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Karlshöhe

Tausende genießen sonniges Fest

Aktionen und Bewirtung für die ganze Familie – Thema Wohnungslosigkeit: 50-jähriges Bestehen des Hauses auf der Wart

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Jede Menge Trubel: Das Jahresfest der Karlshöhe zog viele Besucher an. Foto: Benjamin Stollenberg

Ludwigsburg. Über 4000 Besucher strömten am Sonntag zum 142. Jahresfest auf die Karlshöhe. Der Andrang war groß und die Menschen genossen das Verweilen im weitläufigen Gelände der diakonischen Einrichtung mit den lauschigen Ecken und der grünen Idylle unter hohen Bäumen.

Umrahmt von Gottesdiensten erklang an allen Ecken Musik, Blechbläser gingen auf Tour, es gab Open-Air-Gesang sowie eine gute Bewirtung. Nach einem verregneten Fest im vergangenen Jahr und kühlen Temperaturen vor zwei Jahren passte jetzt alles, und so waren vor allem die Aktionen unter freiem Himmel beliebt. Im Innenhof wurde gezaubert, auf der Spielwiese gab es Ballonkunst, es herrschte Flohmarktatmosphäre, es wurden Riesenseifenblasen in den blauen Himmel geschickt und bunte Gesichter geschminkt. Die Kinder konnten basteln, malen oder selbst aktiv werden, unter anderem gut gesichert einen hohen Baum erklimmen, in der Hüpfburg große Sprünge wagen oder Ponyreiten. Farbenfrohe Blumenbilder leuchteten in der Sonne und Hingucker waren vor allem die Produkte aus den Werkstätten, beispielsweise die geschmiedeten Feuerkörbe und Figuren.

In den Werkstätten der Karlshöhe sind auch die Bewohner des Hauses auf der Wart tätig, das sein 50-jähriges Bestehen feiert und im Mittelpunkt des Jahresfestes stand. Das Angebot richtet sich an Menschen mit sozialen Schwierigkeiten und wurde einst gebaut, um wohnungslosen Menschen nach einem Scheunenbrand wieder ein Dach über dem Kopf zu bieten. Heute betreut die Einrichtung unter der Leitung von Diakonin Uschi Eberwein über 200 Personen, rund 70 Mitarbeiter sind hier tätig. In der Mehrzahl sind es Männer, aber auch Frauen bekommen meist in separaten Wohngruppen oder Einzelwohnungen ein Dach über dem Kopf, es gibt außerdem ambulante Angebote. „Wohnungslos – die sind doch selber schuld“, heißt es oft. Wolfgang Sartorius, Geschäftsführer des diakonischen Sozialunternehmens Erlacher Höhe, der sich außerdem im Vorstand der evangelischen Obdachlosenhilfe in Deutschland engagiert, räumte in seinem Vortrag mit diesem Vorurteil auf. „Boden unter den Füßen hat eigentlich keiner“, sagte Sartorius im Gespräch mit unserer Zeitung. Im Klartext: Der gesellschaftliche Absturz bis zur Obdachlosigkeit kann schneller gehen als gedacht. Jobverlust, Ehescheidung, schwierige Beziehungen, die Gründe sind verschieden, und dass mehr Männer als Frauen betroffen sind, hat laut Sartorius nur mit der größeren Leidensfähigkeit des weiblichen Geschlechts zu tun, sie blieben eben eher mal in schwierigen Beziehungen. Statt von Schuld zu sprechen sollte man sich laut Sartorius den Realitäten widmen: Seit den 90er Jahren wurden zu wenig Sozialwohnungen gebaut, deren Anzahl ging sogar zurück. Und wer mal aufgrund eines Schicksalsschlages draußen sei, der finde auch so schnell nicht mehr zurück in die Gesellschaft. Der Grat, auf dem sich viele bewegen, sei schmal und mehr denn je entscheide die Herkunft über den gesellschaftlichen Erfolg. „Die Schichtdurchlässigkeit ist geringer geworden“, sagte Sartorius. Diakonische Einrichtungen fragten nicht nach der Schuld, sondern begegnen dem Problem mit Nächstenliebe, Barmherzigkeit und Gerechtigkeit.

Das Jahresfest war auch Start für eine Spendenstaffel für den Bau eines neuen Seniorenzentrums auf der Karlshöhe. Drei Teams gehen an den Start, sie spenden und geben den Staffelstab weiter. Ein Staffelstab wird dabei weit reisen, denn der Ludwigsburger Bundestagsabgeordnete und Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium, Steffen Bilger (CDU), ist Startträger des ersten Teams und gibt den Stab in Berlin weiter, wie er verriet. Startträgerin des zweiten Teams war die Direktorin der Karlshöhe Dr. Dörte Bester und Silke Moritz, Leiter des Geschäftsbereichs Altenhilfe, brachte Team 3 an den Start. Bis zum 29. Juli soll auf diese Weise möglichst viel Geld für das Seniorenzentrum zusammenkommen.