Logo

Konzept

Stadt will Einzelhandel schützen

Mit neuen Bebauungsplänen sollen mehr Sicherheit erreicht werden – Problemfall Hofmeister – Unternehmen expandiert

350_0900_15560_COKRBuch_Rkr_bz.jpg
Im Buchzentrum soll mit dem neuen Konzept für mehr Attraktivität gesorgt werden. Archivfoto: Alfred Drossel

Ludwigsburg. Die Stadt will Ordnung in ihren Einzelhandelsstrukturen haben. Dadurch verspricht sie sich attraktive Zentren, weil auf der grünen Weise nicht gebaut werden darf, und Schutz für die bestehenden Betriebe. Daher gibt es bereits seit vielen Jahren das Drei-Zentren-Konzept. Danach darf lediglich in der Bietigheimer Altstadt, im Bissinger Ortskern und im Buchzentrum Einzelhandel betrieben werden. Im vergangenen Jahr wurde eine Fortschreibung des bestehenden Systems dem Gemeinderat vorgelegt. In der Sitzung am Dienstagabend beschloss er es einstimmig.

Neu ist, dass zwischen der Altstadt und den anderen Zentren unterschieden wird, Bietigheim dient der Versorgung der gesamten Stadt, während Buch und Bissingen zukünftig als Nahversorgungstandorte bezeichnet werden. Sprich hier kann man die Artikel des täglichen Bedarfs einkaufen, alles andere gibt es in der Altstadt.

Außerdem wird stärker differenziert, welche Sortimente in den Läden zentrenrelevat sind und welche nicht. Und damit zeichnen sich unter Umständen schon die nächsten Probleme für die Stadt. Denn die Firma Hofmeister will an ihrem Standort in Bietigheim erweitern und einen Zoo- und Gartenfachmarkt bauen. Weil das große Möbelhaus am Stadtrand im Gewerbegebiet in Richtung Ingersheim liegt, muss jetzt überprüft werden, ob das gewünschte Sortiment Auswirkungen auf die Einzelhandelszentren der Stadt hat.

Nach der neuen Sortimentsliste dürfen lebende Tiere und sogenannte Tiermöbel auf der grünen Wiese, also auch bei Hofmeister, verkauft werden. Als zentrenrelevant, also schädlich für ausgewiesene Einzelhandelsgebiete, sind hingegen Zooartikel oder Tiernahrung. Die Vorgaben der Stadt und die Ansprüche des Möbelhauses müssen jetzt unter einen Hut gebracht werden. Dazu wird ein Verträglichkeitsgutachten in Auftrag gegeben,

In der Vergangenheit gab es schon Ärger wegen des Drei-Zentren-Konzepts. Denn auch die Firma Big Park, der ein Teil des ehemaligen DLW-Geländes gehört, wollte zwischen Polizeirevier und einer Burgerbraterei einen Supermarkt bauen. Mit Verweis auf das Einzelhandelskonzept und die drei Zentren wird das Ansinnen von der Stadt abgelehnt.

Das wollte und will sich das Unternehmen nicht gefallen lassen und verwies darauf, dass das neue Einkaufszentrum neben der Feuerwache ebenfalls außerhalb der Bietigheimer Altstadt liege. Doch die Verwaltung hatte vorgesorgt und die Fläche an der Bundesstraße 27 per Regionalplan dem Stadtzentrum zugewiesen.

In dem jetzt verabschiedeten Konzept werden neue Artikel aufgenommen, die beim ersten Aufstellen des Plans noch weniger Bedeutung hatten. So sind zukünftig Computer ebenso zentrenrelevant wie Sportartikel und Sportbekleidung. Ohne Bedeutung für die Einzelhandelszentren in Bietigheim und Bissingen sind weiterhin Fahrräder oder Kinderwagen.

In dem neuen Einzelhandelkonzept werden ebenfalls Vorschläge gemacht, wie mit Einzelhandelsbetrieben in Gewerbegebieten umgegangen werden kann. So sollen bestehende Bebauungsplänen geändert werden. Damit können bereits existierende Unternehmen auf ihren Bestand festgeschrieben und weiterer Einzelhandel ausgeschlossen werden. Auf diese Weise sollen sich in Zukunft keine weiteren Betreibe auf den bereits vorhandenen Flächen ansiedeln.

Gleichzeitig werden Empfehlungen ausgesprochen wie die Versorgung, vor allem in den Nahversorgungszentren in Bissingen und im Stadtteil Buch, zu verbessern sei. So könnte sich in Bissingen ein neuer Lebensmittelmarkt ansiedeln oder der bestehende erweitern. Aufgezeigt werden aber auch Alternativen mit kleinflächigen Lebensmittelbetrieben, Hofläden oder auch ein Bringservice für ältere Bewohner.