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SV Ludwigsburg

Sport während Corona: Freibad Hoheneck als Modellprojekt?

Der SV Ludwigsburg drängt die Stadt seit Monaten: Das Freibad Hoheneck müsse in diesem zweiten Pandemie-Jahr so bald wie möglich öffnen. Aus der Sicht des Clubs sollte die Stadt im Rahmen des geplanten Modellversuchs auch das Freibad unter Auflagen betreiben: Schwimmen darf nur, wer vor Ort einen Coronatest macht und ein negatives Ergebnis hat.

Schwimmen im vergangenen Sommer: Abstandsregeln und elektronische Buchung haben dafür gesorgt, dass das Freibad in Hoheneck gut genutzt werden konnte. Foto: privat
Schwimmen im vergangenen Sommer: Abstandsregeln und elektronische Buchung haben dafür gesorgt, dass das Freibad in Hoheneck gut genutzt werden konnte. Foto: privat

Ludwigsburg. „Gegen die Wiedereröffnung der Freibäder spricht aus unserer Sicht fachlich gar nichts“, heißt es in einem Schreiben der Bäderallianz Deutschland an die Bundeskanzlerin. Zudem sei die Öffnung der Hallenbäder „direkt nach Ostern auch für die Öffentlichkeit mit Hygienekonzepten“ vertretbar. Noch tut sich im Land Baden-Württemberg in Sachen Öffnung der Bäder indes nichts.

Die Infektionszahlen steigen zwar derzeit wieder. Trotzdem sollte es aus der Sicht des SV Ludwigsburg im Rahmen des von der Stadt geplanten Corona-Modellversuchs möglich sein, das Freibad Hoheneck unter strengen Auflagen zu öffnen: Schwimmen darf nur, wer sich testen lässt und ein negatives Ergebnis vorlegen kann. Der SVL stehe bereit, ein Corona-Testschwimmen zu unterstützen oder in Eigenregie zu organisieren. Der Club ist laut Aussage des Vizepräsidenten Matthias Nagel in der Lage, Tests abzunehmen und die Badeaufsicht zu stellen – gerne zunächst auch zum Projektstart für die definierte Gruppe der SVL-Vereinsmitglieder. In einem zweiten Schritt könnte das Bad dann mit den Erfahrungswerten der Schwimmer für alle Bürger geöffnet werden. Der SVL habe hinreichend Erfahrungen mit Hygienekonzepten und Corona-Teststrategien aus dem Trainings- und Spielbetrieb der Wasserball-Bundesliga. Die Spieler wurden und werden dabei regelmäßig getestet und trainieren nach klaren Hygienevorgaben.

Für eine coronakonforme Öffnung des Freibads spricht aus Sicht des SVL auch, dass bei dem zurzeit laufenden Modellprojekt in Tübingen zwar alle Geschäfte und auch kulturelle Einrichtungen öffnen dürfen – für negativ getestete Menschen. In Tübingen ist laut Aussage des Oberbürgermeisters Boris Palmer aber noch kein Schwimmbad geöffnet. In Ludwigsburg sei es mit Blick auf eine Öffnung des Freibads also möglich, Erfahrungen zu sammeln, die landesweit genutzt werden können.

Die Spitzenverbände des Schwimmsports in Baden-Württemberg sind „angesichts der Pandemieentwicklung in großer Sorge um die Schwimmfähigkeit unserer Kinder als auch der Gesamtbevölkerung in Baden-Württemberg“, heißt es in einem Brief des Schwimmverbands Württemberg, des Badischen Schwimmverbands und der DLRG an Ministerpräsident Winfried Kretschmann und an die Sportministerin Susanne Eisenmann. Die vereinseigenen Statistiken zeigten, dass 2020 im Vergleich zu 2019 rund 70 Prozent weniger Schwimmabzeichen abgenommen worden sind. Die Rettungsfähigkeit des Aufsichts- und Rettungspersonals der Bäder schwinde. Die erforderlichen Nachweise für potenzielle Bewerber der Berufsfeuerwehren und der Landespolizei könnten nicht mehr erbracht werden.

In manchen Bundesländern tut sich etwas: In Hessen zum Beispiel hat die Landesregierung das Okay gegeben, in Frankfurt etwa seien die Bäder für die Schwimmvereine offen. Unter Auflagen darf trainiert werden: mit Maske bis zum Beckenrand gehen, ausreichend Abstand halten beim Schwimmen, duschen erst nach dem Training zu Hause.

Der SV Ludwigsburg hatte bereits Anfang dieses Jahres die Stadt beziehungsweise die Stadtwerke gebeten, sich auf eine frühe Öffnung des Hohenecker Freibads vorzubereiten. Im März sollte die Kommune anknüpfen an das Prozedere des Sommers 2020, so der SVL im Januar. Für die Vereinsmitglieder habe die Online-Ticketbuchung für das Freibad klasse funktioniert – auch dank der guten Kooperation mit der Stadt Ludwigsburg beziehungsweise mit den Stadtwerken. Viele Ludwigsburger sagten, sie seien noch nie so entspannt schwimmen gewesen wie im Sommer 2020 – weil die Bahnen meistens frei waren, ganz anders als gewohnt. Die Mitglieder des SVL konnten im Rahmen ihrer Mitgliedschaft im Freibad Hoheneck und im Campusbad schwimmen. Der Verein möchte sich auch in diesem Jahr wieder dafür einsetzen und allen Mitgliedern ein Angebot machen, wenn immer es möglich ist. Vermutlich ist der Club deshalb auch im Pandemiejahr gewachsen, gegen den Trend. Die Zahl der Mitglieder ist um rund 100 auf deutlich über 1000 angewachsen.

In einem offenen Brief an Winfried Kretschmann und Susanne Eisenmann forderten 75 Sportvereine sowie 33 Sportfachverbände aus Baden-Württemberg bereits eine Perspektive für den Sport im Land. Um all die Menschen, die in den vergangenen Monaten keinen oder kaum Sport treiben konnten, wieder in Bewegung zu bringen, sei die Öffnung der Sportanlagen – auch der Bäder – entscheidend. Die Bäder sollen zumindest für Schwimmkurse geöffnet werden. Seit fast einem Jahr könnten viele Kinder „weder Purzelbäume, Ballspiele noch schwimmen lernen“, sie versäumten die Erfahrung, „was Zusammenhalt und Gemeinschaft bewirken können oder wie wichtig Respekt und Fairplay sind“. Aus der Zeit des ersten Lockdowns sei bekannt, dass Outdoor-Sportangebote ohne intensiven Körperkontakt – zum Beispiel Schwimmen – „keine negativen Wirkungen auf das Infektionsgeschehen hatten“, heißt es in dem offenen Brief mit dem Titel „Öffnungsperspektive für den Sport zügig schaffen“ weiter.

In Baden-Württemberg stehen die Zeichen offenbar noch nicht auf Öffnung. Ein Sprecher des Sportministeriums erklärt auf Anfrage, die Regierung habe sich aus Infektionsschutzgründen dazu entschieden, „derzeit Bäder und Co. noch nicht zu öffnen“. Ausnahmen gebe es unter anderem für Spitzensportler und Abiturienten.

„Wir haben zwei Becken – in jedem Becken könnten ein paar Sportler schwimmen, über die genaue Zahl müsste man sich noch verständigen“, sagt SVL-Präsident Volker Heyn. Ferner sei es möglich, auf der großen Wiese im Freibad auch andere Sportarten zu betreiben, zum Beispiel Volleyball oder Badminton – mit Abstand, beispielsweise in Zehnergruppen und im stündlichen Wechsel sowie nach einem negativen Coronatest. (red)