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Museumstreff

Über des Tränenbergs Höhen

Schaut Wolfgang Läpple aus dem Fenster seines Arbeitszimmers, dann hat er direkt den Hohenasperg vor Augen. Das aber reicht dem früheren Ludwigsburger Stadtarchivar nicht. Er sammelt Ansichten vom Demokratenbuckel, die er nun den Museumsfreunden im MIK vorstellte.

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Stadtarchivar a. D. Wolfgang Läpple.Foto: A. Essig
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Es gibt Dutzende historische Postkarten vom Hohenasperg. Archivfoto: LKZ

Ludwigsburg. „Mit einigen Unterbrechungen wohne ich seit meiner Geburt in Asperg“, erklärte Läpple sein Faible für die markante Landmarke. Geboren in eine alteingesessene Asperger Familie, die sich am Ort bis ins 16. Jahrhundert zurückverfolgen lässt, habe der Hügel immer eine Rolle gespielt. Einer seiner ersten Asperger Vorfahren sei ein gewisser Jakob Täublin gewesen. Der habe um 1600 das Amt eines „Hoff-Küffers uff dem Asperg“ innegehabt.

So hatte Läpple schon von Kindesbeinen an Unterlagen und Informationen zur Familien- und Ortsgeschichte gesammelt und zusammengetragen. „Gespannt habe ich auch den inhaltsreichen Erzählungen meiner Asperger Großmutter, Jahrgang 1880, gelauscht, die mir noch über viel Interessantes aus längst vergangenen Zeiten berichten konnte.“ Aktuell sei er dabei die familiengeschichtlichen Unterlagen auszuwerten und digital aufzubereiten.

Er sei Anhänger der Goetheschen Definition, wonach Sammler glückliche Menschen seien. Und nicht der Brockhaus’schen Erklärung einer krankhaft sinnlosen Anhäufung nutzloser Dinge.

Im Gegensatz zum großen Deutschen Literaten mit tausenden Druckgrafiken und Handzeichnungen bezeichnet Läpple seine Sammlung mit ein paar Dutzend Veduten als bescheiden, aber doch umso weltläufiger. Wo immer ihm der Hohenasperg auf Reisen begegnete, schlug er zu. Sofern das Budget das zuließ. In Budapest, Wien, Stuttgart, Basel, Paris, Madrid, oder London wurde er fündig und sogar in einem amerikanischen Antiquariat in New York.

Das meiste verwahrt der Archivar in lichtgeschützten Mappen. „Die Sonne schadet den Objekten.“ Eines aber wird nicht aus dem Wohnzimmer abgehängt: Ein Ölgemälde vom Hohenasperg, das seine Eltern nach der Währungsreform vom damals ausgezahlten „Kopfgeld“ kauften.

Viele Holz-, Kupfer- und Stahlstiche hat er seither erworben. Aquarelle, Fotografien von Luftaufklärern und Postkarten für Touristen. Sie zeigen die Entwicklung der Festung über mehrere Jahrhunderte und deren Verklärung sowie den Respekt vor dem Staatsgefängnis, insbesondere für politisch Verfolgte.

Manche Abbildungen sind zeitgenössisch, geschmückt mit Landvolk, Studenten und Soldaten. Andere sind fast schon ins Lachhafte karikiert. Steil sind da die Hänge, und der Berg schaut beinahe aus, wie der türkische Ararat, auf dem der Überlieferung nach Noahs Arche nach der Sintflut landete. „Ein Symbol wohl, wie schwer es war, von dort wieder herunter zu kommen“ meinte Läpple.

So ist dem Stadtarchivar a.D. auch wichtig, schriftliche Quellen und Literatur zu sammeln. „Schauer fuhr durch mein Gebein, als sich der Asperg vor mir aus seinem blauen Schleier enthüllte“, so beschrieb Schubart 1777 den Tag, an dem er auf Befehl Herzog Carl Eugens eine zehnjährige Haftstrafe auf dem Hohenasperg antreten musste. In seinem Gedicht „Die Aussicht“ sprach er von des „Tränenbergs Höhen“ oder vom „schwäbischen Jammerbuckel“. Später bekam der Berg noch den Beinamen „Demokratenbuckel“. Wesentlich versöhnlicher dagegen die Bezeichnung von Theodor Heuss, der den Hohenasperg als die „Burg der Väter“ nannte. Die meisten Beinamen sind der Tatsache geschuldet, dass der Hohenasperg jahrhundertelang als Staatsgefängnis diente.

Freilich, es wäre zu kurz gegriffen, Aspergs Hausberg nur auf diese eine Funktion zu reduzieren, war er doch lange Zeit auch ein bedeutender keltischer Fürstensitz und eine wichtige Landesfestung. Auch die weltbekannte Federzeichnung Albrecht Dürers von 1519 ist in seinem Besitz. Allerdings nur als Kopie. Gleiches gilt auch für die allseits bekannte Ansicht aus dem Kieserschen Forstlagerbuch. Statt teure Originale zu horten, kommt es Läpple insbesondere vor allem darauf an, das Bild als geschichtliche Quelle an sich zu bewahren. Obwohl er so ein Original auch nicht schlecht fände.