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Staufermedaille: Land ehrt einen Pionier der Energiewende

Staatssekretär Dr. Andre Baumann (links) überreicht die Staufermedaille an Wolfgang Schuler. Foto: Andreas Essig
Staatssekretär Dr. Andre Baumann (links) überreicht die Staufermedaille an Wolfgang Schuler. Foto: Andreas Essig
Als einer, der sich schon früh für eine alternative Energieversorgung interessiert hat, wurde Wolfgang Schuler jetzt ausgezeichnet.

Ludwigsburg. Schon in jungen Jahren entwickelte Wolfgang Schuler ein leidenschaftliches Interesse für das Thema Energie. 1972 hatte der Club of Rome sein wegweisendes Manifest „Die Grenzen des Wachstums“ veröffentlicht. Und ein Jahr später wurde während der Ölkrise, die der Angriff mehrerer arabischer Staaten auf Israel im Jom-Kippur-Krieg ausgelöst hatte, ein Fahrverbot auf deutschen Straßen und Autobahnen verhängt. „Es war erschreckend“, blickt Schuler auf diese bewegten Zeiten zurück. „Der Preis für den Liter Benzin stieg sprunghaft von drei auf 30 Pfennig. Es entwickelte sich ein Bewusstsein dafür, dass die Ölreserven endlich sind.“

Diese Erkenntnis sollte dann auch seinen weiteren Werdegang prägen. Schuler studierte Verfahrenstechnik in Stuttgart, war nach eigener Aussage einer der wenigen Außenseiter in seinem Studiengang, die sich schon damals intensiv mit alternativen Energien beschäftigten. 1988 gründete er in Bietigheim-Bissingen die Ingenieurgesellschaft IBS, um den Ausbau von effizienten Energieanlagen und Wärmenetzen voranzutreiben.

Laudatio bei Holzheizkraftwerk

Dabei arbeitete Schuler eng mit Kommunen zusammen, auch mit der Stadt Ludwigsburg. Und zwar so erfolgreich, dass ihm Staatssekretär Andre Baumann vom Stuttgarter Umweltministerium gestern die Staufermedaille verlieh, eine persönliche Auszeichnung des baden-württembergischen Ministerpräsidenten. „Sie sind ein Pionier der Kraft-Wärme-Kopplung und der Nutzung von Abwasserwärme, der sich schon mit der Energiewende befasste, als das Thema noch nicht en vogue war“, lobte der Staatssekretär, als er Schuler die Medaille und die dazugehörige Urkunde überreichte.

Die Auszeichnung fand nicht ohne Grund auf dem Gelände des Holzheizkraftwerks der Stadtwerke Ludwigsburg-Kornwestheim (SWLB) statt. 2006 hatten die Stadtwerke Schulers Büro mit der Fachplanung für die Anlage beauftragt. Heute werden in dem Kraftwerk aus 42000 Tonnen Holzschnitzeln jährlich zehn Millionen Kilowattstunden Strom und 53 Millionen Kilowattstunden Wärme erzeugt. Der Einsatz erneuerbarer Energieträger reduziert den CO-Ausstoß im Vergleich zu fossilen Energieträgern um 90 Prozent, das entspricht 18000 Tonnen pro Jahr.

Auch bei vielen anderen nachhaltigen Energieprojekten in Stadt und Kreis Ludwigsburg und weit darüber hinaus brachte sich Schuler ein. „Wenn die Energiewende gelingen soll, braucht es Menschen, die Kommunen beraten und mit visionärem Ingenieursblick unterstützen“, sagte Oberbürgermeister Matthias Knecht. „Sie weisen Unternehmen und Kommunen den Weg.“ An IBS gebe es nur eines zu kritisieren, meinte der OB augenzwinkernd: „Dass das Unternehmen nicht in Ludwigsburg, sondern in Bietigheim ansässig ist.“

Politische Hemmnisse

Die Arbeit wird Schulers Ingenieurbüro wohl auch in Zukunft nicht ausgehen. Demnächst etwa würden neue Projekte zur nachhaltigen Abwassernutzung auf den Weg gebracht, so SWLB-Geschäftsführer Johannes Rager. „Die Stadtwerke profitieren bei solchen Projekten von Ihrem Input und stehen auch wegen Ihrer Expertise so gut da.“

Die Energiewende werde nicht selten von politischer Seite torpediert, merkte Schuler kritisch an. Es fehle ein klares Bekenntnis zum Ausbau der erneuerbaren Energien. „Und es gibt eine Vielzahl an Gesetzen und Auflagen, die uns erdrücken“. In Ludwigsburg und Kornwestheim seien mit der Gründung der Stadtwerke allerdings richtige Weichen gestellt worden, betonte der Ingenieur.