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Kommunalpolitik

Sturmlauf an die Rathausspitze

Mit deutlichem Vorsprung hat Stadtkämmerer Frank Wittendorfer die Bürgermeisterwahl in Oberriexingen gewonnen. Er holte bereits im ersten Wahlgang 69,8 Prozent der Stimmen und wird damit Nachfolger von Werner Somlai.

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Lasst Blumen sprechen: Der neue Oberriexinger Bürgermeister Frank Wittendorfer (links) mit seiner Frau Kathrin und dem Noch-Rathauschef Werner Somlai. Foto: Alfred Drossel

Ludwigsburg. Als um 18 Uhr die Wahllokale in Oberriexingen schließen, spielt auf dem Rasenplatz des TSV die SGM Riexingen gegen Leos Jungs. Kurz darauf setzt am Spielfeldrand der Stadtkämmerer und Hobbyfußballer Frank Wittendorfer zu einem Sturmlauf an, der ihn auf den Bürgermeisterposten spülen wird. Bereits im ersten Wahlgang setzte sich der Verwaltungsexperte mit 69,8 Prozent der Stimmen klar gegen seine fünf Mitbewerber durch.

Es ist 18.39 Uhr, als das Endergebnis auf eine Leinwand auf dem Sportgelände projiziert wird und Wittendorfer, 34, zuerst seine Frau Kathrin herzt, seine Familie sowie Freunde umarmt und einige Freudentränen verdrückt. „Ich bin überwältigt“, ruft Wittendorfer dann den Oberriexingern zu und bedankt sich bei seinen Mitstreitern für einen „sehr fair geführten Wahlkampf“.

Das war vor acht Jahren noch anders, als sich der damalige Kämmerer Somlai gegen seinen Konkurrenten Günther Pilz mit 35 Stimmen Vorsprung durchsetzte. Im Interview mit unserer Zeitung sagte Somlai am Samstag: „Es war damals ein Lagerwahlkampf, der bisweilen grenzwertig war.“ Das scheidende Stadtoberhaupt sagt über die Bürgermeisterwahl 2017: „Ich freue mich über dieses klare Ergebnis. Die Menschen wollten Frank Wittendorfer zum Bürgermeister wählen.“ Der Vaihinger OB Gerd Maisch, der wie seine Kollegen aus Eberdingen und Sersheim zur Wahlparty gekommen war, sprach von „super Voraussetzungen“.

Die Wahlverlierer präsentierten sich am Sonntagabend gefasst. Thomas Hanisch, der Illinger, der im Sozialdezernat des Landratsamtes arbeitet und 18,2 Prozent der Stimmen holte, gehörte mit zu den ersten Gratulanten. „So ist Wettbewerb“, sagte er in seiner Stellungnahme. „Ich habe mich gut präsentiert und viele positive Rückmeldungen bekommen.“ 2005 unterlag Hanisch bereits bei der Bürgermeisterwahl in seiner Heimatgemeinde. Einen dritten Anlauf will er nach eigenen Angaben nicht mehr unternehmen.

Die drittplatzierte Beate Fetzer kam am Sonntag auf 9,7 Prozent. Bei der Gemeinderatswahl vor drei Jahren wurde sie noch Stimmenkönigin. „Ich falle jetzt aber nicht in ein Loch“, sagte Fetzer, die in Oberriexingen eine Praxis für Physiotherapie leitet und das nun weiter tun will. „Es war eine schöne Zeit, in der ich viele Erfahrungen gesammelt habe.“

Keine Rolle spielten die drei übrigen Kandidaten in Oberriexingen. Der Kfz-Mechaniker Ralph Bechtle kam auf 1,1 Prozent. Noch weniger stimmten für die Grünenpolitikerin Ulrike Sturm (0,7 Prozent) und den Pädagogen Ulrich Raisch mit 0,3 Prozent.

Die Amtsübergabe in der kleinsten Stadt des Landkreises ist nun für Ende September angepeilt. Für den gebürtigen Bietigheimer Wittendorfer stehen zwei Umzüge auf dem Programm – einmal aus der Stadtkämmerei ins Bürgermeisterbüro. Außerdem will er mit seiner vierköpfigen Familie das Haus seiner Urgroßeltern in Bissingen beziehen, das er umgebaut hat. Ein Umzug nach Oberriexingen steht erst einmal nicht auf seiner Agenda, er schließt ihn aber zu einem späteren Zeitpunkt auch nicht aus.

Heute muss das Oberriexinger Rathaus allerdings auf seinen neuen Chef verzichten, Wittendorfer hat einen Tag Urlaub genommen. „Jetzt lassen wir erst einmal die Korken knallen“, sagte er. „Wer mich kennt, weiß, dass es eine lange Nacht wird.“