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Castor-Probelauf

Transport läuft schneller als geplant

Störungsfrei und schneller als geplant ist gestern der Probelauf des Schiffstransports noch unbestückter Castoren vom stillgelegten Kernkraftwerk Obrigheim zum Zwischenlager in Neckwestheim auf dem Neckar abgelaufen.

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Der über hundert Meter lange Schubverband kurz vor seinem Ziel Neckarwestheim. Er legte die 50 Flusskilometer in neuneinhalb Stunden zurück.Fotos: Alfred Drossel
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Unter Beobachtung: Der Schiffsverband läuft in die Schleuse Lauffen ein.

Ludwigsburg. Um 7 Uhr war der Verband mit dem „Lastdrager 40“ und dem Schubschiff „Edda“ in Obrigheim gestartet. Um 16.45 Uhr traf der Verband an der Anlegestelle in Neckarwestheim ein. An Bord war jedoch noch keine „heiße Fracht“, sondern leere Castoren und entsprechender Balast. Später wiegen die drei Castoren eines Transports jeweils 107 Tonnen. Insgesamt will die EnBW dann 342 hoch radioaktive, abgebrannte Brennstäbe in 15 Castorbehälter packen und die 50 Kilometer lange Strecke über den Neckar von Obrigheim nach Neckarwestheim verfrachten. Auf den Bau eines weiteren Zwischenlagers in Obrigheim will der Stromkonzern indes verzichten, obwohl dafür bereits eine behördliche Genehmigung vorliegt.

Im Vorfeld der „heißen Fracht“, deren Zeitpunkt der Verschiffung noch ungewiss ist, weil noch keine Genehmigung vorliegt, üben die Experten schon seit Wochen. Gestern hatte mit der Probefahrt die heiße Phase begonnen – auch für die Sicherheitskräfte. „Wir haben eine Vorbereitungsgruppe gegründet und bereits einige Szenarien geübt“, sagte Thomas Mürder, Präsident des zuständigen Polizeipräsidiums in Göppingen, der Nachrichtenagentur dpa. „Falls der Transport gestört wird, werden wir dagegen vorgehen“, warnte er. Mürder will auch einen Helikopter einsetzen und zudem soziale Netzwerke im Blick behalten. „Wir werden mit Augen und Ohren an der Lage sein“, betonte er.

Begleiten sollen die Fahrten rund 80 Arbeiter und zahlreiche Polizisten. Immer wieder hatten Aktivisten in den vergangenen Jahren in Deutschland gegen Castor-Transporte auf der Schiene oder auf der Straße protestiert. Gelegentlich kam es zu Ausschreitungen. Auf dem Weg nach Neckarwestheim gibt es immerhin 23 Brücken und sechs Schleusen. Gestern lief ein Sparprogramm ab: Zwar waren an den Schleusen und Brücken Polizeifahrzeuge aufgefahren, es gab jedoch keine Straßensperrungen. Auf dem Neckar, kurz vor der Anlegestelle am GKN, patrouillierte ein Motorboot der Polizei. Das Wetter war regnerisch und stürmisch. Deshalb fand der ungewöhnliche Transport nur vereinzelt Beobachter. Eine Polizeisprecherin in Göppingen sprach von einem störungsfreien Ablauf ohne Probleme.

Erstmals in Deutschland soll Atommüll auf einem Fluss transportiert werden. Umweltschützer laufen Sturm dagegen. Auf die Barrikaden treibt sie dabei auch ein Satz von Jörg Michels. Der Chef der Kernkraft GmbH des Energieversorgers EnBW hatte das Schiff mit den Castoren als „praktisch unsinkbar“ bezeichnet.

Transporte von Atommüll sind bislang nur über das Meer bekannt. Über die Ostsee in Schweden und über die Nordsee zur britischen Wiederaufarbeitungsanlage Sellafield. Der Gedanke, auch Binnenschifffahrtswege für Gefahrguttransporte mit hoch radioaktivem Material zu nutzen, ist im Fall der Atomkraftwerke im badischen Obrigheim und im schwäbischen Neckarwestheim naheliegend, denn beide sind an den Neckar gebaut.