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Gesundheit

Ständiges Grundrauschen im Wasser

Firma Legio entwickelt und verkauft Legionellenfilter und Ultrafiltrationsanlagen für Betriebe, Verwaltungen und Private

Rainer Kaifel setzt sich für keimfreies Wasser aus Brauseköpfen und Waschtischen ein. Das neue System „Legio-logic“ (rechts) erkennt in Echtzeit Mikroorganismen und Sedimente im Leitungswasser. Fotos: Legio
Rainer Kaifel setzt sich für keimfreies Wasser aus Brauseköpfen und Waschtischen ein. Das neue System „Legio-logic“ (rechts) erkennt in Echtzeit Mikroorganismen und Sedimente im Leitungswasser. Foto: Legio
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Ludwigsburg/Walddorfhäslach. „Vielleicht können wir das Wasser der Welt etwas besser machen“, sagen Christine Anderko und Rainer Kaifel, die Geschäftsführer des auf Legionellenfilter und Ultrafiltrationsanlagen spezialisierten Unternehmens Legio. „Es gibt so brutal viele Keime im Wasser“, weiß Diplomingenieur Kaifel, der im Kreis Ludwigsburg seit der Legio-Unternehmensgründung vor 22 Jahren zumeist Industriekunden mit Filteranlagen versorgt. Doch Moment mal, heißt es nicht, dass hierzulande reines Trinkwasser aus dem Wasserhahn kommt? Irren sich die Leute etwa im Glauben, dass die Wasserqualität sehr hoch ist? Nein, denn das Trinkwasser wird ständig getestet. Für die Qualität sorgen auch die guten Wasserquellen sowie die hohen Filter- und Aufbereitungsleistungen der Wasserversorger wie Bodenseewasserversorgung und Landeswasserversorgung. Allerdings kommt diese Topqualität bei den Verbrauchern zu Hause, bei Schwimmhallen, Kliniken und Pflegeheimen, Schulen und Kitas, Industriebetrieben oder auch Gastronomie und Hotels meist gar nicht am Wasserhahn oder gar im Glas an. Der Grund ist einfach: Wasserversorger liefern reines Wasser nur bis zur Grundstücksgrenze oder dem Hauseingang. Ab diesem Punkt sind bekanntlich die Eigentümer oder Gebäudeverwalter für die Wasserqualität selbst verantwortlich. Oftmals sorgen aber veraltete oder schadhafte Hausleitungen auf dem berühmten „letzten Meter“ dafür, dass das Wasser aus der heimischen Leitung alles andere als rein ist. Doch auch Klimaanlagen, Prozesskühlwasser in der Industrie oder offene Kraftwerkskühltürme können sich als Probleme erweisen.

„Das Hauptproblem ist der Hauseingang, denn dort muss das Wasser sauber ankommen – entsprechend der deutschen Trinkwasserverordnung“, erklärt Kaifel. Sedimente berücksichtige diese jedoch nicht. Eine Ultrafiltrationsanlage eigne sich nicht nur für die Industrie oder öffentliche Gebäude, sondern auch für Privathaushalte. Direkt am Gebäudezugang. Sie filtere etwa Sedimente aus dem Wasser, die über das städtische Leitungssystem ins eigene Rohrsystem eingespült werden und so die durch „Biofilme“ besiedelbaren Oberflächen erhöhen.

