vergleicht seine Arbeit mit der Spurensicherung bei der Kriminalpolizei. Der Archäologe und Geschäftsführer der Firma Südwest-Archäologie, die im Auftrag der Stadtwerke die Ausgrabung übernommen hat, hat jedenfalls eine Menge Spuren gefunden. Jetzt gilt es das Puzzle zusammenzufügen. Am Ende sollen all die Spuren einen Sinn ergeben.

Das „Jägerhaus im Tal“ ist so ein Puzzle, dessen Gesamtbild aus verschiedenen Teilen und Spuren zusammengesetzt werden muss. Und die Grabung könnte dafür den Durchbruch gebracht haben, erläutert Krämer am Dienstag bei einer von der Stadt organisierten Führung über die Ausgrabungsfläche. „Von dem Gebäude haben wir nichts. Kein Bild. Keinen Grundriss.“ Einziger Hinweis auf das Jägerhaus war bisher die Überlieferung aus der Ludwigsburger Stadtgeschichte, dass dieses Bauwerk existiert hat. Und Krämer ist sicher, durch die Ausgrabung die entscheidenden Spuren gefunden zu haben.

Unter den Resten der Talkaserne, die von 1736 bis 1969 an der Stelle gestanden hat, sind die Archäologen auf alte Fundamente und einen Ziegelboden gestoßen, die beide mit großer Wahrscheinlichkeit aus der Zeit vor der Talkaserne stammen.

Einiges spreche dafür, dass die Talkaserne auf den Resten des Jägerhauses errichtet wurde. „Der Name Jägerhaus ist irreführend“, erklärt Krämer. Denn was der Herzog da neben seinem Residenzschloss Anfang des 18. Jahrhunderts errichten ließ, dürfte etwas größer als ein einfaches Haus gewesen sein. Krämer rechnet mit 20 bis 40 Personen, die das ganze Jahr über dort gelebt haben und sich um die großen Jagdveranstaltungen des Herzogs gekümmert haben (Text unten) – samt einer Großküche, Ställen für die Pferde und mindestens 30 Jagdhunden. „Das Jägerhaus kann sehr groß gewesen sein. Aus heutiger Sicht war das eine riesige Geldverschwendung.“

Irgendwann um 1720 scheint das Jägerhaus seine Funktion verloren zu haben, da direkt am Schloss eine Jägerei errichtet wurde. Krämer vermutet, dass der Bau dann abgebrochen und direkt auf ihm die Talkaserne errichtet wurde. Teile wurden dabei wiederverwendet. „Damals wurde viel ökonomischer als heute gearbeitet. Das war alles Handarbeit. Baumaschinen gab es nicht, also wurden Mauern und Fundamente wiederverwendet.“

Die Archäologen haben mit ihrer Ausgrabung ein Fenster geöffnet, das bis in die Anfangsjahre der Stadt Ludwigsburg reicht. Dabei kamen neben den Fundamenten und Bodenbelägen von Kaserne und Jägerhaus noch andere faszinierende Funde zum Vorschein. Zum Beispiel ein Pflasterbelag aus dem 18. Jahrhundert, in dem die eisenbereiften Räder der Wagen tiefe Rillen hinterlassen haben.

Auch kleinere Funde wie Münzen, Keramik oder bemalte Putzstücke sind im Schutt aufgetaucht und erlauben einen Blick in den Alltag im 18. und 19. Jahrhundert. Vermutlich haben die Archäologen auch den unterirdischen Kanal entdeckt, in dem im 18. Jahrhundert der Tälesbach unter dem Pflaster verschwunden ist. Dieser floss einst oberirdisch am Schloss vorbei Richtung Neckar (dort, wo heute die Marbacher Straße verläuft). Die Gebäude wurden dann auf dem kanalisierten Wasserlauf errichtet. Erst Ende des 19. Jahrhunderts wurden Abwasserkanäle um die Kaserne herum gelegt.

Andere Entdeckungen können bislang noch nicht gedeutet werden. Dazu gehört ein mannshohes gemauertes Loch, das mit behauenen Steinen eingefasst ist. Seine Funktion ist bislang ein Rätsel.

Ein Fund lässt dagegen keine Zweifel offen. Es ist ein Luftschutzbunker aus dem Zweiten Weltkrieg. Als die Archäologen auf ihn stießen, hing die Tür sogar noch in den Angeln. „Der Luftschutzkeller war wohl für die Bewohner der Umgebung gedacht“, vermutet Krämer. Zugeschüttet war er mit jeder Menge Müll und Schutt aus der Abrisszeit der Kaserne in den 60er Jahren. Archäologie heißt eben nicht immer ferne Vergangenheit. Manchmal gräbt man sich bis an den Rand der Gegenwart vor.

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