Ludwigsburg. Es war eine herbe Lehrstunde, als vor zwei Jahren eines der vielversprechendsten und attraktivsten Modelle des Carsharing sich von allen Überlegungen verabschiedete, nach Ludwigsburg zu kommen. Der Name: Car2Go. Das Angebot: Eine Flotte von Mietautos steht in einem Stadtgebiet verteilt zur freien Verfügung, der Mietwagen findet sich einfach dort, wo der letzte Nutzer ihn abgestellt hat und wo der nächste Interessent ihn per Handy orten, buchen und bezahlen kann.
Es hat sich jedoch gezeigt: In einer Stadt der Größenordnung von Ludwigsburg lässt sich ein solches Angebot wirtschaftlich nicht durchhalten, es gibt zumindest bisher zu wenig Nutzer. Das Modell funktioniert nur in den Kerngebieten von sehr großen Städten und Metropolen, gerade noch in Stuttgart, aber auch dort hat sich Car2Go bereits aus manchen Randbezirken zurückgezogen. Die anfängliche Euphorie von Autoindustrie und Verkehrsplanern ist der Ernüchterung gewichen.
Stabiler hat sich in der Region Stuttgart ein anderes Modell erwiesen: Ein Carsharing, das an feste Abhohl- und Abgabestationen gebundenes ist, dominiert vom Anbieter Stadtmobil. Fast jeder kennt sie inzwischen, die roten Fahrzeuge mit dem weißen Schriftzug. Nach kleinen, ehrenamtlich getragenen Anfängen wird das Unternehmen heute neben dem Verein StadtMobil e.V. getragen von der Stadtmobil Carsharing AG. Das Angebot umfasst eigenen Angaben zufolge über 530 Autos an 220 Verleihstationen in 34 Kommunen.
Mehr als 135 dieser Stationen liegen in Stuttgart und seinen Stadtteilen. In Ludwigsburg sind es derzeit zehn Stationen mit insgesamt 23 Fahrzeugen, darunter ein reines E-Auto und ein Hybridfahrzeug.
Wobei die Stationen im Grund nicht mehr als fest reservierte Stellplätze sind, wo das Mietauto nach der Rückkehr auf einem freien Parkplatz abgestellt werden kann. Sechs solcher Stellplätze gibt es zum Beispiel in Ludwigsburg auf dem Arsenalparkplatz, andere auf privaten Grundstücken oder am Straßenrand in weniger stark frequentierte Straßenzügen.
Stadtmobil hat das Interesse bekundet, das Angebot in Ludwigsburg zu erweitern. Und aus der Politik kommt schon länger die Forderung, die Stadt solle mehr Stellplätze für Carsharing bereitstellen. Jetzt hat die Stadtverwaltung in der Tat einen Plan mit neuen Standorten für stationäres Carsharing.
Zwar spricht die Verwaltung davon, dass man die Stellplätze im Dezember ausschreiben werde. Es handelt sich aber nicht um eine Ausschreibung im üblichen Sinn, eher um ein mehr oder weniger formalisiertes Vergabeverfahren, das der Stadt viel Spielraum lässt. „Wir wollen vor allem für Transparenz sorgen“, sagt Matthias Knobloch, im Rathaus Leiter des Fachbereichs Nachhaltige Mobilität.
Ohnehin dürfte nach Stand der Dinge nur ein Unternehmen in Frage kommen, das die erweiterten Möglichkeiten in Ludwigsburg nutzen möchte: Stadtmobil.
Zwar ist derzeit auch ein Anbieter von Elektrofahrzeugen in Deutschland auf Expansionskurs. Der Name: Deer. Dieses Modell hält man im Rathaus aber „noch für verfrüht“ und erinnert sich dabei wahrscheinlich an die Baulandung mit einem ersten Versuch, Carsharing mit E-Autos aufzubieten. Die Stadt hatte die Bahn-Tochter Flinkster gedrängt, in Ludwigsburg E-Fahrzeuge als Mietwagen anzubieten. Doch die drei Fahrzeuge am Bahnhof und hinterm Rathaus erwiesen sich als Ladenhüter, Flinkster trat den Rückzug an und ist in Ludwigsburg heute gar nicht mehr präsent.
Auf Anfrage unserer Zeitung hat Stadtmobil bekräftigt: „Ja, wir wollen in Ludwigsburg ausbauen, im Umfang von 10 bis 15 Fahrzeugen“, sagt Matthias Hartlieb von Stadtmobil.
In einem Newsletter hatte das Stuttgarter Unternehmen kürzlich seine Kunden über die Ausbaustrategie so informiert: „Im Moment ist unsere wirtschaftliche Lage so stabil, dass wir die Pläne, die wir zum Ausbau unseres Angebots in diesem Jahr hatten, nun im nächsten Jahr umsetzen möchten. Das Fahrzeugangebot soll sich 2021 um 50 bis 70 Fahrzeuge vergrößern. Wir freuen uns, dass die Stadt Stuttgart uns dafür 56 weitere Stellplätze zur Verfügung stellt. Schon im Februar werden wir dort ca. 30 neue Fahrzeuge aufstellen, auf den restlichen 26 Stellplätzen werden wir Autos stationieren, die im Moment noch keinen festen Platz haben. Auch in anderen Städten wie Esslingen, Ludwigsburg und Leinfelden-Echterdingen möchten wir Ihnen mehr Fahrzeuge anbieten.“
Die Stadt Ludwigsburg will die Vergabe von eher zentralen Standorten verknüpfen an die Bedingung, dass auch Standorte in den Stadtteilen belegt werden. Mit der Bedingung zeigt sich Stadtmobil einverstanden. Matthias Hartlieb: „Das machen wir schon jetzt, wir wünschen uns wie die Stadt Ludwigsburg ein flächendeckendes Netz an Carsharing-Stationen in Ludwigsburg. Aus wirtschaftlicher Sicht ist das zwar nicht rentabel, trägt aber dazu bei, das CarSharing-Angebot attraktiver zu gestalten. Die rentablen Fahrzeuge in Stuttgart finanzieren die wirtschaftlich schwachen Fahrzeuge in Ludwigsburg mit.“
Carsharing
Standorte in Ludwigsburg
Bestehende Standorte:
ÊKatharinenstraße
ËOsterholzallee
ÌUhlandstraße
ÍBahnhof (West/Parkhaus)
ÎArsenalplatz
ÏRathaus
ÐKlinikum
ÑSchorndorfer Straße
ÒComburgstraße
ÓHartwigstraße
Neu geplante Standorte:
ÊPflugfelder Straße
ËKarlstraße
ÌLeonberger Straße
ÍAbelstraße/Schützenstraße
ÎMarstallstraße
ÏRichard-Wagner-Straße
ÐHohenzollernstraße
ÑGänsfußallee/Mörikestraße
ÒReutealle/S-Bahn-Halt Favorite
ÓReichertshalde
Comburgstraße
Wettemarkt
Austraße/Lechtstraße
Scholppenäcker
