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Gesperrte halle

Sportstudenten der PH in Aufruhr

Seit Semesterbeginn ist die Sporthalle der Pädagogischen Hochschule (PH) geschlossen. Ob sie je wieder geöffnet wird, ist unklar. Die Sportstudenten machen der Hochschulleitung und dem Land schwere Vorwürfe. Das Krisenmanagement läuft ihrer Meinung nach nicht. Und die Qualität ihres Studiums leide massiv unter der Situation.

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Seit Anfang September ist die Sporthalle der PH wieder gesperrt. Ohne ein neues Dach wird sie nicht wieder geöffnet.Fotos: Oliver Bürkle
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Die Studenten Mose Weiß, Johanna Schubert, Thomas Mödinger, Sebastian Meinhof, Marius Balle und Christina Ramirez (von links) gestern beim Pressegespräch in der PH.

Ludwigsburg. Seit 2017 gibt es mit der Anfang der 60er Jahre gebauten Sport- und Schwimmhalle schwerwiegende Probleme. Bereits vor einem Jahr war die seit langem marode Halle für mehrere Wochen gesperrt. Nach einer statischen Verstärkung, die 1,3 Millionen Euro gekostet hat, konnte sie Anfang des Jahres wieder eröffnet werden. Die Freude darüber war aber nur von kurzer Dauer. Im September wurde die Halle wieder geschlossen. Diesmal wohl für immer. Denn das Dach ist akut einsturzgefährdet.

Mit einem Pressegespräch hat die Fachschaft Sport gestern auf die schwierige Situation der Studenten aufmerksam gemacht. „Unsere Kurse finden derzeit in sieben verschiedenen Hallen statt“, bedauert der Sportstudent Mose Weiß. Neckarweihingen, Hoheneck oder die Karlskaserne sind nur drei der Standorte, zwischen denen die Studenten derzeit pendeln müssen, um ihr Studium weiter voranzutreiben. Auch die verstärkt angebotenen Blockseminare über ganze Tage seien keine Lösung, da die Studenten ja auch noch andere Seminare in anderen Fächern besuchen müssten.

Für einen Teil der Kurse wurden zudem keine Ersatzräume gefunden. Sie fallen daher ganz aus. Betroffen seien verschiedene Veranstaltungen mit Grundschulkindern oder ein Treffen, bei dem Studenten und Flüchtlinge gemeinsam Sport machen. Auch der allgemeine Hochschulsport für alle Studenten und Lehrkräfte sei stark eingeschränkt worden. Nach Auskunft der Studenten können in den Ersatzhallen derzeit nur die Veranstaltungen angeboten werden, die für das Studium absolut notwendig sind.

Schwierige Situation für Erstsemester

Aber das reiche nicht aus. Auf viele Sportprüfungen müsse man sehr viel trainieren, etwa beim Geräteturnen oder Gruppenchoreografien. Dafür benötige man eine Sport- und Schwimmhalle. Auch die Trainingstutorien finden nicht mehr statt. Hinzu komme, dass in der Halle der PH noch viele Sportgeräte lagern. „In den anderen Hallen stehen uns die nicht zur Verfügung“, sagt Weiß. Teilweise haben die Studenten ihre Sportausrüstung noch in den Schließfächern der gesperrten Halle. Derzeit darf sie aber niemand betreten.

Laut Thomas Mödinger, dem Vorsitzenden der Fachschaft Sport, seien viele Erstsemester mit der Situation schlichtweg überfordert. „Die haben 1000 Fragen.“ Es gebe Erstsemester, die keine einzige Praxisveranstaltung im laufenden Semester besuchen.

„Unser Wunsch ist es, dass die Hochschulleitung mehr auf uns zukommt“, sagt Sebastian Meinhof von der Fachschaft Sonderpädagogik. Neben den etwa 460 Sportstudenten sind auch 50 Studenten der Sonderpädagogik von der geschlossenen Halle betroffen. „Wir fühlen uns nicht ernst genommen“, meint Mose Weiß. Schon 2013 sei der Neubau einer Halle beim Land angemeldet worden. Und bereits seit den 80er Jahren sei bekannt, dass die Halle erhebliche Baumängel habe.

Die Studenten bezweifeln, dass bisher alles getan wurde, was getan werden kann. Wurden wirklich alle Hallenkapazitäten in Ludwigsburg und Umgebung ausgeschöpft? Wären Kooperationen mit Vereinen oder Fitnessstudios – in der Halle war auch ein Kraftraum – denkbar, ohne dass die Studenten dafür Mitglied werden müssen. Nach Meinung von Sebastian Meinhof wäre es vor allem wichtig, einen zentralen Standort für die PH zu haben – zum Beispiel den Teil einer Halle in Eglosheim. „Sollen wir uns um all das selbst kümmern? Sollen wir selbst in Kontakt mit der Stadt treten?“, fragen sich die Studenten.

120 Schulen wurden angeschrieben

Von mangelndem Krisenmanagement möchte der Rektor der Hochschule, Martin Fix, nichts wissen. „Seit drei Wochen beschäftigen wir uns mit nichts anderem.“ Die Kanzlerin habe mit dem Land, der Stadt, dem Landkreis und anderen Hochschulen telefoniert, um an Hallen heranzukommen. 120 Schulen seien angeschrieben worden. Das Problem: „Morgens sind überall in den Hallen Schulen drin und abends Sportvereine“, sagt Fix. „Wir haben getan, was wir machen konnten.“ Die Raumfrage sieht er ausgeschöpft. Mehr sei nicht drin.

Auch seien die Studenten über das Notprogramm informiert worden. Man habe die Situation im Griff, auch wenn das Ergebnis nicht für alle befriedigend sei, sagt Fix. Mit Folgen für die PH rechnet er nicht. Zwar sei über einen Zulassungsstopp für Sportstudenten nachgedacht worden, der Rektor hält aber nichts davon – in vier Jahren gebe es ja die neue Halle.

Auch Untätigkeit will sich Martin Fix nicht vorwerfen lassen. Seit 2013 fordere er einen Neubau. Aber so ein Projekt ziehe eben jahrelange Verhandlungen nach sich. „Ich habe für den Ärger der Studenten volles Verständnis. Die Situation ist dramatisch. Aber wir haben in der Notlage alles getan, was wir tun konnten.“