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Innenstadt

Tiefgarage Schillerplatz steht auf der Kippe

Neue Pläne der Kreissparkasse an der benachbarten Schillerstraße mit 180 Stellplätzen – Positive Stimmen aus der Lokalpolitik

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Entlang der Schillerstraße soll neu gebaut werden, so die Pläne der Kreissparkasse – eine große Tiefgarage gibt’s inklusive. Die drei Gebäude links im Bild sollen dafür abgerissen werden. Rechts der Hauptsitz der Kreissparkasse am Schillerplatz.Foto: Holm Wolschendorf
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Ludwigsburg. Seit Wochen wird gemunkelt, jetzt liegt es auf der Hand: Mit Plänen der Kreissparkasse für einen Neubau an der Schillerstraße samt Tiefgarage könnte die Stadt auf ihre bisher geplante Tiefgarage unterm Schillerplatz verzichten. Eine für das Ziel-Projekt (Zentrale Innenstadtentwicklung) ganz neue Perspektive. „Über das Vorhaben führen Stadt und Kreissparkasse konstruktive Gespräche“, heißt es seitens des Vorstandsvorsitzenden Dr. Heinz-Werner Schulte. Das Bauprojekt an der Schillerstraße „beinhaltet die Möglichkeit einer öffentlichen Tiefgarage.“

Bekanntlich wartet die Kreissparkasse seit Jahren darauf, ihren Hauptsitz am Schillerplatz weiterzuentwickeln. Nach den Umbauten aus den 90er Jahren mit der augenfälligen Glasröhre ist das Areal weiter arrondiert worden, doch Erweiterungs- oder Umbaupläne in Richtung Schillerplatz scheiterten. Die Fassade, so hieß es bereits 2011, sei ein Sanierungsfall – aus energetischen Gründen. Ziel war, die Filiale im Erdgeschoss für Gastronomie zu öffnen. Seither hat sich wenig getan.

Erst mit dem Ziel-Projekt kam die Kreissparkasse wieder ins Blickfeld der Kommunalpolitik. Der Arsenalplatz sollte autofrei werden, unterm Schillerplatz möglicherweise eine große Tiefgarage gebaut werden. Im Gemeinderat fand man trotz Kritik seitens Grünen und Freien Wählern, jeweils aus unterschiedlichen Gründen, einen Kompromiss. Die Planungen wurden beauftragt.

Jetzt setzt die Kreissparkasse einen neuen Akzent. Sie will nicht länger warten und verknüpft mit ihrem bislang nur hinter den Türen gehandelten Bauprojekt auf dem Regele-Areal in der Schillerstraße – die Rede ist von Investitionen in Höhe von 30 bis 40 Millionen Euro – den Bau einer großen Tiefgarage. Das Finanzunternehmen bietet der Stadt an, davon 180 Plätze als öffentliche Stellplätze zur Verfügung zu stellen. Dadurch wäre die geplante Tiefgarage Schillerplatz unnötig.

Stadt sieht in dem Ansatz eine große Chance

Das Angebot einer öffentlichen Tiefgarage sei eine große Chance, zusätzliche Parkkapazität im Innenstadtbereich zu schaffen, erklärt dazu auf Anfrage unserer Zeitung Oberbürgermeister Werner Spec in einer gemeinsamen Stellungnahme mit der Kreissparkasse. „Wir begrüßen die Pläne der Kreissparkasse auf dem Regele-Areal ausdrücklich.“ Vorteil der neuen Lösung wäre, so lässt OB Spec mitteilen, dass man durch das Angebot der Kreissparkasse auf eine komplizierte Baustelle am Schillerplatz verzichten könne. Dies auch mit Hinblick auf den Busverkehr. Während Stadt und Kreissparkasse keine weiteren direkten Auskünfte gegeben haben, wurde gestern eine Beschlussvorlage für den Gemeinderat mit Details der Überlegungen öffentlich (siehe Bericht rechts).

„Wir sind höchst begeistert über diese Entwicklung, das ist mehr als ein Quantensprung“, freut sich Grünen-Chefin Elfriede Steinwand. Eine Tiefgarage unter dem Schillerplatz hatten die Grünen sowieso abgelehnt. Sie hätte ihrer Ansicht nach zehn bis 15 Millionen Euro verschlungen, auch hätte auf dem Platz (ähnlich wie auf dem Rathaushof) nichts gepflanzt werden dürfen.