Wasserfilter in der Dusche und am Waschtisch aus dem Legio-Angebot können zum Beispiel Pilze, Viren und Bakterien bis zu einer Größe von 0,2 Mikrometern aus dem Trinkwasser herausfiltern, wie der Ingenieur betont. Dies betrifft auch Legionellen, stäbchenförmige Bakterien, die man zum Beispiel beim Duschen über feinste Wassertröpfchen, also Aerosole, einatmet. In hoher Konzentration können Legionellen, die sich im relativ warmen, stehenden Leitungswasser zwischen 20 und etwa 50 Grad vermehren, verschiedene Krankheiten auslösen. Lässt man die Dusche zum Beispiel längere Zeit ungenutzt, können sich die stäbchenförmigen Bakterien in der Wasserleitung und im Brausekopf ungestört vermehren, durch das Einatmen in die Lunge geraten und die Legionärskrankheit auslösen. Auch in Zeiten der Coronapandemie. So ist im Südwesten die Zahl von Legionellen-Erkrankungen jüngst angestiegen, so auch im Kreis Ludwigsburg, wo das Landesgesundheitsamt in Stuttgart zwischen Juni und 6. August acht Legionellen-Erkrankungen festgestellt hat.

„Der Corona-Lockdown hat das Problem sicher verschärft“, schätzt Christine Anderko. Monatelang hatten die Hotels, Restaurants, Sportanlagen, Hotels, Schulen und Schwimmbäder während der letzten Coronawelle schließen müssen. Und die Unternehmen hatten viele ihrer Angestellten ins Homeoffice schicken müssen. Ob der monatelange Stillstand in manchen Einrichtungen dazu geführt hat, dass sich die Legionellen ausbreiten konnten, ist noch unklar. „Wir vermuten, dass Rückkühlwerke oder Kühltürme von Industrieanlagen oder Warmwasserinstallationen in Gebäuden nicht so gewartet wurden, wie sie sollten. Dies wäre eine Erklärung“, sagt denn auch Jens Fleischer, Labor- und Sachgebietsleiter Wasserhygiene im Landesgesundheitsamt, zu den jüngsten Fällen im Land.

„Wir stellen ein permanentes Grundrauschen an Bakterien und Sedimenten im Wasser fest, die auch im reinsten Trinkwasser, das Versorger zur Verfügung stellen, enthalten sind“, stellt Kaifel mit Blick auf das Online-Überwachungssystem „Legio-logic“ fest, das im Mai auf den Markt gekommen ist. Dieses kann Mikroorganismen und andere Partikel im Wasser durch eine mikroskopische Objekterkennung nachweisen, in Echtzeit. „Sekunde um Sekunde, rund um die Uhr können wir die Messwerte erfassen, an jeder Stelle, die der Kunde wünscht“, sagt der Ingenieur. Die Messwerte werden dabei über eine Cloud auf entsprechende Kunden-PCs weitergeleitet. Erkennt das System Unregelmäßigkeiten, Grenzwertüberschreitungen oder eine schnelle Zunahme der Partikel zu bestimmten Zeiten, schlägt es Alarm. Die Verantwortlichen können so viel schneller reagieren und dank der automatisierten Probeentnahme das Wasser zur weiteren Analyse in ein Labor schicken. Ein Vorgehen, das zielgerichteter und kostensparender ist. „Man kann Probleme in der Leitung so viel früher erkennen“, hebt Kaifel hervor – auch, ob die Leitung beschädigt ist oder ein Leitungswasserschaden bevorsteht. Bisher muss im Normalfall ein zertifizierter Probenentnehmer Wasserproben entnehmen und gegebenenfalls zur Analyse bringen. Die Ergebnisse der Legio-Messungen haben zudem auch juristisch Bestand, sind also justiziabel. „Wir können auch sehen, wie die Wasserqualität des Neckars ist.“

Eines ist für die Legio-Chefs klar: „Ich wehre mich gegen Chemie im Wasser“, sagt Filtrationsspezialist Kaifel. „Für uns ist wichtig: Wir arbeiten ohne Chemie“, ergänzt Anderko. Die Covid-19-Krise hat die Firmengruppe mit den Sparten Legio-Water und Legio.tools kaum getroffen. So haben die 18 Legio-Leute im Corona-Geschäftsjahr 2020 einen Umsatz von mehr als zwei Millionen Euro erwirtschaftet – ebenso viel wie im Geschäftsjahr zuvor. Allein im Raum Ludwigsburg hat Legio etwa 20 Großkunden.

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