Auch den Freien Wählern „läuft das voll in die Karten rein“, sagt Fraktionsvorsitzender Reinhardt Weiss. „Das geht in unsere Richtung.“ Die Freien Wähler hatten schon bisher die Tiefgarage abgelehnt, die ihrer Ansicht nach aufgrund der geologischen Umstände – an dieser Stelle macht sich der frühere Feuersee bemerkbar – zu teuer geworden wäre. Die FW wollen oberirdisch auf dem Arsenalplatz Stellplätze erhalten, auch bei einer Sparkassen-Tiefgarage. „50 Plätze sollte man erhalten.“ Auch müsse das Verkehrskonzept für diesen Bereich neu angegangen werden.

Verkehrsbeziehungen neu überlegen

Ähnlich sieht es Maik-Stefan Braumann von der CDU. „Da muss man auch die geplante Schließung der Arsenalstraße überdenken.“ Gut sei, dass sich die Kreissparkasse engagiere. Dieser müsse man jetzt auch entgegenkommen und schnellstmöglich entscheiden. „So lange, wie sie warten musste, ist das fast schon unverantwortlich.“ Allerdings zeigt er sich nicht ganz so begeistert. Noch seien Fragen, etwa zur Erschließung der geplanten Tiefgarage, offen.

„Das gibt viel Freiheit für die Platzgestaltung“, freut sich die SPD. Dieter Juranek sieht in dem Angebot eine attraktive Alternative. Angesichts der Stellplätze bei der Kreissparkasse für die Öffentlichkeit könne man auf die oberirdischen Stellplätze auf dem Arsenalplatz verzichten. Im nächsten Vierteljahr, so seine Einschätzung, sollte die Parkplatzfrage entschieden sein. Ein Wettbewerb zur Bebauung sollte noch dieses Jahr Ergebnisse bringen. „Wir sehen das positiv.“

Was wird gebaut?

Bauprojekt: In der Schillerstraße sollen die Gebäude 4, 6 und 8 zwischen Schillerplatz und Gartenstraße abgerissen werden. In einem Neubau auf dem Regele-Areal will die KSK Büros und Wohnungen anbieten.

Erhalten oder nicht? Mit den Gebäuden hat sich auch schon der Gestaltungsbeirat beschäftigt. Das Haus mit der Nummer 6, das abgerissen werden soll, gilt als erhaltenswert. Auch das Eckhaus an der Gartenstraße hat eine Geschichte. Es ist im Krieg zerbombt, danach aber wieder aufgebaut worden. Es gilt als strukturprägend. (hpj)

Stadt schlägt einen grünen Arsenalplatz vor

Die Stadtverwaltung hat ihr neues Konzept für den Bereich Schiller- und Arsenalplatz in einer schriftlichen Vorlage für den Gemeinderat ausgearbeitet. Hier eine Reihe von Kernaussagen aus dem Papier, das am Donnerstag nächster Woche im Bauausschuss des Gemeinderats (17 Uhr, Rathaus) öffentlich beraten wird:

Im Rathaus sieht man die Möglichkeit, dass der Bau einer Tiefgarage mit öffentlichen Stellplätzen an der Schillerstraße mit Geld aus der Städtebauförderung bezuschusst wird. Das von der Kreissparkasse geplante Baugelände liegt in einem von der Stadt ausgewiesenen Sanierungsgebiet „Ziel Innenstadt“. Die Rede ist von rund 2,3 Millionen Euro.

Die Stadtverwaltung plant, dass die Stadtwerke die 180 geplanten öffentlichen Stellplätze anmieten und betreiben. Die neue Tiefgarage mit Lage an der Schillerstraße in Verlängerung der Mathilden- straße könne die hochfrequentierte Rathaustiefgarage von Westen her entlasten.

Die Stadtverwaltung lässt keinen Zweifel daran, dass ihrer Ansicht nach die Bestandsgebäude im geplanten Baugebiet an der Schillerstraße abgerissen werden, auch wenn zwei davon in einer von der Verwaltung initiierten Erhaltungssatzung als erhaltenswert eingestuft wurden. „Diese Bausubstanz wird aus wirtschaftlichen Gründen und im Hinblick auf die Realisierung einer öffentlichen Tiefgarage einem Neubau weichen müssen“, heißt es in der Vorlage für den Gemeinderat.

Die Stadtverwaltung geht davon aus, dass mit den 180 neuen Stellplätzen in einer Tiefgarage der bisher als Parkplatz dienenden Arsenalplatz vollkommen autofrei zu einem urbanen Stadtpark umgestaltet werden kann.

Die Kreissparkasse wird, so heißt es in dem Papier weiter, für die geplante Neubebauung der Schillerstraße mit mehreren Architekturbüros einen Planungswettbewerb durchführen. (red)